FSSPX: Aufruf zum Kirchensteuer-Boykott

Mit dieser Aktion dürften sich die Piusbrüder, fürchte ich, wohl ins eigene Fleisch schneiden:

Katholisches.info: „Katholisch bleiben ohne Kirchensteuer“ – Piusbruderschaft probt Aufstand gegen Kirchensteuersystem:

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ruft Deutschlands Katholiken auf, das Kirchensteuersystem zu sprengen. Das Motto lautet: Austritt aus dem Kirchensteuersystem zum Wohl der Kirche. Die Bruderschaft greift damit einen Anstoß von Papst Benedikt XVI. auf, der zum Abschluß seines Deutschland-Besuchs im September 2011 von der deutschen Kirche eine „Entweltlichung“ gefordert hatte. Beobachter waren sich einig darin, daß das Kirchenoberhaupt damit vor allem das deutsche Kirchensteuersystem meinte. …

Guido Horst von der Tagespost warnt vor einem Irrweg:

… Es stimmt: Wer die Institution Kirche in den deutschen Landes durchforstet, wird auf manches, vielleicht sogar vieles treffen, was mit Kirchensteuermitteln finanziert wird, aber nicht im Sinne der Kirche ist oder dieser sogar eher schadet. Das ist die Wahrheit. Aber aus dieser Wahrheit zu folgern, dass man die katholische Kirche in Deutschland in ihrer geschichtlich gewachsenen Gestalt deswegen gleich verlassen kann, ist eben eine verrutschte Wahrheit, eine Wahrheit, die in die Irre führt, weil sie den rechten Ort, ihre Einbindung in das Ganze, verlassen hat. …

Siehe auch: http://www.kath.net/detail.php?id=35529 Piusbrüder rufen deutsche Katholiken zum ‘Kirchenaustritt’ auf

Ergänzung 9.3.2012: In ihrem Mitteilungsblatt 2012 03 (S. 40) begründet die Piusbruderschaft ausführlich ihr Vorgehen.

Katholisch bleiben ohne Kirchensteuer

Immer wieder stehen Katholiken vor einem Gewissenskonflikt: Muss ich wirklich die Zerstörung der Kirche mit meinem Kirchensteuerbeitrag mitfinanzieren?

Was viele nicht wissen: Rom hat 2006 in einem Schreiben eindeutig die Vorgehensweise des deutschen Kirchensteuersystems verurteilt. …

Ergänzung: Übrigens rief schon im Januar ein Katholikenkreis zu einer entsprechenden Aktion auf:

Der Kreis von Katholiken im Raum Frankfurt am Main hat eine Unterschriften-Aktion gestartet mit dem Titel: „Kirche ohne Kirchensteuer“.

Zu diesem Katholikenkreis gehören 40 Intellektuelle und bekannte Persönlichkeiten, wie Prof. Dr. Hoeres, Prof. Dr. Dr. Reichhardt, Gräfin von Haller u.a. Sie kritisieren nicht nur den unverantwortlichen Umgang mit der Kirchensteuer, sondern auch die Tatsache, dass das deutsche Kirchensteuersystem gegen das Kirchenrecht gehandhabt wird.

Wer zum Beispiel die Höhe seiner Spende oder den Zeitpunkt der Abgabe selber bestimmen möchte und deshalb aus dem staatlich koordinierten Steuerverband austreten will, dem wird die Kirchenzugehörigkeit als Ganzes abgesprochen.

Wer nicht zahlt, erhält keine Sakramente mehr. Das ist im Grunde genommen Simonie. Das Wort „Simonie“ geht zurück auf eine Stelle in der Apostelgeschichte, in der berichtet wird, wie Simon, der Magier, den Aposteln Geld anbietet, um die Gaben des Heiligen Geistes zu erhalten. „Dein Geld fahre mit dir zur Hölle“, ist die lapidare Antwort des Apostels. (Apg 7,20)

Seither wird die Praxis, Sakramente gegen Geld zu spenden, als Simonie bezeichnet. Sie ist schwer sündhaft und wird von der Kirche aufs Schärfste verurteilt.

Die Katholiken um Werner Rothenberger, Rektor a.D. (Frankfurter Katholikenkreis), und Reinhard Dörner (Zusammenschluss papsttreuer Vereinigungen e.V.) wollen diesen Missstand nun beendet sehen.

Daher rufen sie im Internet zu einer Unterschriftenaktion auf:

http://www.kirche-ohne-kirchensteuer.de

Die deutschen Bischöfe müssen im Grunde zugeben, dass die Kraft, mit welcher das nachkonziliare Zerstörungswerk immer weitergetrieben wird, vor allem aus den finanzstarken Ländern Deutschlands kommt. Nicht, weil dort so viele opferbereite Katholiken praktizieren würden, sondern weil die Kirchensteuer für genügend finanzielle Möglichkeiten sorgt, um antikatholische Funktionäre, Sozialreformer und Laienprediger zu bezahlen.

Würde diese Bestallung wegfallen, die nachkonziliare Umstrukturierung würde in sich zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.

Daher unsere Empfehlung: Bitte unterschreiben Sie – Jede Stimme zählt.

Ergänzung 10.3.2012: Katholisches.info unterstützt die „Entweltlichung“ der Kirche: Kirchensteuer Nein – Biblischer Zehnt Ja – Verzeichnis glaubens- und romtreuer Werke:

… Katholiken, die sich aus Liebe und Verbundenheit zur Kirche weigern, die Kirchensteuer weiterhin in der bisherigen Form zu entrichten und eine Alternative zum deutschen Kirchensteuersystem suchen, finden nun auf Katholisches.info – Das Magazin für Kirche und Kultur eine praktische Orientierungshilfe. Was ist zu tun? Welche Schritte sind beim Standesamt zu setzen? Welche beim Pfarramt? Auf einer eigens eingerichteten Seite finden sich die nötigen Informationen und Formulare.

Wer Nein zum Kirchensteuersystem in der derzeitigen Form, aber gleichzeitig entschieden Ja zu einer Abgabe für den Unterhalt der Kirche sagt, dem wird eine Alternative zur derzeitigen Situation aufgezeigt. Eine Alternative als Übergangslösung, bis die deutsche Kirche eine glaubens- und kirchenkonforme und von Rom anerkannte Neuregelung der Kirchenabgabe getroffen haben wird.

Auf katholisches.info finden Katholiken zur Orientierung ein Verzeichnis von förderungswürdigen glaubens-, kirchen- und romtreuen Werken, denen sie ihre Kirchenabgabe, den Zehnt, wie ihn die Heilige Schrift nennt, direkt zukommen lassen können. …

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3 Antworten zu FSSPX: Aufruf zum Kirchensteuer-Boykott

  1. quer schreibt:

    Wenn ich das richtig verstanden habe, so soll nach dem Kirchengesetz v. 13.3.06 festgeschrieben sein, daß man seine Abkehr von der Kirche (Austritt) nur und ausschließlich vor Gremien oder Vertretern der Kirche vollwirksam (Exkommunikation) erklären kann. Nicht aber vor Dritten, wie z.B. dies ein Amtsgericht (Vertreter des Staates) wäre. Wenn man also vor dem Staat seinen Austritt aus der “Körperschaft öffentlichen Rechts” erklärt, befreit dies von der Kirchensteuer. Wenn man dann aber gleichzeitig den Vertretern der Kirche (Geistlichen) klar bekennt, weiterhin zu glauben, kann dem Gläubigen nicht die Tür gewiesen werden. Es verbietet sich die Exkommunikation, weil der Geldverweigerer sich ansonsten keine schwere Sünde zurechnen lassen muß. Anders, als z.B. ein Ehebrecher, der sich erneut verheiratet. Das Spezifikum der deutschsprachigen Länder liegt darin, daß der Unterhalt der Kirche vom Staat garantiert und eingetrieben wird. Das gibt es in der Weltkirche sonst nirgends. Deshalb scheint das o.a. Kirchengesetz von 2006 (!) speziell auf den deutschen Sprachraum zugeschnitten. Kenner wissen, daß die “Kirchensteuer” Rom schwer im Magen liegt. Denn im Ergebnis bedeutet diese Form des zwangsweisen Kirchenunterhalts schlicht Simonie. Und die ist nunmal verwerflich. Das war wohl der Kern dessen, was Benedikt XVI den deutschen Bischöfen nahebringen wollte. Die Adressaten wissen dies genau. Sie wissen nur nicht, wie man im Gehorsam gegenüber Rom aus der Simonie herausfinden kann. Schlimmer noch: Das Kirchensteuersystem macht den grassierenden Ungehorsam der Bischöfe gegen Rom auf vielen Feldern überhaupt erst möglich.

    • Carolus schreibt:

      Danke für Ihren Kommentar! Ich stimme Ihnen zu und bedaure nur, dass die Piusse mE mit dem Holzhammer ein Problem lösen wollen, das sie ja nicht zu verantworten haben.

      • quer schreibt:

        Klar muß das Problem gelöst werden. Und zwar im Sinne der Gläubigen. Diese (Viele) und auch ich müssen ohnmächtig zur Kenntnis nehmen, daß mit Hilfe und dem Polster der Kirchensteuer der Ungehorsam gegenüber Rom und dem Papst riesige Blüten treibt, wie sonstwo nirgends in der Weltkirche.

        Sei es von sog. Theologen auf kirchlich finanzierten Lehrstühlen, die “Reformen” in Richtung Protestanten einfodern (Stichwort Frauenordination)
        sei es von Laien in Zentralräten und sonstwo, die sich liturgische Mitspracherechte anmaßen,
        sei es von Bischöfen, die die tridentinische Messe fast um jeden Preis verhindern wollen, als sei es Teufelswerk, oder die von der Simonie nicht lassen wollen.

        Was bitte, bleibt übrig, als dem Hinweis der Piusbruderschaft zu folgen? Meine Frage vor einem Jahr an dieselben ergab leider keine relevante Lösung, weil man sich auch dort mit diesem Thema noch nicht auseinandergestzt hatte. Das hat sich offenbar geändert.

        Sollten sich viele Katholiken zu einem solchen Schritt entschließen, könnte einsetzender Geldmangel den Ungehorsam zügeln. Diejenigen, die jetzt dem Papst und der Weltkirche auf der Nase herumtanzen, könnten dann ja zu der bereits offenstehenden Lösung (EKD) ihrer Probleme übertreten.

        Das wird dann ausgeglichen durch die einsetzende Massenflucht der Anglikaner nach Rom.

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