In einem Rundschreiben gibt Andreas Kirchmair Infos und Empfehlungen zum Lebensschutz:
Liebe Freunde und Mitstreiter für die ungeborenen Kinder!
1) Die Sprache der Lebensschützer
Sie ist in den letzten Jahren viel klarer geworden. Das ist wichtig, denn Sprache schafft Bewußtsein. Es gilt, die Verdrehungen, Verwirrungen und Lügen unserer Zeit aufzuzeigen und lebensfeindliche Einstellungen zu ändern, damit auch die noch nicht geborenen Menschen sozusagen offiziell als “Mitglieder” unserer Gesellschaft, als Person, anerkannt werden. Erst durch geänderte Einstellungen in Gesellschaft und Kirche werden sich auch die Gesetze dort ändern.Darum empfiehlt sich — wenn möglich– folgende Wortwahl:
- ungeborenes Kind oder Baby, das Teil einer Familie ist, nicht unpersönliche/medizinische Begriffe wie Embryo, Fötus etc.
- kleiner Mensch, dem Menschen-, aber auch kirchliche Rechte zustehen, der z. B. wenn er getötet wurde, zumindest begraben wird
- namenloses Kind, das bisher erst nach der Geburt und nach Feststellung seines Geschlechts seinen Namen erhält
- Kind von Mutter und Vater, also auch sein Vater hat Pflichten und Rechte
- Mutter, Vater und Kind von Beginn der Empfängnis weg, nicht erst nach der Geburt, also nicht “werdende/-r/-s Mutter/Vater/Kind”
- Kindesabtreibung oder Kindestötung durch Abtreibung, nicht nur Abtreibung (oder das schreckliche “Abbruch”)
- weiters wichtig sind alle Worte, die den immensen Druck (nicht die Verantwortung) der Gesellschaft von der schwangeren Mutter nehmen2) Die ungeborenen Kinder sind kein Sondermüll
Die „Presse“ hat am Karfreitag wieder einen längeren Lebensschutzbeitrag von mir veröffentlicht. Über 60 Lesermeinungen in der Online-„Presse“, dazu noch einige E-Mails an die Redaktion und direkt an mich zeigen (darunter zwei Bischöfe), wie lebendig das Thema der Ungeborenen immer noch ist. Am Abend des Ostermontag war der Gastkommentar sogar an zweiter Stelle der meistgelesenen Meinungen der Online-„Presse“.Danke auch für die Hinweise in Frau Kübles Christlichem Forum, in Kreidfeuer, im Verein Kindergefühle und in gloria.tv. Dagegen wurde der Gastkommentar in amtskirchlichen Medien (die meisten wirken ohnehin wie katholische Prawdas) wie üblich ignoriert.
3) Diözese St. Pölten will Zusammenarbeit mit Aktion Leben Österreich beenden
“Wie macht er das nur, der Preßlmayer?” könnte man in Abwandlung einer bekannten Werbung einer österreichischen Fotoartikelfirma fragen. Hartnäckig hat er sich seit Jahren bemüht, sein Anliegen an den Papst heranzutragen: drei Hungerstreiks vor der Wiener Nuntiatur, diverse an den Heiligen Vater versandte Dokumentationen und zuletzt Gespräche in Regensburg mit Georg Ratzinger, dem älteren Bruder des Papstes.Über die von ihm kritisierte Verstrickung der katholischen Kirche mit den Kindesabtreibungen und mit dem Pro-Choice-Verein “Aktion Leben Österreich” wurde in diesem Newsletter bereits mehrmals berichtet. Nuntius Zurbriggen, Bischöfe und Katholischen Aktion wollten dieses Thema bisher lieber unter den Teppich kehren. Doch das könnte sich jetzt ändern, denn die erste Diözese zeigt endlich Bewegung.
Im Zuge eines längeren Gesprächs zwischen Diözesanbischof Küng, seinem Medienreferenten Habsburg, dem Herausgeber des 13., Engelmann, und Preßlmayer am 13. April 2012 im Bischöflichen Ordinariat überreichte der Bischof dem unermüdlichen Lebensschützer ein Schreiben. Darin versprach Küng, eine “Entflechtung von der Aktion Leben Österreich” in seiner eigenen Diözese vorzunehmen, was er auch seinen Bischofskollegen dringend empfohlen habe. “Die ALÖ ist ja keine Organisation der Kirche und auch nicht unbedingt katholisch” (siehe gloria.tv am 21.3.12).
Preßlmayer hat diese “Entflechtung”, die sicher nicht schmerzlos über die Bühne gehen wird, auch bei den anderen österreichischen Bischöfen urgiert. Über deren Reaktionen wird auf www.kath-prolife.at berichtet werden. Über 860 Unterstützer der Petition warten schon darauf, hoffentlich bald noch mehr.
4) Deutsche Bischöfe befürworten Tötung Sterbender zur Organausbeutung
Am 19.3.2012 trafen sich Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz und die SPD-Spitze zu einem zweistündigen Spitzengespräch. In der Diskussion über bioethische Fragen befürwortete der Augsburger Weihbischof Losinger erneut die Tötung Sterbender zur Organausbeutung (siehe Deutsche Bischofskonferenz).Offenbar kennen die deutschen Bischöfen die drei Gebote Gottes nicht mehr: Du sollst (Sterbende) nicht töten, Du sollst nicht die Unwahrheit sagen (“Totes Leben gibt es nicht”) und Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Gut (Organ).
Selbst Ärzte der Harvard Medical School in den USA (F. Miller, R. Truog) wollen seit 2008 die Lüge vom Hirntod nicht mehr aufrecht erhalten. Sie treten für mehr “Ehrlichkeit” ein, was im Klartext heißt: Die Hirntod-Theorie sei in sich widersprüchlich und nicht glaubwürdig. Daher plädieren sie dafür, die “dead donor role” (Regel der Organentnahme nur nach dem Tod) aufzugeben und die Tötung des Patienten als gerechtfertigt (“justified killing“) zuzulassen.
Dennoch unterstützen ausgerechnet die deutschen Bischöfe weiterhin “justified killing” (einzig Bischof Algermissen hat sich jüngst in der „Fuldaer Zeitung“ konträr positioniert). Politisch korrekt machen sie gemeinsame Sache mit den Mächtigen ihres Landes. Gleichzeitig leisten sie Beihilfe bei ihrer Tötung, indem sie einen Vorgang bewerben und als “Akt der Nächstenliebe” verschleiern und “verkaufen”, den eine wachsende Zahl von Menschen und Lebensschützer auf der ganzen Welt als legalisiertes Verbrechen ansehen.
Übrigens fallen nicht nur Sterbende der wachsenden Organgier zum Opfer. Laut CNN-Berichten machen am Sinai ärztliche Suchkommandos mit mobilen Operationszelten gemeinsam mit kriminellen Beduinen Jagd auf Flüchtlinge. “Die Ärzte schneiden dich auf und dann nehmen sie sich, was sie brauchen”, sagt der frühere Chef der Rechtsmedizin in Kairo, Fakhri Saleh. “Dann lassen sie dich sterben”. Für die Mafia zählt nur das Geschäft. Und das ist enorm lukrativ. “Nur mit dem Handel von Waffen lässt sich mehr Geld verdienen”, sagt Saleh. Das heißt, illegaler Organhandel ist heute profitabler als der Drogenschmuggel oder das Geschäft mit Prostitution.
5) Dauerkrise in der Päpstlichen Akademie für das Leben
Einige der PAL-Mitglieder, die ich in den letzten Jahren kennenlernen durfte, können unglaubliche Dinge erzählen, die dort passieren. Vor drei Jahren im Anschluß an den Kongreß “Signs of Life” in Rom habe ich bei einer PAL-Sitzung zugehört und mir gedacht: Verirrungen, die sich in Österreich im Kleinen abspielen, spielen sich bei vatikanischen Gremien im Großen ab.Nach dem Rücktritt des umstrittenen Präsidenten der PAL, Erzbischof Rino Fisichella (siehe VzL 4/10, 8/10) im Jahr 2010 ist nun der nächste schwere Konflikt ausgebrochen. Fisichella, wie die deutschen Bischöfe Befürworter von “justified killing“, hatte nicht nur die Tötung ungeborener Kinder in Einzelfällen verteidigt, sondern auch die Tötung Sterbender zur Organausbeutung.
Fisichellas Nachfolger, der spanische Opus-Dei-Priester und Bioethiker Ignacio Carrasco de Paula, hat als ehemaliger Kanzler der PAL dessen Linie weiterverfolgt und damit die Krise weiter verschärft. In einem aufsehenerregenden offenen Brief wirft Professor Josef Seifert der jetzigen PAL-Leitung “Verrat an der Morallehre der Kirche” vor (siehe Berichte katholisches.info und kreuz.net).
Der Dauerkonflikt zeigt wieder einmal, warum die katholische Kirche beim Lebensschutz so wenig wirksam ist: Das Prinzip der Zweideutigkeit dominiert, inhaltliche Konflikte werden unter den Teppich gekehrt und nicht einmal viele eigene Leute sind von einer “Kultur des Lebens” überzeugt.
Die 1994 von Johannes Paul II. gegründete Akademie für das Leben hat (eigentlich) die Aufgabe, den Wert des menschlichen Lebens zu schützen und sich mit den Entwicklungen in der Biomedizin zu beschäftigen. Dieses Vorhaben ist gescheitert. Anstatt der wissenschaftlichen Welt eine “Kultur des Lebens” zu erklären, liefert sie der Kirche Rechtfertigungen für “justified killing” bei Kindesabtreibung, Organentnahme und anderen Themen. Daher nochmals: Die PAL gehört aufgelöst und neu aufgebaut.
6) FPÖ will Spätabtreibungen verbieten – wer noch ?
Im Rahmen einer Veranstaltung am 3.5.12 im österreichischen Parlament zum Andenken an zigtausende, als “unwertes Leben” getötete behinderte Menschen hat FPÖ-Behindertensprecher NAbg. Norbert Hofer wieder einmal mit klaren Worten die Abschaffung der sogenannten “Spätabtreibungen” (bis zur Geburt) und der Eugenischen Indikation verlangt (siehe OTS 4.5.12). Unterstützt wurde Hofer dabei vom ÖVP-Behindertensprecher Huainigg.Zwar ist Skepsis angebracht: Das österreichische Gesetz zur Förderung der Kinderabtreibungsindustrie (“Lebens-Fristenregelung”) ist ein Fremdkörper im Rechtssystem, ein Produkt reiner politischer Willkür. Weil auch die kleinste Änderung zu deren Aufhebung führen könnte, gibt es ein (groß-)koalitionäres Einvernehmen, dieses Gesetz nicht “anzutasten”. Auch wenn die Chance auf Umsetzung der FPÖ-Vorschläge durch diese Regierung daher gering ist, ein “Lebens- und Hoffnungszeichen” ist diese Initiative allzumal.
Herzliche Grüße
Andreas Kirchmair
Und manches ungeborene Kind wird dann rufen:
“Mutter, Vater, warum habt ihr mich denn nicht leben lassen?”
(Wilfried Plock in Jesus ist der Weg, S=85)