12. September 1683: Schlacht um Wien

12. September: Jahrestag der Schlacht um Wien

Am 19. Oktober 1682 verließ eine türkische Armee von 200.000 Mann mit 300 Geschützen Istanbul, überwinterte in Edirne und erreichte am 3. Mai 1683 Belgrad, wo Sultan Mehmed IV. seinem Großwesir Kara Mustafa Pascha den Oberbefehl über das Heer übertrug. Dieser sollte das türkische Heer bis zur Reichshauptstadt Wien führen.

Als die türkische Heermacht herannahte, verließ Kaiser Leopold I. mit seiner Familie Anfang Juli Wien und flüchtete nach Linz. Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg übernahm die militärische Führung in der Stadt.

Die Hauptarmee der Türken traf am 13. Juli in der Nähe von Wien ein. Am 15. Juli forderte Kara Mustafa Graf Starhemberg zur Übergabe der Stadt auf. Als dieser ablehnte, begann der Belagerungskrieg, der unter der Bezeichnung „Zweite Wiener Türkenbelagerung“ in die Geschichte eingegangen ist.

In Wien herrschte schon bald Nahrungsmittelknappheit und die Ruhr. Es gab nur noch 4000 kampfbereite Männer zur Verteidigung. Die erschöpfte Wiener Bevölkerung hoffte auf ein baldiges Eintreffen des Reichsheeres unter dem Kommando von Karl V. von Lothringen sowie des Entsatzheeres des polnischen Königs Johann Sobieski (ein Entsatz war vorher vertraglich vereinbart worden).

Dieses 70.000 Mann starke Heer näherte sich über die Berge des nördlichen Wienerwaldes der belagerten Stadt und stand am 12. September am Kahlenberg.

Der in polnischen Diensten stehende französische Ingenieur Dupont notierte in seinem Tagebuch Folgendes:

Großer Gott!
Welch ein Schauspiel bot sich unseren Augen vom Scheitel dieses Berges dar! Der ungeheure Raum von prächtigsten Zelten übersät. Das fürchterliche Gedonner aus den Feuerschlünden der feindlichen Batterien und die erwidernden Schüsse von den Stadtmauern erfüllen die Lüfte. Rauch und Flammen verhüllten die Stadt dergestalt, daß nur die Spitzen der Türme dazwischen sichtbar waren. Überdies aber breiteten sich 200.000 Osmanen in Schlachtordnung vor ihrem Lager in der Strecke von der Donau bis an die Gebirge aus, und weiter links von den Türken zogen ungezählte Tatarenhorden gegen die Höhen und Waldungen heran. All dies war in voller Bewegung und rückte gegen das christliche Heer vor.

Großwesir Kara Mustafa hatte es jedoch verabsäumt, Infanterieeinheiten im Wienerwald zu stationieren. Die Polen konnten daher die Verteidigungslinie der Türken durchbrechen und verwickelten sie im Nordwesten von Wien in heftige Gefechte. Nachdem der türkische Truppenkern aufgerieben worden war, ergriffen die Türken Hals über Kopf die Flucht. Kara Mustafa hatte die Schlacht um Wien trotz dreifacher Übermacht verloren…

Das türkische Heer sammelte sich erst wieder bei Raab und zog von dort nach Belgrad zurück. Hier wurde der erfolglose Feldherr Kara Mustafa am 25. Dezember auf Befehl des Sultans erdrosselt.

Das Reich der Habsburger brauchte lange Zeit, um sich von der Verwüstung durch die Türken zu erholen. Dennoch wurde durch diesen Sieg der Christen die schrittweise Zurückdrängung des osmanischen Machtbereichs in Europa eingeleitet.

Wien – 1683

Victor von Renner, 1883:
Wien im Jahr 1683 – Geschichte der zweiten Belagerung der Stadt durch die Türken:

So wurde denn die Belagerung Wiens und der am 12. September 1683 erfolgte Entsatz der Residenzstadt des römischen Kaisers der Anfangspunkt eines Krieges, welcher, aus einer beinahe ununterbrochenen Reihe der glänzendsten Siege kaiserlicher Heere über die Türken bestehend, endlich ganz Ungarn und Siebenbürgen der Herrschaft des Halbmondes entriss und die heutige Größe der österreichisch-ungarischen Monarchie begründet.

Dieser Zusammenbruch der türkischen Übermacht hatte aber auch noch eine andere Folge.
Seitdem an jenem 12. September die Türken vor Wien so entscheidend geschlagen worden waren, seitdem die kaiserlichen Heere den Krieg siegreich nach Ungarn hineintrugen und das Machtgebiet LEOPOLD`s I. immer weiter nach Südosten hin ausbreiteten – seitdem hörte die Residenzstadt des Kaisers auf, eine Grenzfestung Deutschlands zu sein gegen den Ansturm asiatischer Uncultur.

Allerdings dauerte es noch lange Zeit, bis Wien seinem natürlichen Berufe als Hauptstadt eines großen Reiches, als wichtigstes Handelsemporium an der Donau, als Weltstadt sich hinzugeben vermochte, ungehindert von einschnürenden und beengenden Bastionen und Wällen – der erste Anstoß zu dieser allmälig sich vollziehenden Wandlung wurde gegeben durch den Sieg der kaiserlichen und alliierten Truppen vor den Mauern dieser Stadt.

Möglich gemacht wurde dieser Sieg durch die beinahe neunwöchentliche erfolgreiche Verteidigung der Festung gegen die wütende Versuche des Feindes aller christlicher Kultur, den wichtigen Waffenplatz noch vor dem Erscheinen der Entsatzarmee zu überwältigen. Verhältnismäßig klein war die Schaar der Kämpfer um Glauben und Freiheit. Ein heroischer Kommandant, ausgezeichnete Officiere und kriegsmutige, tüchtige Soldaten, aber auch eine Leib und Leben, Hab und Gut aufopfernde Bevölkerung, pflichtgetreue Behörden haben das Außergewöhnliche möglich gemacht.

Aus diesem Grunde ist der 12. September des Jahres 1683 ein bedeutungsvoller Tag in der Geschichte der Monarchie, einer der bedeutungsvollsten Tage in der Geschichte Wiens.
Wenn sich die Stadt rüstet, die Gedächtnisfeier dieses vor nunmehr zweihundert Jahren eingetretenen Ereignisses würdig zu begehen, so hat sie in mehr als einer Beziehung ein Recht, die Pflicht dazu.
Die Vorfahren der heute lebenden Generation waren ja nicht bloß passive Zeugen dieser großen Tat, sie haben selbst mitgewirkt zum Gelingen derselben.
Nicht bloß Österreichs ruhmbedecktes Heer hat ein Anrecht stolz zu sein auf die glorreichen Kämpfe des Jahres 1683, nicht minder auch die Stadt Wien, denn die Wiener des 17. Jahrhunderts haben opfermutig mitgekämpft bei der Abwehr türkischen Übermutes.

Mariä Namen

Zum Dank für die Bewahrung des christlichen Abendlandes, insbesondere 1683, wird am 12. September das Fest Mariä Namen gefeiert.

Ergänzung 13.9.:
Befreiung Wiens 1683 von Emma Schmidt-Weinrich (Historie und Gegenwartsbezug)

Ergänzung 23.9.:
Papst Innozenz XI. war Protagonist im Abwehrkampf gegen die Türken.
Der selige Kapuziner-Prediger Marco d’Aviano wird wegen seines politisch-kirchlichen Einsatzes als Retter Wiens bezeichnet.

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