Antigone: Kultur als Erinnerung

Bin durch „Zufall“ wieder auf einen Artikel Günter Rohrmosers gestoßen, veröffentlicht im Juni 2008, wenige Monate vor seinem Tod:

http://eu-ae.com/index.php?option=com_content&view=article&id=67:aktuell-nach-dem-untergang-wird-europa-nicht-verschwinden-kultur-als-erinnerung:

… Als Aufstand gegen dieses [ökonomische] Prinzip beginnt der Geist Europas bei den Griechen in diesem herrlichen Werk „Antigone“. Das heißt, die Politik hat kein Recht auf die Nichtanerkennung des scheinbar aus ihrer Sicht Zwecklosen. Antigone setzt sich für einen Leichnam, für einen Toten ein, der aller seiner Kräfte und Möglichkeiten sich zu wehren beraubt ist, ebenso wie ein ungeborenes Kind. Das Wunderbare am Werk der Antigone ist, dass eine Frau sich dieses Funktionslosen, Nutzlosen und Hilflosen annimmt und sogar bereit ist, zur Verwirklichung des Rechts dieses Hilflosen den eigenen Tod bewusst und gewollt auf sich zu nehmen.

Das ganze Gerede von den Eigenarten weiblichen Wesens, was angeblich dem männlichen früher unterlegen und heute überlegen ist, zerrinnt zu nichts, wenn man diese Apotheose der Frau, die mit einer inneren, fast dämonischen Härte, Eigensinn und Mut bereit ist, in den eigenen Tod für das Recht eines Toten zu gehen. Ich kenne nichts in der gesamten Weltliteratur, was einer solchen Verherrlichung der Frau gleich käme jenseits des traditionellen und feministischen Frauenbildes. Antigone ist im Sinne des Feminismus einer der freiesten Menschen, die in der antiken Kultur gestaltet worden sind. Insofern verkörpert sie mehr als je eine Feministin es kann Freiheit und Selbstverwirklichung und ist gleichzeitig am tiefsten gebunden durch ein religiöses, ja ein göttliches Gesetz.

Siehe auch: http://deutschland-politik-21.de/2011/07/22/antigone/

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Ergänzung 15.4.2014:

http://freies-oesterreich.net/2014/04/13/griechische-weisheit-identitaere-weltanschauung/:

Die Tragödie „Antigone“, das erste Stück von Sophokles’ „Thebanischer Trilogie“, wurde in Athen ca. 442 v. u. Ztr. uraufgeführt.

Der Hintergrund zum nachstehenden Dialog zwischen Kreon und Antigone: Kreon, der König von Theben, verbietet, Polyneikes zu beerdigen, da dieser gegen die Stadt Krieg geführt hat. Antigone, Polyneikes’ Schwester, übertritt das Verbot; zur Strafe lässt Kreon sie lebendig einmauern.

Kreon
Sag mir mit einem Wort, ohne Herumgerede:
war Dir die Vorschrift, die ich verkündete, bekannt?

Antigone
Ja, wie sollt ich nicht sie kennen? Sie war ja öffentlich kundgetan.

Kreon
Und wagtest doch Du mein Gesetz zu übertreten?

Antigone
Ja, war’s doch nicht Zeus, der es verkündet hat,
noch ist’s Gerechtigkeit, wie sie des Hades Götter pflegen;
Dein Gesetz, Menschenrecht, ist von den Göttern nicht gesandt.
Auch glaub ich nicht, dass Dein Gesetz von solcher Stärke ist
dass Du, selbst Sterblicher, es wagen könntest
die ew’gen ungeschriebenen Gesetze der Götter zu verletzen.
Sie stammen nicht von heute oder gestern, nein, seit immerdar
und unveränderlich sind sie Gebote der Natur.
Wie sollte ich den Wünschen eines Menschen folgen
wenn ich damit der Götter Strafe auf mich zöge?
Ich weiß ja, dass ich sterben werde, ist’s nicht so?
Wozu bedarf’s dann noch Deines Gesetzes?

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