Manfred Prisching: Epidemie der Unanständigkeit

Der Grazer Soziologe Manfred Prisching analysiert die Grenzen des Anstands in der heutigen zeitgeistigen Unkultur:

Die Botschaft für die modernen Menschen, wie sie in Zeitungsbeilagen und Seitenblicke-Sendungen verkündet wird, ist deutlich: Mit Anstand und Leistung grundelst du irgendwo herum, wenn du hingegen nach oben kommen willst, dorthin, wo es sich abspielt, dann musst du ganz anders handeln. Denn dieses ist eine Kasinogesellschaft, und da kommt es darauf an, dass du dich passend inszenierst, dass du mitspielen darfst und dass du gut bluffst. Vor allem musst du die richtigen Leute kennen. Man nennt das heute vornehm: „Netzwerke“. Nur auf diese Weise kommst du zu den guten Informationen, kennst die erfolgsträchtigen Aktien, wirst mit den richtigen Leuten bekannt, kannst auf das Insider-Pferd setzen. Die Typen in der VIP-Lounge machen ja nicht den Eindruck, dass sie sich in härtester Arbeit, bis in die Nacht hinein, aufreiben. Aber alles ist möglich. Du kannst du schon morgen Super-Model sein, Pop-Star – oder wenigstens einen Millionär heiraten. An der richtigen Schnittstelle sitzen – und „mitschneiden“. Vermitteln und beraten – das lässt sich schwer messen und gut bezahlen. Ex-Politiker machen es vor, bei der Gazprom und anderswo. Die richtige Internetseite gründen. Das richtige Investment – das geht auch ganz einfach online. Schon bist du reich…

… Das Leben in einer Welt der Simulationen, der Selbst- und Fremdtäuschungen, wird zur eigentlichen Leistung. Du musst der bessere Spieler sein, du musst die besseren Tricks haben. Gambling als Lebensziel bedeutet nicht nur, dass die Anomie normalisiert wird, dass Lüge, Korruption und Bluff alltäglich werden; vielmehr wird die Inszenierung zum Qualifikationsbeweis. Die Finanzexperten haben es vorgemacht, dort sind die Millionen gerollt, solange, bis sie sich selbst ausgetrickst haben. Sie haben die Welt in den Abgrund geführt, aber während noch Steuergelder in die Banken fließen, werden exorbitante Gewinnzuwächse und Prämienerhöhungen publik. Was lernen wir daraus? Es gilt, zeitgerecht herauszuholen, was herauszuholen ist, wo immer man den Vorteil des Zugreifens hat. Sonst bist du dumm. Und einige greifen halt wirklich zu…

http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/2833404/grenzen-des-anstands.story

Ergänzung 26.9.:
Dazu passt: http://schreibfreiheit.eu/2011/09/25/spo-bleibt-konsequent-korruption-wird-nur-in-den-eigenen-reihen-geduldet/:

Korruption ist in der linken Reichshälfte gerechtfertigtes Mittel zum Zweck, um die gerechte Gesellschaft rasch und effizient herzustellen.

 

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