Birgit Kelle: Kinderkrippen allerorten

Birgit Kelle zur Betreuungsgeldfrage: Es ist genug Geld da:

… Die Frage ist einfach nur, an wen und in welcher Form wird es verteilt. Wenn die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder am Wochenende dem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble entgegen kommt und das ab 2013 geplante Betreuungsgeld schon vorab um 50 Prozent kürzt, noch bevor es in Kraft tritt, ist der Verweis auf die gespannte Kassenlage jedenfalls kein überzeugendes Argument. Ganz zu schweigen davon, dass die Milliardenbeträge, die derzeit wieder für Griechenland oder Bankenrettungen in der Diskussion sind, ja offenbar auch irgendwoher kommen, obwohl die Kassen angeblich ständig leer sind.

Kelle fragt, warum nicht ein Teil der acht Krippenmilliarden für Direktzahlungen an Eltern mit kleinen Kindern verwendet wird.

… Rechnet man es auf zwei Jahre hoch – wie ursprünglich geplant – dann steht dort eine Summe von 22.000 Euro (Kita)  gegen eine lächerlich kleine Summe von 3.360 Euro Betreuungsgeld für den gleichen Zeitraum.

Es ist also kein Geld da in der Kasse? Na, dann lasst uns doch sparen! Warum nur schwenkt der Staat nicht auf die für ihn deutlich günstigere Lösung ein und fördert die Eigeninitiative und Erziehungsgewalt der Eltern? Kostengründe können es jedenfalls nicht sein, denn die Zahlen zeigen deutlich ein anderes Bild.

Kelle verurteilt auch die Diffamierung des Betreuungsgeldes als „Herdprämie“ und weist auf die Wichtigkeit von Wertevermittlung und Bildung hin sowie auf die oftmalige Notwendigkeit späterer therapeutischer Maßnahmen für geschädigte Kinder.

Ein weiterer Artikel Birgit Kelles befasst sich mit Schweden, wo angeblich die besten Krippen der Welt stehen.

… Dieses Klischee hat sich schon derart in unseren Köpfen verankert, dass man gar nicht mehr genau hinterfragt, ob dies eigentlich stimmt und vor allem, nach welchen Kriterien dies eigentlich festgelegt wird. Egal welches EU-Dokument Sie in die Finger bekommen in Bezug auf Bildungs- und Krippenpolitik, überall der Hinweis auf das vorbildliche Schweden. Die OECD mahnt regelmäßig in ihren Familienberichten, man möge doch dem erfolgreichen schwedischen System folgen. Doch wie bestimme ich eigentlich, was eine gute Kita ist und woran messe ich es? In Schweden sind abseits der europäischen Beobachter derzeit ganz verstörende Diskussionen im Gange, zum Beispiel darüber, wer eigentlich die Sicherheit der Kinder in den staatlichen Kindertagesstätten garantiert…

Nach einem Verbrühungsunfall in einer Krippe zeigt sich, dass der Schutz der Kinder überhaupt nicht geregelt ist in einem Land, in dem drei Viertel aller Kinder ab einem Jahr in Fremdbetreuung sind

Schon 2002 veröffentlichte das Universitätskrankenhaus von Norrland eine Studie, wonach sich im untersuchten Zeitraum zwischen 1985 und 2001 bei Krippen- und Kitakindern die Unfallschäden wie zum Beispiel Frakturen und Gehirnschädigungen verdoppelt hatten. Als denkbare Ursache wurde angegeben, dass die Aufsichtspflicht des Personals offenbar nicht ausreichend gewährleistet werden kann, da sich im gleichen Zeitraum die Gruppenstärke vergrößert und der Personalschlüssel verringert hatte.

… Auch das schwedische Sozialamt schlug in seinem Umweltgesundheitsbericht 2005 Alarm. Es stellte fest, dass der Lärmpegel in Krippen teilweise deutlich über dem gehörschädigenden Niveau sei. Als Folge drohe ein Anstieg von Erkrankungen wie Tinnitus, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und herabgesetzte Hörfähigkeit.

… Im Jahr 2007 wiederholte die staatliche Kinder- und Jugendbeauftragte Lena Nyberg in ihrem Jahresbericht die Forderung, endlich etwas für die Kleinstkinder im Land zu tun. In ihrem Bericht zeigte sie auf, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen in der Altersklasse zwischen null und sechs Jahren massiv steigt. Über 30 Prozent der Kinder unter einem Jahr würden sich nicht mehr an ihre Eltern binden. Dies sei jedoch Grundvoraussetzung für eine spätere harmonisch verlaufende Entwicklung im weiteren Leben. Immer häufiger suchten Eltern von Kleinstkindern Beratungsstellen auf mit der Bitte um Hilfe. Doch nicht nur die psychischen, sondern auch die körperlichen Erkrankungen bei Kindern sind laut dem Bericht deutlich angestiegen.

… Auch gibt es im Land der höchsten Krippendichte weltweit keine Untersuchung über mögliche Langzeitfolgen der frühen Krippenbetreuung. Dennoch rühmt man sich in Schweden auf der Homepage des Familienministeriums,  man habe die besten Kitas der Welt. Andere Länder haben dort Pionierarbeit geleistet, vor allem die USA und Großbritannien. In dem Land, in dem es schon am längsten und umfangreichsten frühe Kinderbetreuung ab dem Säuglingsalter gibt, wären solche Studien am ehesten machbar gewesen und hätten sicher großen Erkenntniswert gehabt, gerade auch im Hinblick auf eine mögliche Vorbild- oder Abschreckungsfunktion. Doch offenbar hatte die schwedische Regierung niemals Interesse daran, die eigene Familien- und Krippenpolitik wissenschaftlich hinterfragen zu lassen.

Siehe auch:

Ergänzung 7.6.2012: Birgit Kelle: Deutsche Krippenlüge: Frankreich hat viel weniger Kitas!:

Für deutsche Demographieexperten und Politiker sind Länder wie Frankreich gemeinhin der Himmel. Eine Geburtenrate bei annähernd zwei Prozent [vmtl. gemeint: zwei Kinder je Frau], davon kann man hier nur träumen, wo frau bei uns doch in der Regel nur knapp 1,4 Kinder zur Welt bringt. Deswegen wird uns immer gerne das französische Modell der groß ausgebauten Krippenbetreuung in Frankreich unter die Nase gerieben, als Vision und Vorbild. Doch es stellt sich heraus: Diese Behauptungen sind eine Lüge. Das ergeben Zahlen der französischen Botschaft.

… Erstens: Frankreich tut weit mehr für die Familien als nur Krippenplätze zu bauen, und zweitens: In Frankreich werden keineswegs die Kinder unter drei Jahren größtenteils in Krippen betreut – stattdessen ist der Anteil der Krippenkinder in dem Alter mit gerade mal gut 13 Prozent sogar sehr gering. Also, wenn bei uns von der Politik gefordert wird, sich ein Beispiel an Frankreich zu nehmen: ja gerne, aber bitte nicht selektiv nur die politisch gewollten Rosinen herauspicken.

… Der deutsche Weg ist längst überholt durch die wichtige Erkenntnis, dass kleine Kinder ihre Mütter und Väter dringender brauchen als eine Krippe. Das wissen die Menschen in vielen europäischen Ländern bereits, trotz anderer Vorgaben aus Brüssel. Nur wir, wir rennen immer noch brav hinter den gesellschaftszerstörenden Gesetzen her. Wie lange noch?

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