Neues Theater Budapest: Kampf gegen rechts

Die Budapester Zeitung berichtet:

Am vergangenen Samstag wurde unweit der Ungarischen Staatsoper vor dem Gebäude des Újszínház (Neues Theater) eine Demonstration abgehalten. Unter den Demonstranten waren vorwiegend Theaterfreunde und Theatermitarbeiter. Weshalb sie ihrem Zorn Luft machten, ist eine Entscheidung des Budapester Oberbürgermeisters István Tarlós von Anfang Oktober.

Tarlos hatte sich nämlich erdreistet, den ehemaligen Vorsitzenden der Partei „Wahrheit und Leben“ Istvan Csurka zum Intendanten und György Dörner zum Direktor des Neuen Theaters zu ernennen.

Die Israelitische Kultusgemeinde Wien bringt ihre Geschütze dagegen in Stellung:

Der Feldzug der Orban-Truppe gegen die in Mitteleuropa weithin akzeptierte politisch-gesellschaftliche Kultur treibt aber noch weit besorgniserregendere Blüten: Im kleinen Budapester Neuen Theater (Uj Szinhaz) sollen ab Februar zwei Rechtsradikale das Ruder übernehmen. FIDESZ-Bürgermeister Istvan Tarlos schert sich nicht um Proteste im In- und Ausland, es bleibt dabei: Istvan Csurka, bekennender Antisemit, Vorsitzender der rechtsradikalen Partei MIEP (Partei der Wahrheit und des Lebens) und Autor von Dramen, wird Intendant.

Direktor dieser Bühne wird mit György Dörner ein Mann, der nicht davor zurückschreckt, den von den Nazis besetzten Begriff “entartet” zu benutzen, wenn er den liberalen Kulturbetrieb kritisiert… Tarlos hält an Dörner fest, weil dieser “klassische ungarische Stücke in klassischen Inszenierungen” bringen will. …

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes hatte schon 2001 Csurka als rechtsextrem geoutet:

Für Csurka ist Europa seit 1945 von der obligaten jüdischen Weltverschwörung entmachtet und (geistig) kolonialisiert worden. Die als „Gestalter der Weltfinanzen“ bezeichneten Jüdinnen und Juden hätten zunächst die „amerikanische Weltmacht“ in Besitz genommen, um dann Europa zur supranationalen Einigung zu zwingen. Auch die NATO-Intervention im ehemaligen Jugoslawien diene deren Interessen, stelle die Präsenz von NATO-Truppen in der Region doch „Israels Sicherheitsflanke vom Nordwesten“ dar. Das für Europa so gefährliche „Selbstaufrichten des russischen Imperiums“ nütze nur „Amerika und Israel“. Die in Deutschland begonnene und auf ganz Europa ausgeweitete „Umerziehung“ werde auch in Ungarn von den Medien betrieben, die laut Csurka ebenfalls „von dieser nationsfremden Clique beherrscht“ würden. Auch hinter der internationalen Ablehnung der FPÖ-Regierungsbeteiligung stünde „ein außereuropäisches Land, Israel“.

Der Standard versucht, Csurka noch weiter ins rechte Eck zu treiben, indem er dessen Stellungnahme zur erfolgten Hetzkampagne zitiert:

„Wenn ich mit Dörner nicht mittels Bewerbung das neue Theater für das ungarische Drama und als ungarische geistige Werkstatt gewonnen hätte, und wenn gegen die Entscheidung der Hauptstadt keine verrückte Hetzkampagne geführt worden wäre, hätte ich nie so klar erkennen können, worin wir leben. Vor mir eröffnete sich eine Hölle, von deren Existenz ich wusste, über die ich auch schrieb – deswegen nennt man mich einen Antisemiten – doch dass das dermaßen organisiert, so hemmungslos und rassisch bestimmt ist, das wollte selbst ich oftmals nicht glauben.“

Damit hätte Istvan Csurka seine Vorstellungen über „die Herrschaft des Pester Judentums über die Kultur dargestellt“ und „seine eigene Rolle im Kampf um den Aufstieg der Nation determiniert“, kommentiert die Internetzeitung Index.

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3 Antworten zu Neues Theater Budapest: Kampf gegen rechts

  1. Kilian schreibt:

    Der Facebook Like Button wuerde sich gut auf der Seite machen, oder finde ich ihn nur nicht?

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