Der Feminismus ist frauenfeindlich

In Famille Chrétienne (via Vision 2000 6/2011) betont Alain Bandelier die Wertschätzung der Frau im christlichen Mittelalter und weist auf die Frauenverachtung der Aufklärung und die Frauenfeindlichkeit des Feminismus hin:

Oft wird der Kirche Sexual- und Frauenfeindlichkeit unterstellt — besonders vom Feminismus. Eine totale Verkehrung der Tatsachen. Längst ist bekannt, dass das christliche Mittelalter eine besondere Wertschätzung der Frau kannte, während der Feminismus die Vermännlichung der Frau begünstigt.

Stehsätze über den mittelalterlichen Obskurantismus und die Gewohnheit, das Mittelalter zu karikieren, sind einfach nicht umzubringen. Die Leute haben eben nicht Régine Pernoud (ihr Buch „Pour en finir avec le Moyen Age“) gelesen. Daher wissen sie auch nicht, dass die 1000 Jahre, die zwischen dem unzivilisierten Zeitalter und der Renaissance liegen, keineswegs einen zeitlichen Stillstand darstellten, ein geschichtliches Vakuum, einen Klammerausdruck. Vor allem aber ist unbekannt, dass das Mittelalter das goldene Zeitalter des Christentum war.

Man ignoriert das — genau genommen, will man es gar nicht wissen. Aber die Würde der Frau wurde gerade in diesem gesamten Zeitabschnitt weit höher geschätzt als davor (im Römischen Recht standen Frauen und Kinder unter der Herrschaft des Mannes) und danach (da wird wegen der unmäßigen Wertschätzung des Altertums die Denkungsart von der Renaissance bis zur Aufklärung zunehmend heidnisch).

(…) Wer naiv ist, glaubt, die Emanzipation der Frau sei ein Kind der Aufklärung und der Revolution. Dazu muss man wissen, dass man im Allgemeinen von den selbst ernannten „Philosophen“ des 18. Jahrhunderts nur ausgewählte und von anstößigen Stellen gesäuberte Texte liest. Eine aufmerksame und umfassendere Lektüre zeigt, dass die „weibliche Rasse“ (!) weitverbreitet verachtet wird. So ist es etwa Rousseaus, dieses einsamen Spaziergängers, Ideal, „sich selbst zu genießen“. Er nennt sich einsam — und gibt es da doch Thérèse. Auch belastet sich der Autor des Contrat social keineswegs mit seinen vier Kindern.

Voltaire? In seinen Augen ist die Frau „ein zweibeiniges Tier ohne Federn“ — wobei anzumerken ist, dass für ihn auch der Mann nicht viel mehr zählt. Für die Vorstellung, der Mensch sei Abbild Gottes, findet er nur vulgäre Worte. Und Diderots Traum? „Eine Karosse, ein Appartement, feine Wäsche, ein parfümiertes Mädchen“ (Dinge, die zusammenpassen).

Die Revolutionäre werden ebenfalls von dieser, vom Nützlichkeitsdenken beeinflussten, Sicht der Frau als Objekt geprägt sein. Man findet diese Ideologie bei Proudhon: „Der Wilde hat es klar verstanden: Aus dem Weibchen, dem wilden Tier, hat er ein Arbeitstier gemacht.“ Bis hin zu Balzac findet man Ratschläge wie: „Hab nicht mehr Barmherzigkeit für diese Tränen-, Launen- Ohnmachtsmaschinen … als der Scharfrichter.“

In manchen Texten gibt es Anspielungen auf die Hypothese der Vergewaltigung. Der Marquis de Sade (für manche der Herold einer endlich von den jüdisch-christlichen Tabus befreiten Sexualität) wird diese unmenschliche Logik konsequent fertig denken: „Ich bediene mich einer Frau, um eines Bedürfnisses willen, wie man sich eines Nachtgeschirrs für einen anderen Zweck bedient.“

Ist der Feminismus eine gesunde Reaktion auf diese Missachtung der Frau, gegen ihre Entfremdung in Theorie und Praxis? Genau genommen greift der Feminismus in seiner radikalen Ausprägung voll und ganz die materialistische und utilitaristische Sicht der Aufklärung auf, die des „Menschen als Maschine“. Ihr Motor ist der Eigennutzen. Und: Diese Maschine meine nur, dass sie denkt, obwohl sie doch nur von Gefühlen gesteuert sei. Weiters greift der Feminismus den überzogenen Individualismus auf: Das Ich habe Vorrang vor jeder Form menschlicher Gemeinschaft und sei dieser überlegen — umso mehr auch jedem Bund mit Gott.

Bis heute verfolgt dieser auf dem Aufstand gegründete Feminismus die Zerstörung der Weiblichkeit und befolgt damit treu das Programm der Revolutionen. Im Krieg, den er gegen die Ehe, die Familie, die Mutterschaft, das Kind eröffnet hat, kommt zum Ausdruck, wie absolut er sich mit dem Männlichen identifiziert — Gipfel der Entfremdung des einen Geschlechts durch das andere.

Wirklich, jetzt ist nicht die Zeit, sich dafür zu entschuldigen, dass wir katholisch sind. Wir sind nämlich keineswegs die Nachzügler der Revolution der Sitten. Wir sind die Propheten der Größe des Mannes und der Frau, der schönen Liebe. Denn Gott ist die Liebe.

Siehe auch: Antigone: Kultur als Erinnerung

Ergänzung 3.12.: Dieser Artikel findet sich auch auf Schreibfreiheit.eu und bei Wolfmayr.org.

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