„Arabischer Frühling“

Die Islamisten übernehmen die Macht. Heute in Ägypten, übermorgen in Europa, wenn das Volk nicht munter wird.

Auszug aus: Mit der Wand reden. Interview mit dem koptischen Menschenrechtler Dr. Nagib Gebraiel.

Was sind die endgültigen Wahlergebnisse der ersten Runde?

Dr. Gebraiel: Vorgestern und gestern wurden die letzten Ergebnisse in den ersten neun Bundesländern nach der zweiten Wiederholung der Stichwahlen bekanntgegeben. Die muslimischen Parteien (Moslembrüder, Salafisten und Gamaa Islamia) erhielten „80%“  der Stimmen. Es wird erwartet, dass sie nach den nächsten zwei Runden auf „88%“ der Parlamentssitze kommen. Und jeder weiß genau, welche Konsequenzen das für Ägypten hat.

Stimmen Sie dem zu, dass Ägypten erst komplett islamisiert und dann das islamische Kalifat im Nordafrika von Marokko bis Ägypten durchgeführt wird?

Dr. Gebraiel: Nach der Revolution im vergangenen Januar erlebte Ägypten eine neue Dimension der islamischen Radikalität, wie sie nie zuvor stattfand. Ganz öffentlich werden die Kopten als Ungläubige bezeichnet. Die Zerstörung der Kirchen und Plünderung der Besitztümer der Kopten sind keine Seltenheit. Die Moslembrüder und Salafisten verbreiten unter [den] Augen des Militärrats und Innenministeriums die hässlichsten Gedanken. Das findet bei der Mehrheit der Bürger Gefallen, weil diese Radikalität in den letzten Jahren auf den salafistischen TV-Sendern gesät wurde. Einerseits kaufen sie die Gunst des naiven Bürgers mit Lebensmitteln oder Geschenken und andererseits terrorisieren sie ihn mal mit dem Fluch Allahs, wenn er die ungläubigen Parteien wählen würde, und mal mit Gewalt. Logisch wird ein islamisches Kalifat erwartet, was mehrmals bekanntgegeben wurde. Aber das geschieht nicht sofort, sondern etappenweise! Sie erinnern uns an Khomeini, der den Schah putschte.

Wie stellen Sie sich diese Etappen vor?

Dr. Gebraiel: Khomeini schockierte die Iraner nicht sofort mit seinem Allahstaat, was die Moslembrüder und Co. machen werden. Was uns Kopten anbelangt, werden sie in die Praxis umsetzen, was in dem Pakt von Omar Ibn Alkhattab steht. Die Kirche, die zerstört wurde oder baufällig ist, darf nicht wiederhergestellt werden. Eine Kirche im „Haus des Islam“ darf nicht errichtet werden. Die Glocke darf im Kirchenturm nicht läuten. Kreuze auf den Kuppeln darf es nicht geben, was wir im vergangenen September in Assuan erlebten. Dann kommen die Dinge, die nach dem Rücktritt Mubaraks verkündet wurden. Damit meine ich den Tribut. Wir sollen ihrer Überzeugung nach Tribut an Moslems zahlen, weil sie uns als Dhimmy Schutz bieten. Wer nicht zahlen kann, muss wie viele Kopten auswandern oder zum Islam übertreten, weil wir nicht in der Lage sind gegen sie zu kämpfen, wie das bekannte Ultimatum lautet. Menschenrechte für die Minderheiten und Frauen wird es nicht geben. Die Zahlen der Kopten werden durch Auswandern oder Übertritt zum Islam schrumpfen und die Frau wird aus dem Alltag verbannt, indem sie in einen Nikab gesteckt und zu Hause eingesperrt [wird].

Wie werden Amerika und der Westen darauf antworten? Lassen sie das alles zu?

Dr. Gebraiel: Machen wir uns bitte nichts vor! Ich saß letzte Woche mit der amerikanischen Botschafterin in Kairo und stellte ihr dieselbe Frage. Ihre Antwort war eindeutig: Wir unterstützen die muslimischen Parteien, solange unsere wirtschaftlichen und politischen Interessen und Israels Frieden nicht gefährdet sind. Andernfalls mischen wir uns nicht ein, was die Menschenrechte für religiöse Minderheiten und die Frauen angeht. Denn sie sind innere Angelegenheiten. Das war eine klare Ansage! Das heißt klipp und klar, dass Amerika nur zuschauen wird, während die Kopten aus ihrem Heimatland hinausgetrieben oder unter offener Verfolgung leben. Dasselbe erwartet man von der EU, was letztlich keinen überrascht.

Dr. Gebraiel bat die sieben Österreicher (nur zwei davon sind Journalisten – wie immer keine Tageszeitungen) um Kontaktpflege zu Parteien und Parlamentariern, um sie auf dem Laufenden zu halten und um Druck auszuüben, dass das, was in so einem Land wie Ägypten geschieht, an die Öffentlichkeit gelangt. Die Medien sollen diese Tatsachen nicht verheimlichen und vertuschen, weil man im Interesse der Europäer handelt, wenn man darüber informiert. Denn Europa steht mit einem Bein in dem Debakel, in dem wir schon versunken sind. Der Islam in vielen europäischen Ländern bereitet durch die Parallelgesellschaften ein ernsthaftes Problem. Die muslimischen Iraker in Norwegen lehnen die Identität des Landes [ab] und kapseln sich in den Moscheen ab. Die jungen Mädchen tragen alle Kopftücher und beschimpfen die einheimischen Frauen aufs Übelste, was in allen Ländern Europas der Fall ist. Die Europäer sollen erst den christlichen Glauben stärken und zweitens darauf bestehen, dass ihre Regierungen den Islam unter Kontrolle haben. Zum Beispiel muss erforscht werden, was in den Moscheen gepredigt wird. Auf Europa kommt eine furchtbare Heimsuchung [zu], und zwar durch die Flüchtlingswelle aus den islamischen Ländern. Diese werden den radikalen Islam mitbringen, was für viel Ärger sorgen wird. Als Steuerzahler soll der vernünftige Europäer darauf bestehen, welchem Land die finanziellen Unterstützungen zugute kommen.

Kath.net: Ägypten: Frauenrechtlerinnen und religiöse Minderheiten entsetzt:

Unter ägyptischen Konvertiten und koptischen Christen wächst die Sorge vor einer Machtübernahme der Islamisten, der Ausweitung der Scharia und iranischen Verhältnissen am Nil. Die in diesem Ausmaß nicht erwarteten Wahlerfolge islamistischer Parteien könnten zu einer Auswanderungswelle von christlichen Kopten und säkularen Ägyptern führen, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) heute in einer Pressekonferenz in Berlin.

… Konvertiten, Baha’i, Atheisten und Säkularisten in Ägypten würden die Verfolgung von religiösen Minderheiten und Andersdenkenden im Iran sehr aufmerksam verfolgen, da sie eine Machtübernahme von Islamisten im eigenen Land vor Augen haben. Das überraschend sehr starke Abschneiden der ultra-fundamentalistischen Salafisten bei den ägyptischen Parlamentswahlen hat viele Ägypter schockiert. Die Salafisten haben als ihr Ziel die uneingeschränkte Durchsetzung der Scharia, des islamischen Rechtssystems, verkündet – ohne Rücksicht auf völkerrechtlich bindende Menschenrechtsverträge, die Ägypten ratifiziert hat. Dazu gehören neben drakonischen Körperstrafen wie Auspeitschungen und Amputationen auch die Todesstrafe für den Abfall vom Islam und die völlige Rechtlosigkeit für „nicht geschützte“ religiöse Minderheiten wie Baha’i.

… Führungspersonen der ägyptischen Salafisten haben angekündigt, im Falle eines Wahlsieges den Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel aufzulösen und kompromisslos das Scharia-Recht in Ägypten durchzusetzen. Dazu gehörten auch eine gesetzliche Kleiderordnung für Frauen und die Einführung „islamischer Strafen“. Christen dürften keine Ämter bekleiden, in denen sie über Muslimen stünden und sollten nur noch beratenden Status erhalten.

Die IGFM fordert die Bundesregierung auf, der jetzigen und der kommenden ägyptischen Regierung unmissverständlich klar zu machen, dass Deutschland und die Europäische Union erwarten, dass Ägypten völkerrechtlich bindende Menschenrechtsverträge tatsächlich umsetzen müsse. Die Bundesregierung solle Hilfen und Hilfszusagen für Ägypten an die Verbesserung der Menschenrechtslage koppeln.

Christian Ortner in FreieWelt.net: Der Frühling der Islamisten

… So schaut also das moderne Ägypten der “Generation Facebook” aus. Überraschend ist das nicht. In einem Land, in dem laut fundierten demoskopischen Befunden zwei Drittel der Bevölkerung für die Steinigung von Ehebrechern sind oder den Abfall vom Islam mit der Todesstrafe pönalisieren wollen, hätte viel eher jedes andere Wahlergebnis überrascht. In einem Land, dessen Bevölkerung mehrheitlich islamistische Werte vertritt, ist eben ziemlich naheliegend, dass islamistische Parteien mehrheitsfähig sind. Dass die Ägypter erst für die Freiheit kämpften und dann die Unfreiheit wählten, erscheint daher nur aus westlicher Sicht paradox – aus der Sicht einer Gesellschaft mit derartigen Wertvorstellungen erscheint es geradezu konsequent.

… Die Annahme, der arabische Frühling würde direkt in einen demokratischen Rechtsstaat münden, war jedenfalls mehr Hoffnung als Wirklichkeit.

Ergänzung 12.12.:

Artikel auf „Kopten ohne Grenzen“:

Video: Raymond Ibrahim über die Unterdrückung der Kopten in Ägypten

Siehe auch: Wien 5.12.: Aktionstag gegen Christenverfolgung

Ergänzung 14.12.: Vortrag Nagib Gebraiel in St. Ephrem

Ergänzung 15.12.: Kath.net: Bassam Tibi: ‚Islamismus und Demokratie vertragen sich nicht‘

…  „Mit Islamisten gibt es keinen Dialog. Islamismus und Demokratie vertragen sich nicht.“
Die Aufstände in der arabischen Welt seien anfangs nicht islamistisch geprägt gewesen. Es seien auch Kräfte am Werk gewesen, „die wirklich Demokratie und Freiheit wollten“. Doch, sehe es jetzt so aus, dass der Arabische Frühling „keine Demokratie“, und der folgende Scharia-Staat „nichts Positives hervorbringen“ werde. Der auf den Arabischen Frühling folgende Winter werde „sehr frostig“ werden.

Linzer Kirchenzeitung: „Diese Christen sind Kinder von Hunden.“ 

Wenig Bereitschaft zum Dialog
Interview mit Sr. Juliana Baldinger 

… Im staatlichen Fernsehen hat ein geschockter Soldat gesagt: „Diese Christen sind Kinder von Hunden.“ Ärger kann man jemanden nicht beschimpfen. Darüber hinaus wurde das nicht auf einem islamistischen Satellitenkanal gesendet, sondern im Staatsfernsehen – mehrmals sogar. Nach zwei, drei Tagen der Angst unter den Christen führte dieser Satz zu einer Erleichterung.

Warum sprechen Sie von Erleichterung?

Wir Christen fühlten: Jetzt hat endlich einmal jemand öffentlich gesagt, was Teile der muslimischen Gesellschaft ohnehin über uns denken. Dieser Satz, dass wir Kinder von Hunden sind, ist nicht mehr zurückzunehmen. Jetzt haben die Muslime ein Problem. Sie müssen klar und deutlich sagen, ob sie das unterschreiben oder sich distanzieren. Wir wissen jedenfalls, wie wir dann dran sind.

Kath.net: Ägypten: Christen lassen sich keine Kopfsteuer aufzwingen:  

Die Christen in Ägypten werden nicht bereit sein, eine Sondersteuer zu bezahlen: Das betonte Youhanna Golta, koptisch-katholischer Kurienbischof in Alexandria, in der populären TV-Sendung „Masr al-Jadida“ (Das neue Ägypten), wie die Stiftung „Pro Oriente“ am Mittwoch berichtete.

In den letzten Wochen hatten salafistische Politiker ernsthaft erklärt, die Christen müssten entweder die von der alten islamischen Ordnung vorgeschriebene Sondersteuer – die „Jizya“ – zahlen oder das Land verlassen. Bischof Golta meinte dann wörtlich: „Das werden wir bis zum Martyrium ablehnen.“

… „Wir sind der Ursprung dieses Landes und keine Gastarbeiter oder Immigranten.“

… Das Problem sei, dass Religion nicht von der Politik getrennt sei, betonte Golta: „Macht verdirbt den Frieden“.

Ergänzung 17.12.: JF: Scholl-Latour: „Westliche Demokratie ist dort Utopie“

Ergänzung 21.12.: Unzensuriert.at: http://unzensuriert.at/content/006434-Wahlen-Aegypten-staerken-Islamisten-immer-weiter

… Erneut führt die Muslimbruderschaft, den zweiten Platz besetzen nach wie vor die Salafisten, der liberale Block ist weit abgeschlagen.

… Die Wahlbeteiligung ist mit 67 % sogar noch höher als im ersten Durchgang. Weiters konnten die extremen Salafisten in dieser Runde ihren Abstand zu den führenden Muslimbrüdern verringern, in dieser Runde trennen sie bloß acht Prozentpunkte. …

Ergänzung 15.1.2012:

Chaim Noll: Frühling der Islamisten. Oder: Die Arabische Revolte als Problem medialer Wahrnehmung (4.1.):

Das Wort “Arabischer Frühling” war eine Erfindung der Medien. Eine Projektion von Hoffnung auf eine eher undurchsichtige Realität. Es sollte suggestiv an den „Prager Frühling“ erinnern, der 1968 den Niedergang des kommunistischen Machtsystems in Osteuropa einleitete. Die Revolution, die dem Staatssozialismus ein Ende bereitete, verlief – mit Ausnahme Rumäniens – gewaltlos und unblutig. …

Ergänzung 2.3.2012:

http://unzensuriert.at/content/007418-Aegyptens-spiritueller-Fuehrer-moechte-erst-fuenf-Jahren-abgehackte-Haende-sehen:

Die lange herbeigesehnten demokratischen Wahlen in Ägypten sind vorüber. Nachdem die Zweidrittelmehrheit der Islamisten feststand, hat sich auch der Jubel der hiesigen Medien gelegt. Es gebe jedoch keinen Grund zur Besorgnis, denn die radikalen Moslems haben bloß den zweiten Platz belegt, die entscheidende Macht in Ägypten sind die „moderaten“ Muslimbrüder. Eine derer Galionsfiguren, Scheich Yusuf Al-Qaradawi, hat nun in einem Interview erklärt, wie er sich den moderaten Islam vorstellt.

„Die Menschen verstehen die Scharia nicht richtig. Wir müssen ihnen die Gesetze lehren und beibringen, bevor wir etwas anderes tun“, so Al-Qaradawi im Al-Nahar-TV. „Ich denke, dass es in den ersten fünf Jahren kein Händeabhacken geben sollte.“ …

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Eine Antwort zu „Arabischer Frühling“

  1. Jean schreibt:

    Wer den Koran gelesen hat, weiß, das es im und mit dem Islam keinen Frieden geben kann, weil der Urheber dieser Ideologie vom Geist Satans besessen war.

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