Hanne K. Götze: Risiko Krippenbetreuung

Götze berichtet auf Kopp-online über ihre Schwierigkeiten mit dem ursprünglichen Verlag, der ihr Buch „Kinder brauchen Mütter: die Risiken der Krippenbetreuung – Was Kinder wirklich stark macht“ wegen politischer Inkorrektheit doch nicht verlegte, ihre eigenen kurzzeitigen Erfahrungen mit der Not des Abgeschoben- und Verratenseins als Kleinkind in der DDR und ihre Erkenntnisse, die sie, untermauert mit Studienergebnissen, in ihrem Buch darlegt:

… Mit Blick auf die oben beschriebenen Zusammenhänge zwischen Bindung und Gehirnentwicklung sehe ich die tiefsten Ursachen dafür in dem jeweilig erlittenen Liebesdefizit. Die seit 1991 laufende, von zehn amerikanischen Universitäten durchgeführte  NICHD-Studie kommt zu folgenden gleichlautenden Ergebnissen:

Je eher und je länger Kleinkinder in Kindereinrichtungen betreut wurden, »… desto aggressiver und ungehorsamer haben die Lehrer sie in der Grundschule bis hinauf in das 12. Lebensjahr bewertet.« Dieser Effekt trat »nach jeder, auch nach hochqualitativer Gruppenbetreuung« ein, unabhängig vom Familienhintergrund.

Bezüglich der Frage, ob und inwieweit sich eine frühe Stressbelastung auf die spätere Stressverarbeitung auswirkt, kam die NICHD-Studie zu folgendem Ergebnis: Sowohl frühkindliche emotionale Vernachlässigung als auch die Betreuung in Krippen, selbst bei hoher Qualität, ist mit dauerhaften Veränderungen der Kortisol-Tagesprofile und damit der Stressverarbeitung verbunden und somit als Risiko für die psychische Entwicklung einzustufen.

Ein weiteres spektakuläres Untersuchungsergebnis ist: »Die negativen Effekte von emotionaler Vernachlässigung und Krippenbetreuung waren additiv wirksam, die Tagesbetreuung konnte also ungünstige Einflüsse des familiären Umfeldes nicht kompensieren oder abschwächen.«

Damit fällt ein Hauptargument für die Vorteile der Krippenbetreuung weg, nämlich das der vermeintlichen Chancengleichheit für Kinder aus schwierigem Familienhintergrund.

Weiters macht sie Vorschläge für eine vernünftige Familienpolitik:

  • Die Einführung eines Erziehungsgehaltes (in Höhe des Durchschnittslohnes), das echte Wahlfreiheit herstellte, wobei es in der Hand der Eltern läge, ob sie ihr Kind selbst betreuen oder ob sie sich mit diesem eine qualitativ hohe Betreuung »einkaufen« wollen (z. B. eine Tagesmutter)
  • Das Angebot von Elternschulen, um auf die Herausforderung des Elternseins vorzubereiten, sowie von Elternsupervision bzw., wenn nötig, das Angebot einer familientherapeutische Begleitung von Eltern
  • Eine wirkliche Erleichterung des beruflichen Wiedereinstiegs nach einer (ggf. auch längeren) Kinderphase usw.

Schritte in diese Richtung wären modern und dringend an der Zeit. Nur so werden wir die derzeitigen und zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen bestehen.

 Die Frage bleibt nur: Werden wir uns dafür entscheiden? Werden wir uns in unserer Gesellschaft auf die Liebe besinnen?

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Eine Antwort zu Hanne K. Götze: Risiko Krippenbetreuung

  1. heureka47 schreibt:

    „Werden wir uns in unserer Gesellschaft auf die Liebe besinnen?“:

    Wie bzw. als was ist dieses „besinnen“ zu verstehen?

    Wenn jemand „besinnungslos“ wurde – z.B. durch einen Sturz oder Schlag auf den Kopf – wird er normalerweise von selbst wieder „zur Besinnung“ kommen, also wieder aufwachen aus seiner „Bewußtlosigkeit“.
    Aber im Falle der zivilisierten Gesellschaft haben wir es bei der großen Mehrheit mit einer anderen Art von Bewußt-losigkeit zu tun – mit einer partiellen Bewußt-SEINS-losigkeit krankhafter Art: „Kollektive (Zivilisations-)Neurose“.
    Die befallenen Menschen sind abgetrennt vom Bewußtsein der Liebe – und deshalb können sie keine entsprechende – wahre, reine, bedingungslose – Liebe geben.

    Gegen diese schwere Störung / Krankheit hilft nur der Mut zur SELBST-Erkenntnis und das Beschreiten des Weges der grundlegenden Heilung.

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