Maulkorb im Bistum Augsburg

Was geht vor in Augsburg? Kann Bischof Zdarsa seine Berufskatholiken nicht im Zaum halten oder ist er selbst ein Verräter?

Pater Wolfgang Ockenfels berichtet, dass sein Schreiben mit drei wesentlichen Fragen an das Bistum nicht beantwortet wurde, und nimmt geharnischt in Kath.net für Pfarrer Oblinger Stellung:

Der Fall Oblinger und die Meinungsfreiheit:

Die Augsburger Bistumsentscheidung verstößt gegen die innerkirchliche Meinungsfreiheit

… Katholisch sein heißt, einen weiten Horizont haben – über die Berge hinweg, also ultramontan.

Andererseits ist das politische Nationalbewußtsein bei uns so verkümmert, daß sogar der Patriotismus verdächtigt wird, „konservativ“ oder gar „rechts“ zu sein. Politisch neigen wir zum Universalismus, religiös zum Nationalismus. Das führt dazu, daß ein römisch-katholischer Priester, der zugleich Patriot ist, gegen die politische und die religiöse Korrektheit verstößt.

Diese Verwicklung läßt sich an einem Fall demonstrieren, der sich kürzlich in der Diözese Augsburg zugetragen hat. An diesem Fall zeigt sich auch die Verwechslung von Begriffen wie Nationalismus und Patriotismus, von „konservativ“ und „rechts“.

In Augsburg hat die Bistumsleitung, letztlich selbst der Bischof, dessen Namen man kaum auszusprechen wagt, ein Schreibverbot erlassen – man könnte auch von Maulkorb oder Knebel sprechen. Es trifft Georg Alois Oblinger, den Pfarrer von Ichenhausen. Ich kenne Ichenhausen nicht, dafür aber seinen bemerkenswerten Pfarrer, der sich die Zeit und die Freiheit nimmt, in der „Jungen Freiheit“ und in anderen Blättern, die noch für Katholisches offen sind, zu publizieren. Seine Artikel zeichneten sich durch theologische Kompetenz, klare kirchliche Linie und stilistische Qualität aus. Nur trugen sie einen doppelten Makel: Sie waren römisch-katholisch und erschienen in einem patriotisch-konservativen Blatt.

… Aber was heißt heute noch „links“, was „rechts“? Hier hat sich inzwischen das politische Spektrum offensichtlich soweit nach „links“ verschoben, daß alles, was vormals als „konservativ“ galt, nun als „rechts“ oder gar „rechtsextrem“ diffamiert wird.

… Auch das Kirchenrecht schützt die Freiheit des Christenmenschen. Wer hätte das gedacht?

Die Augsburger Bistumsentscheidung verstößt nach Auskunft eines Kirchenrechtlers nicht nur gegen die Meinungs- und Veröffentlichungsfreiheit gemäß Art. 5 des deutschen Grundgesetzes, sondern auch gegen die legitime innerkirchliche Meinungsfreiheit (c. 212 § 3 CIC) und den Anspruch des Geistlichen auf seinen guten Ruf (c. 220 CIC).

Der „Eingriffsvorbehalt“ des Bischofs (c. 223 § 2 CIC) ist seinerseits begrenzt auf Verstöße gegen Glaube und Sitten. Solche Verstöße liegen im Fall Oblinger „erkennbar nicht vor“.

Leute wie Oblinger und Zeitungen wie die „Junge Freiheit“, die für die gesellschaftliche Freiheit der Kirche eintreten, haben im heutigen Deutschland einen schweren Stand. Der Bundestagspräsident Norbert Lammert spekuliert schon auf einen nächsten Papst.

Der möge aus Übersee kommen und die deutsche Kirche in Ruhe lassen. Diese würde dann aber auch ihren römisch-weltkirchlichen Rückhalt verlieren. Sie wäre hilflos den nationalkirchlichen Bestrebungen ausgesetzt und könnte leicht ihre Freiheit einbüßen. Einschließlich ihrer Meinungs- und Pressefreiheit.

Weitere Stellungnahmen:

Anmerkungen meinerseits zu P. Ockenfels: Für mich ist der politische Begriff „rechts“ positiv besetzt (in Abgrenzung zu extremen -ismen) und betrifft Familie, Volk und Christentum, vor allem die römisch-katholische Kirche, also Werte, die von den linken Globalisten auf’s Schärfste bekämpft werden.
Auch glaube ich nicht, dass eine deutsche Nationalkirche Ziel der Kirchenrebellen und Memorandisten ist; angestrebt wird die Welteinheitsreligion (z. B. Küng’sches Weltethos).

Ergänzung 10.2.2012:

Dieter Stein warnt in der Jungen Freiheit davor, seine Zeitung ins rechte Eck zu stellen, und lädt die Kirche ein, in den wesentlichen Lebensfragen — Ehe, Familie, Lebensschutz und christliche Tradition — der katholischen Lehre treu zu bleiben und mit der JF an einem Strang zu ziehen:

Im Gespräch mit der JUNGEN FREIHEIT macht sich der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht Luft über eine deutsche Krankheit: die ekelhafte Konsenssucht, den kollektiven Zwang zur Harmonie, der in die obsessive Gängelung abweichender Köpfe mündet…

… Oblinger hat nicht gegen die katholische Lehre verstoßen, sondern er hat für die – im Sinne der herrschenden politischen Korrektheit – „falsche Zeitung“ geschrieben.

… Das Virus der spezifisch deutschen Harmoniesucht hat im Fall Oblinger ausgerechnet eine Institution befallen, die in der Gesellschaft Anstoß erregen muß, wenn sie ihrem eigentlichen Auftrag nachkommt.  …

Das Rechte, das Konservative findet faktisch fast keinen Raum mehr

… Reinhard Müller beklagte vergangene Woche in der FAZ diese „Stigmatisierung als ‘rechts ’“, die generell „hierzulande ein vernichtendes Urteil“, ein „wirksamer Pranger“ sei, weil es mit Rechtsextremismus gleichgesetzt werde.

… Gumbrecht hingegen fordert eine „echte Debatte“, die eine „Konfrontation verschiedener Standpunkte“ bedeute „und nicht das Durchsetzen des einen, angeblich Richtigen“. Nichts mehr und nichts weniger beabsichtigt diese Zeitung. Audiatur et altera pars – man höre auch die andere Seite, dieses Prinzip wird man mit Maulkörben und Schreibverboten nicht ersticken können; es muß jedoch täglich erkämpft werden.

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