Mit brennender Sorge

Heute vor 75 Jahren, am Passionssonntag, dem 14. März 1937, unterzeichnete Papst Pius XI. die erste und bisher einzige Enzyklika in deutscher Sprache, mit der er klar gegen Hitler und den Nationalsozialismus Stellung nimmt:

„Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treubleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst die Licht- und Frohbotschaft von Christus und dem Reiche Gottes gebracht hat.“

… „Wer in sakrilegischer Verkennung der zwischen Gott und Geschöpf, zwischen dem Gottmenschen und den Menschenkindern klaffenden Wesensunterschiede irgend einen Sterblichen, und wäre er der Größte aller Zeiten, neben Christus zu stellen wagt, oder gar über Ihn und gegen Ihn, der muß sich sagen lassen, daß er ein Wahnprophet ist, auf den das Schriftwort erschütternde Anwendung findet: Der im Himmel wohnt, lachet ihrer.“

Am darauf folgenden Palmsonntag, dem 21. März, wurde der Text in allen deutschen katholischen Kirchen verlesen, nachdem er vorher unter höchster Geheimhaltung vervielfältigt und verteilt worden war.

Er verurteilte nicht nur die Christenverfolgung, sondern auch den übersteigerten Nationalismus und den Rassenwahn der NS-Ideologie.

„Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben und einer solchem Glauben entsprechenden Lebensauffassung entfernt.“

Die Nationalsozialisten konfiszierten alle verfügbaren Ausgaben der Enzyklika, verhafteten die Drucker, welche die Texte herstellten und beschlagnahmten ihre Druckerei. Die Verteiler der Enzyklika wurden verhaftet. Zahlungen, die Deutschland unter dem Konkordat an die Kirche leisten sollte, wurden reduziert. Verschiedene Priester wurden mit fabrizierten Anklagen, unter dem Vorwand von Devisenvergehen oder angeblicher moralischer Verfehlungen angeklagt.

Von diesem Zeitpunkt an betrachteten die Nationalsozialisten Papst Pius XI. als ihren erklärten Feind.

„Jedes Wort dieses Sendschreibens haben Wir abgewogen auf der Waage der Wahrheit und zugleich der Liebe. Weder wollten Wir durch unzeitgemäßes Schweigen mitschuldig werden an der mangelnden Aufklärung, noch durch unnötige Strenge an der Herzensverhärtung irgend eines von denen, die Unserer Hirtenverantwortung unterstehen und denen Unsere Hirtenliebe deshalb nicht weniger gilt, weil sie zur Zeit Wege des Irrtums und des Fremdseins wandeln.“

Siehe auch:

http://www.kathpedia.com/index.php?title=Mit_brennender_Sorge

… Der vormalige Nuntius in Bayern und beim Deutschen Reich, Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., hat als Kardinalstaatssekretär dieses Rundschreiben wesentlich mitgestaltet. …

http://de.wikipedia.org/wiki/Mit_brennender_Sorge:

… Im April 1937 kam es auf Initiative Hitlers und Goebbels‘ zu einer neuerlichen Welle von Sittlichkeitsverfahren gegen Priester und Ordensleute, wozu Einzelfälle von der NS-Propaganda zu einer „symptomatischen Erscheinung” aufgebauscht wurden. …

Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor?

Ergänzung 15.3.2012:

Der Geschichtswissenschaftler Thomas Brechenmacher würdigt die Anti-Nazi-Enzyklika gegenüber Radio Vatikan:

„Mit brennender Sorge befasst sich zunächst mit der Haltung der Nazis gegenüber der katholischen Kirche in Deutschland, und da wird sehr deutlich gesagt, dass die Nationalsozialisten in Deutschland einen Vernichtungskampf gegen die katholische Kirche führen. Im zweiten, dem dogmatischen Teil, werden dann zentrale dogmatische Inhalte des christlichen Glaubens wie Gottesglaube, Christusglaube, Kirchenglaube, Grundsätze über Moral, Sittlichkeit und Naturrecht den Irrtümern der nationalsozialistischen Ideologie gegenübergestellt, z. B. es gebe eine nationale Religion, man müsse sich vom Alten Testament als einem jüdischen Einfluss verabschieden, Recht ist, was dem Volke nützt undsoweiter. Also im zweiten Teil stellt die Enzyklika zentrale Glaubenssätze der christlichen Lehre gegen diese als Irrtümer qualifizierten Inhalte der nationalsozialistischen Ideologie.“

… „Die Alliierten haben ja im Grund noch bis zur Münchner Konferenz (29.9.1938) und darüber hinaus gehofft, verhandeln zu können. Insofern könnte man vielleicht sogar sagen, dass sich der Heilige Stuhl als einer der ersten wirklich klar gemacht hat, dass mit diesem Regime ein Verhandeln nicht möglich ist.“

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