Versäumte Zeit mit Kindern lässt sich nicht nachholen

Der Deutsche Familienverband nimmt zum Achten Familienbericht der Bundesregierung Stellung:

Gute Ansätze, aber auch deutliche Schwachstellen – so äußert sich der Deutsche Familienverband in einer Pressemitteilung zum kürzlich vorgestellten Achten Familienbericht der Bundesregierung:

„Mit der ,Zeit für Familie‘ greift der Bericht das wichtigste Familienthema überhaupt auf. Eine zukunftsfähige Familienpolitik muss der Familie die Wahlfreiheit geben, über ihre Zeit souveräner zu entscheiden. Dafür ist vor allem eine familiengerechte Arbeitswelt gefordert, nicht die arbeitsplatzgerechte Familie. Bei allen guten Vorschlägen der Berichtskommission hätten wir uns deshalb viel mehr Mut gewünscht, die Zeitbedürfnisse der Familien auf Augenhöhe mit den Belangen der Wirtschaft zu berücksichtigen. Es fehlt noch immer das Bewusstsein, wie sehr Unternehmen von einer konsequent familienorientierten Politik profitieren“, erklärt der Präsident des Verbandes, Minister a. D. Klaus Zeh.

Besonders problematisch ist für Zeh der Vorschlag der Kommission, die dreijährige gesetzliche Elternzeit drastisch zu verkürzen:
„Die Zeit mit kleinen Kindern lässt sich nicht einfach so nachholen. Kinder brauchen die Zeit ihrer Eltern ganz direkt, nicht irgendwann einmal, wenn es in den Terminkalender des Arbeitgebers passt. Der wichtigste Taktgeber für die Familienzeit ist das Kindeswohl. Ich begrüße deshalb ausdrücklich, dass die Bundesfamilienministerin diesem Vorschlag eine klare Absage erteilt hat“, so Zeh.

Unterstützung gibt es vom Familienverband hingegen für die Forderung, auch jenseits der Elternzeit den Rechtsanspruch von Familien auf Teilzeitarbeit zu stärken:
„Die Erziehungsaufgabe der Eltern hört nicht schlagartig mit dem dritten Geburtstag oder gar schon nach dem Elterngeldjahr auf. Auch ältere Kinder brauchen Eltern. Bislang unterscheidet das Teilzeit- und Befristungsgesetz nicht danach, aus welchem Grund Arbeitnehmer Teilzeit beantragen. Es macht gesellschaftlich aber einen enormen Unterschied, ob ich Zeit brauche, um mein Grundschulkind gut auf seinem Bildungsweg zu begleiten oder ob ich Zeit will, um mein Hobby zu betreiben“, unterstreicht Präsident Zeh den Vorstoß der Berichtskommission.

Dringenden Handlungsbedarf sieht der Deutsche Familienverband allerdings bei der finanziellen Flankierung von Erziehungsphasen. „Dieses Thema wird im Familienbericht völlig ausgeblendet. Aber ohne eine bessere Anerkennung der Erziehungsarbeit bleibt die Familienzeit die arme Schwester der Erwerbszeit. Wahlfreiheit setzt voraus, dass Familien sich die Zeit für Kinder auch leisten können“, fordert  der Verbandspräsident.

Original: http://www.deutscher-familienverband.de/index.php?id=3973

Ergänzung 5.4.2012: Maria Steuer weist in FreieWelt.net ebenfalls auf den Achten Familienbericht hin, der die Mängel der Krippenbetreuung aufzeigt:

… Angesichts dieser Fakten sollten sich unsere Gesellschaft, unsere Politik und Wirtschaft von ihrer einseitigen Bevorzugung öffentlicher Betreuung für Kleinkinder verabschieden. Auch wer diese Betreuung für unverzichtbar hält, sollte wissen, dass sie niemals mehr als einen „familienergänzenden Bildungs- und Erziehungsauftrag“ (8. Familienbericht) wahrnehmen kann. Daraus gilt es endlich die politischen Konsequenzen zu ziehen und den notwendigen wirtschaftlichen wie rechtlichen Freiraum für Eltern und ihre Kinder zu schaffen.

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