FSSPX: Einigung besiegelt?

Laut dem Vatikanisten Andrea Tornielli ist die Einigung der Piusbruderschaft mit dem Heiligen Stuhl beschlossene Sache:

http://www.katholisches.info/2012/04/16/die-einigung-zwischen-rom-und-piusbruderschaft-scheint-besiegelt-vertrauliches-schreiben/

Seit Samstag, dem 14. April, wird jeden Augenblick die Bekanntgabe der erfolgten Einigung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. erwartet. Eine offizielle Erklärung wird vom Vatikan kommen, mit der der Heilige Stuhl seine endgültige Entscheidung und wohl auch bereits einen Zeitplan für die kanonische Eingliederung der Piusbruderschaft in die Kirche bekanntgeben wird.

Diese Verlautbarung ist noch nicht erfolgt, wird aber bis spätestens den Jahrestag der Wahl Benedikts XVI., den 19. April, erwartet. Seit dem Gründonnerstag häufen sich die Signale in diese Richtung sowohl von Seiten der Piusbruderschaft als auch des Vatikans. Msgr. Bernard Fellay habe demnach eine modifizierte „Doktrinelle Präambel“ unterzeichnet.

Nach Jahrzehnten eines schwierigen Nebeneinanders und nach mehrjährigen Gesprächen scheint die Versöhnung geglückt. In den Leserkommentaren von traditionsverbundenen Blogs heißt es seit Tagen, daß die Piusbruderschaft dem Papst damit das „schönste Geburtstagsgeschenk“ mache.

Der Generalobere der Piusbruderschaft Msgr. Bernard Fellay übermittelte am 14. April die von ihm unterzeichnete modifizierte „Präambel“. Am Abend desselben Tages verfaßte er ein vertrauliches Schreiben an die anderen drei Bischöfe und alle Priester der Bruderschaft. Darin erklärte er, so der Vatikanist Andrea Tornielli, daß man nun auf die Verlautbarung Roms warte. Gleichzeitig wiederholte er wie bereits am Gründonnerstag die beiden Grundsätze, nach denen die kanonische Eingliederung der Bruderschaft in die katholische Kirche erfolgen werde:

  1. daß von der Piusbruderschaft keinerlei Abstriche im Glauben und dem, was sich davon herleitet, verlangt werden (in Liturgie, Sakramenten, Moral und Disziplin).
  2. daß der Bruderschaft wirkliche Handlungsfreiheit gewährt wird, die ihr eine Entwicklung ermöglicht.

Punkt 2 bekräftigt die Stimmen, wonach eine Einigung zwischen Rom und der Bruderschaft unmittelbar bevorsteht. Darin geht es bereits konkret um die Frage, welcher kanonische Status für die Piusbruderschaft und deren spezifische Notwendigkeiten besonders geeignet ist.

Auch Tornielli interpretiert das Schreiben als Zeichen für eine Einigung, weil sie Msgr. Fellay ausdrücklich nicht ausschließt und sie wahrscheinlich unter größter Diskretion bereits in Details vereinbart worden ist. Das Schreiben scheint vor allem an jene Minderheit innerhalb der Bruderschaft gerichtet zu sein, deren Ablehnung einer Einigung mit Rom bekannt ist. Sie wird noch auf bis zu ein Viertel der Bruderschaft geschätzt. Der Generalobere scheint bemüht, auch diese Gruppe noch von der Richtigkeit einer Einigung zu überzeugen, indem er deren Bedenken zerstreut und betont, daß die Einigung auf klaren Grundsätzen beruhen werde.

Die Kritiker einer Einigung setzen sich aus verschiedenen Richtungen und Ansätzen zusammen, deren radikalste sich nahe am Sedisvakantismus bewegt. Es ist daher noch nicht klar, wieviele von dieser Minderheit sich noch überzeugen lassen und die Einigung mittragen und wieviele den Weg in ein tatsächliches Schisma gehen werden. Die vier Bischöfe der Bruderschaft nehmen unterschiedlich nuancierte Positionen ein. Am weitesten von jener des Generaloberen entfernt ist jene des Engländers Msgr. Richard Williamson.

Msgr. Fellay würde eine Personalprälatur bevorzugen, wie sie bisher nur dem Opus Dei gewährt wurde. Diese ist unmittelbar dem Papst unterstellt, territorial ungebunden und erstreckt sich auf den ganzen Erdkreis. Einer Personalprälatur gehören Weltpriester an und an der Spitze der Personalprälatur des Opus Dei steht seit 1990 ein Prälat mit Rang und Weihe eines Bischofs. Das würde der besonderen Situation und den Bedürfnissen der Piusbruderschaft entgegenkommen. An der römischen Kurie gibt es allerdings einigen Widerstand gegen eine so starke innerkirchliche Position für die „Traditionalisten“.

Siehe auch: http://pius.info/archiv-news/734-beziehungen_zu_rom/6618-spiegel-berichtet-ueber-moegliche-einigung:

… Sanctificetur nomen tuum, adveniat regnum tuum, fiat voluntas tua sicut in caelo et in terra! …

Ergänzung 18.4.2012:

Während Katholisches bereits die Entscheidung bejubelt:

Die Entscheidung ist gefallen. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wird von der Kirche kanonisch anerkannt. …

übt sich die FSSPX noch in Zurückhaltung (18.4.):

… Wie es die Presseerklärung der päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ von heute angibt, wird der Text dieser Antwort « vom Dikasterium (die Glaubenskongregation) geprüft und anschließend dem Urteil des Heiligen Vaters unterbreitet »

Es handelt sich also um eine Etappe und nicht um einen Abschluss.

Ergänzung:

Gloria.tv: Lombardi: Pius-Antwort ist „ein Schritt vorwärts und ermutigend“

Der Vatikan hat eine Antwort des Generaloberen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X., Bernard Fellay, erhalten. Der Text werde jetzt von den zuständigen Stellen geprüft und dann dem Papst zur Entscheidung vorgelegt, heißt es in einem Kommuniqué der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei vom Mittwoch. Die der Glaubenskongregation angegliederte Behörde ist für den Kontakt zu den Traditionalisten zuständig. Über den Inhalt von Fellays Schreiben verlautete bislang nichts.

Im Gegensatz zu den früheren unbefriedigenden Antworten handele es sich diesmal um einen «Schritt vorwärts und einen ermutigenden Vorgang», sagte Vatikansprecher Federico Lombardi vor Journalisten.

Es handele sich jedoch noch nicht um ein definitives Ergebnis; der Dialog mit der Piusbruderschaft sei noch nicht abgeschlossen. Die Antwort Fellays werde jetzt «binnen kurzer Zeit» von der Glaubenskongregation untersucht, so Lombardi.

Kath.net: Possumus! Back to the future:

Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. unterschreibt die lehrmäßige Präambel. Von Armin Schwibach

… Der von Bischof Fellay übermittelte und unterzeichnete Text der Präambel wird Papst Benedikt XVI. vorgelegt werden, dem das letzte Wort zukommt.

Ergänzung 20.4.2012:

http://www.katholisches.info/2012/04/19/rom-piusbruderschaft-eine-prazisierung-und-ein-ausblick-gebetsaufruf/:

… Formalrechtlich hat Msgr. Bernard Fellay, der Generalobere der Piusbruderschaft noch keine „Doktrinelle Präambel“ unterzeichnet. Msgr. Fellay ließ dem Vatikan am 17. April seinen Vorschlag mit Präzisierungen zukommen. Er teilte damit dem Heiligen Stuhl die Bedingungen mit, unter denen er, sollten sie auch vom Heiligen Stuhl akzeptiert werden, unterschreiben werde.

… Die Glaubenskongregation wird die Präzisierungen der Bruderschaft prüfen. Anschließend wird der Präfekt der Glaubenskongregation und Vorsitzende der für die Gemeinschaften der Tradition zuständigen Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, William Kardinal Levada, dem Papst Bericht erstatten. Benedikt XVI. wird dann die Letztentscheidung treffen.

Sieht er die Voraussetzungen für eine Einigung gegeben, wird dies Msgr. Fellay mitgeteilt, der die „Doktrinelle Präambel“ in der Formulierung, auf die man sich geeinigt hat, unterschreiben und der zuständigen Stelle des Vatikans zukommen lassen wird. Pater Federico Lombardi, der Pressesprecher des Heiligen Stuhls, erklärte bereits, daß der Text der Präambel dann in der endgültigen Fassung veröffentlicht werden wird, nicht aber in der ursprünglichen, die im September 2011 vom Vatikan der Bruderschaft übergeben wurde.

… Der Papst entscheidet auch die kanonische Form, in der die Bruderschaft kirchenrechtlich errichtet wird. Sie wird sich natürlich demselben Prozedere für die vom Papst gewählte, im Kirchenrecht vorgesehene Form unterwerfen müssen, wie es jede andere kirchliche Gemeinschaft auch tun muß. Mit der Frage werden sich die Kirchenrechtler beider Seiten befassen.

Das öffentlich sichtbarste Zeichen der Einigung dürfte eine offizielle Audienz sein, zu der Papst Benedikt XVI. die Priesterbruderschaft St. Pius X. empfangen wird. Der Zeitrahmen einer solchen läßt sich noch nicht absehen. …

Katholisches – Das Magazin für Kirche und Kultur lädt alle Katholiken und Menschen guten Willens ein, für eine Einigung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. nach Gottes Willen zu beten.

Ergänzung 26.4.2012:

Gebet für die Einigung (Kardinal Newman), gefunden bei http://www.katholisches.info/2012/04/26/don-nicola-bux-vaticanum-2-kann-man-diskutieren-es-ist-kein-superdogma-die-piusbruderschaft-kann-der-kirche-guttun/:

„O Herr Jesus Christus, Du hast am Vorabend Deines Leidens für alle Deine Jünger bis zum Ende der Zeit gebetet, daß sie eins bleiben möchten, wie Du im Vater bist und der Vater in Dir. Schau erbarmungsvoll herab auf die vielen Spaltungen unter denen, die Deinen Glauben bekennen, und heile die zahlreichen Wunden, die Menschenstolz und die Macht der Hölle Deinem Volk geschlagen haben! Reiße nieder die Wälle der Trennung, welche die Christen in Parteien und Sekten scheiden. Sieh barmherzig die Seelen an, die in einer nicht von Dir, sondern von Menschen gegründeten Gemeinschaft geboren sind! Befreie sie von diesen falschen Formen der Gottesverehrung und führe alle in die eine Gemeinschaft, die Du von Anfang eingesetzt hast, die heilige katholische und apostolische Kirche! Erleuchte alle Menschen mit der Erkenntnis, daß der Stuhl des heiligen Petrus, die Kirche von Rom, Fundament, Mittelpunkt und Werkzeug der Einheit ist! Öffne ihre Herzen für die längst vergessene Wahrheit, daß unser Heiliger Vater, der Papst, Dein Diener und Stellvertreter ist und daß sie Dir gehorchen, wenn sie in Sachen der Religion ihm Gehorsam leisten, so daß es wie oben im Himmel nur eine Gemeinschaft gibt, die Deinen heiligen Namen bekennt und verherrlicht.“

Ergänzung 4.5.2012: http://www.katholisches.info/2012/05/04/%e2%80%9eruckruf-aus-dem-exil-echte-hirtensorge-benedikts-xvi-thierse-piusbruderschaft-und-rom-heilig-rock-wallfahrt-nach-trier/:

Die Formalisierung einer Einigung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X., die am Sonntag, dem 6. Mai, eine Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier organisiert und damit auch öffentliche Sichtbarkeit zeigen will, rückt immer näher.

[Pater Niklaus Pfluger:] Es sei aber deutlich geworden, „daß Papst Benedikt XVI. so sehr an einer kanonischen Lösung für die Bruderschaft interessiert ist, daß er bereit ist, mit ihr ein Abkommen zu schließen, auch wenn diese die strittigen Texte des II. Vatikanischen Konzils und die Neue Messe nicht anerkennt.“

[Pater Franz Schmidberger:] „Wenn Rom uns nun aus dem Exil zurückruft, in das wir 1975 mit der Aberkennung der Approbation und noch mehr 1988 mit dem Exkommunikationsdekret verstoßen worden sind, dann ist dies ein Akt der Gerechtigkeit und zweifellos auch ein Akt echter Hirtensorge Papst Benedikts XVI. Und dafür sind wir dankbar.“

Ergänzung 14.5.2012:

http://www.katholisches.info/2012/05/11/die-letzten-sabotageversuche-wenige-tage-vor-entscheidung-benedikts-xvi-zur-piusbruderschaft/

… Eine gestern von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichte Stellungnahme von Kardinal Kasper gehört ebenso dazu wie die gezielte Veröffentlichung eines internen Briefwechsels zwischen dem Generaloberen der Piusbruderschaft, Msgr. Bernard Fellay, und den anderen drei Bischöfen der Bruderschaft.

Die Aussagen von Kurienkardinal Kasper ähneln mehr einem Rückzugsgefecht, die resigniert zur Kenntnis nehmen, was offenbar nicht mehr verhindert werden kann, aber zumindest noch einige Signale an jenen Teil der Kirche aussenden sollen, der einer Versöhnung skeptisch bis ablehnend gegenübersteht, daß zumindest er und wohl auch andere hohe Kirchenfürsten anderer Meinung sind.

Die Indiskretionen aus den Reihen der Piusbruderschaft lassen erkennen, daß dort einige intrigante Elemente am Werk sind, die sowohl der Bruderschaft schaden als auch der katholischen Kirche. Es darf angenommen werden, daß dieser gezielte Vertrauensbruch auf jene Gruppe zurückgeht, die Msgr. Fellay bereits im Herbst 2011 scharf kritisierte, als er Msgr. Richard Williamson aufforderte, sich nicht von ihnen mißbrauchen zu lassen. …

http://www.katholisches.info/2012/05/10/%e2%80%9ekeine-doktrinellen-hindernisse-fur-versohnung-msgr-arrieta-uber-die-piusbruderschaft/:

Msgr. Juan Ignacio Arrieta, der Sekretär des Päpstlichen Rats für die Gesetzestexte, bestätigte, daß es keine doktrinellen Hindernisse für eine Versöhnung mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. gebe. „Ich denke, dass wir die doktrinellen Probleme klären konnten, auch wenn es nicht leicht war, dies schriftlich zu Papier zu bringen. Das wirkliche Problem, das einzige wie mir scheint, ist die Trennung, die menschliche Distanz, die auf das Jahr 1988 zurückgeht.“ …

Ergänzung 18.5.2012: Gutachten der Glaubenskongregation positiv: Glaubenskongregation für Versöhnung mit Piusbruderschaft – Verweigerer-Bischöfe künftig getrennt behandeln? (16.5.):

… Die Kongregation formulierte einige Anmerkungen, die sie bei den weiteren Schritten zwischen dem Heiligen Stuhl und der Piusbruderschaft berücksichtigt wissen möchte. Gemäß dem bereits festgelegten Kalender handelt es sich bei den „Anmerkungen“ um Punkte, die vom Präfekten der Kongregation, William Kardinal Levada, Papst Benedikt XVI. nahegebracht werden sollen.

Dazu gehört auch die Anregung, daß die Position der von deren Generaloberem Msgr. Bernard Fellay angeführten Piusbruderschaft von jener der anderen drei Bischöfe der Bruderschaft künftig getrennt behandelt werden sollte.

Die drei Bischöfe Alfonso de Gallareta, Bernard Tissier de Mallerais und Richard Williamson scheinen plötzlich eine Einigung mit dem Heiligen Stuhl auf der Grundlage der „Doktrinellen Präambel“ kategorisch abzulehnen.

Kardinal Levada wird Papst Benedikt XVI. in den nächsten Tagen über die Meinung der Glaubenskongregation informieren. Daraufhin wird der Papst seine Entscheidungen treffen, in denen er vollkommen frei ist.

Ergänzung 27.5.2012 (Pfingstsonntag): Einigung aufgeschoben (26.5.):

… Papst Benedikt XVI. wird sich erst in seinen Sommerferien – also nach dem Hochfest von Sankt Peter und Paul – des Dossiers „Pius-Bruderschaft“ annehmen.

… Angesichts der aktuellen schwierigen innerkirchlichen Lage handelt es sich bei der Einigung mit der Bruderschaft nicht um ein Problem, das sofort gelöst werden müsse.

Bisher gingen Beobachter davon aus, daß der Vatikan am morgigen Pfingstfest eine Versöhnung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. bekanntgeben würde.

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