Gratulation an Robert Spaemann zum 85er!

Heute, am 5. Mai 2012, feiert der deutsche katholische Philosoph Robert Spaemann seinen fünfundachtzigsten Geburtstag. Ich zitiere aus seinem Wirken:

… In einem 1996 veröffentlichten Aufsatz kritisierte Spaemann das Projekt Weltethos des Tübinger Theologen Hans Küng scharf.

In seinen Reden und Veröffentlichungen setzt sich Spaemann für den Schutz des menschlichen Lebens von seinem Beginn bis zum natürlichen Tod ein. Er kritisierte deshalb Vorschläge zur – wenigstens teilweisen – Freigabe der Tötung auf Verlangen und zu einer „Liberalisierung“ der Sterbehilfe. Er begründet dies mit einem Verständnis von Person und Menschenwürde, das jegliche Relativierung des Rechts auf Leben mit Zeitpunkten, Fristen und anderen Bedingungen zurückweist. Gemeinsam mit dem früheren Verfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde formulierte er folgenden Grundsatz: „Wenn es überhaupt so etwas wie Rechte der Person geben soll, kann es sie nur geben unter der Voraussetzung, dass niemand befugt ist, darüber zu urteilen, wer Subjekt solcher Rechte ist.“ Die Menschenwürde kommt der Person nicht unter der Voraussetzung bestimmter Eigenschaften (z. B. des Selbstbewusstseins), sondern allein aufgrund ihrer biologischen Zugehörigkeit zur Spezies Mensch zu. Er weist nach, dass für die Aufklärung eben diese These, dass „Menschen vor ihrer Geburt Personenrechte“ haben, selbstverständlich gewesen ist. Es ist als Spaemanns Verdienst anzusehen, „die Debatte um Abtreibung und Euthanasie auf diese grundsätzliche Ebene gehoben zu haben“.

Nachdem die Junge Freiheit auf der Leipziger Buchmesse nicht als Aussteller hatte zugelassen werden sollen, unterzeichnete Spaemann auch einen Solidaritätsaufruf der Zeitung. Spaemann hält es für gefährlich, wenn staatliche Institutionen aufgeboten werden, „um bestimmte verfassungskonforme politische Positionen öffentlich zu ächten“. In staatlich organisierten „Bündnissen gegen Rechts“ sieht er den Versuch, den Staat als eine „Wertegemeinschaft“ neu zu begründen. Der liberale Rechtsstaat sei – auch wegen des gesellschaftlichen Pluralismus – konstitutiv eine Rechtsgemeinschaft. Er erkennt die Rechte seiner Bürger – unabhängig von ihren weltanschaulichen Auffassungen – an, solange diese den Gesetzen gehorchen. Verstehe sich der demokratische Staat als Wertegemeinschaft, so berge dies die „Gefahr eines liberalen Totalitarismus“. Um die Gesetze des Staates zu akzeptieren, müsse man nicht unbedingt die Werte teilen, die diesen zugrunde liegen. Vielmehr genüge es den Gesetzen zu gehorchen, weil man den „Wert des inneren Friedens“ im Gemeinwesen kenne.
Im Blick auf das zusammenwachsende Europa folgert er, dass die Europäische Union nur dann eine Rechtsgemeinschaft sein kann, „in der alle Bürger der Länder europäischer Tradition ein gemeinsames Dach finden“, wenn sie „Gemeinschaften mit gemeinsamen Wertschätzungen“ schützt, „selbst aber darauf verzichtet eine Wertegemeinschaft zu sein“.

Über Homosexualität allgemein sagte er in einem Interview: „Unter meinen guten Freunden sind mehrere Homosexuelle. Mit denen bin ich darin einig, dass die Abwesenheit der Anziehungskraft des anderen Geschlechts ein anthropologisches Manko ist.“

Papst Benedikt XVI. schätzt ihn als Berater und lud ihn im September 2006 nach Castel Gandolfo ein, um über das Verhältnis von Naturwissenschaft, Philosophie und Glauben zu referieren.

Spaemann schreibt zeitkritische Beiträge zu ethischen, politischen und religiösen Fragen für überregionale Zeitungen. Seine Positionen, insbesondere zur Ökologie und zur Bioethik, werden über die Grenzen verschiedener Weltanschauungen und Parteien hinaus beachtet. Wegen seines Engagements für die Bewahrung der Schöpfung bezeichnete ihn die Berliner Tageszeitung als Ökophilosophen. …

Ad multos annos!

Siehe auch Kath.net: Robert Spaemann: Ist ein opferloses Christentum möglich?

Siehe auch: Junge Freiheit: Zukunft braucht Herkunft:

Der Philosoph und Papstberater Robert Spaemann feiert heute seinen 85. Geburtstag. Auch wenn der Superlativ sparsam verwendet werden sollte: Der Münchner Emeritus ist schon seit einiger Zeit der weltweit bedeutendste katholische Philosoph. Im Dritten Reich bildeten sich Prägungen heraus, die Spaemann in seinen Studien verarbeitet. Jedweder Konformismus, auch der liberal-postmoderne unserer Tage, ist ihm seither unsympathisch.

…  Auch im letzten Abschnitt eines erfüllten Lebens wird ihn der begleiten, den er als das „unsterbliche Gerücht“ bezeichnet hat.

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