Karl Lueger, Wiens größter Bürgermeister

In der Flugschrift Die weiße Rose (Nr. 3/2012, 188. Fs.), herausgegeben von Albert Pethö, erschien diesmal ein „Splitter“-Beitrag zum Denkmalsturm auf Dr. Karl Lueger:

Die hiesigen Medien illustrieren anläßlich der geplanten Umbenennung jenes Teiles der Wiener Ringstraße, der nach der Stadt größtem Bürgermeister „Luegerring“ genannt wird, wieder ausgiebig die penetrante Einseitigkeit, groteske Undankbarkeit und niedrige Gesinnung der gegenwärtigen Nomenklatur und ihrer journalistischen Dienstboten im Umgang mit der Geschichte.

„Wiens Problem mit Karl Lueger“ ist etwa die Überschrift eines abfälligen Artikels in der „Presse“ (links seit 1848). Und aus der am Luegerring gelegenen Universität tönt das dortige progressivlastige Rektorat, daß Lueger seinerzeit die Universitäten als „Brutstätten der Religions- und Vaterlandslosigkeit“ gesehen hätte, weswegen man dort die Umbenennung auch kaum erwarten kann. (Mit seiner Meinung zum weltanschaulichen Klima auf den Universitäten hatte Lueger ja auch völlig recht, und er konnte überdies den Sachverhalt vom eigenen Studium her genau beurteilen).

Selbstverständlich aber hat nicht „Wien“ ein Problem mit dem ehrenden Gedenken an seinen größten Bürgermeister, sondern das derzeit herrschende sozialistische Regime hat ein Problem. Und dieses hat ja nicht nur ein Problem mit dem Bürgermeister Lueger, sondern auch mit dem Unterrichtsminister Drimmel, mit Bundeskanzler Figl, mit Bundeskanzler Dollfuß, mit den Habsburgern, mit der Kirche, praktisch mit allen politischen Persönlichkeiten und Institutionen, die für die Größe einer nichtsozialistischen Vergangenheit stehen und für die Plausibilität eines nichtsozialistischen Gesellschaftsentwurfes. Daher auch die unter jeglichem pseudomoralischen Vorwand betriebenen Versuche historischen Rufmordes an den ungeliebten Vorfahren und die beständige Herabwürdigung ihrer bedeutenden Leistungen und ihres ruhmvollen Erbes.

Und der gegenwärtige Zustand einer in politischer Unfähigkeit, Korruption und Niedertracht versinkenden republik macht zugleich auch sehr deutlich, warum dieser seit Jahrzehnten von der Linken betriebene Vergangenheitshaß nicht nachläßt und immer umfassendere Züge gewinnt, von der veröffentlichten Meinung bis in den Schulunterricht, vom Luegerring und Luegerdenkmal bis in die Akademie der Bildenden Künste, vom Friedhof und vom Kriegerdenkmal bis zur Inschrift auf dem Linzer Domportal — man verträgt in linken Kreisen den Vergleich mit der Vergangenheit nicht, denn die Leistungen und Hervorbringungen einer sozialistischen Gegenwart sind so jämmerlich, daß man dazu übergeht, die Maßstäbe und Vorbilder zuzukleistern, wegzureißen, einzuschmelzen, die eine allzu unbequeme Beurteilung des Heute und Jetzt ermöglichten.

Und so wird der Katholisch-konservative Lueger — ein herausragender Städtebauer, ein verwaltungstechnisches Genie, ein bahnbrechender Sozialpolitiker, welcher der Metropole Wien jene Infrastruktur schuf, auf welcher bis heute das Funktionieren der Großstadt beruht — auf seine antisemitische Wahlkampfrhetorik reduziert. Und selbstverständlich stellt man dabei nicht die Frage, ob damalige unfaire Formulierungen nicht auch berechtigte Kritik enthalten haben und unschöne Auswüchse einer im Grunde aber legitimen politischen Selbstbehauptung gewesen sind.

Was etwa Karl Kraus so gesehen haben dürfte, gewiß einer der scharfsichtigsten Intellektuellen des Jüdischen Österreichs, der in nüchterner Würdigung der völlig außerordentlichen Leistungen Luegers sein entschiedener Anhänger gewesen ist. (Kraus hat übrigens auch Luegers abfällige Meinung über den Journalismus geteilt).

Für eine mit Finanzkrise, Geldentwertung und allgemeinem Niedergang als Früchte ihres Tuns konfrontierten politischen Funktionärskaste ist es im Jahr 2012 besonders wichtig, proletisch Straßen umzubenennen und die Demontage eines der prominentesten und künstlerisch wertvollsten Denkmäler Wiens zu „fordern“, ungeachtet der Tatsache, daß der Staatsmann, dem es gewidmet ist, bis heute den Dank der Bevölkerung der Stadt verdient und daß er seiner bis heute segensreich nachwirkenden Leistungen wegen dieses Denkmal errichtet bekommen hat und nicht, weil von ihm seinerzeit „antisemitisch“ agitiert wurde. Einen Antisemitismus, den Lueger überdies, als er dann zu den Schalthebeln der Macht gekommen war, ad acta zu legen wußte, was er damals auch klar kommunizierte, etwa gegenüber dem kritische Nachfrage angeordnet habenden Kaiser Franz-Joseph.

Mittlerweile haben die Roten eine Kommission kreiert, welche die Fülle der Straßennamen Wiens nach weiteren unliebsamen historischen Reminiszenzen durchsucht. Die totalitäre linke Bananendiktatur verlangt nach Gleichschaltung des öffentlichen Raumes; dafür ist das Geld da.

Spindelegger, angeblich konservativer Teil einer Koalitionsregierung, sieht weg; Hauptsache, er bleibt Vizekanzler. Es ist freilich erfreulich, daß mit dem derzeitigen Wiener Landesparteichef Manfred Juraczka doch noch ein Politiker der ÖVP scharf gegen die Umbenennung des Luegerrings Stellung genommen hat. Und es ist bezeichnend, daß man vom Ex-Vp-Obmann Busek, der einst (als er auch noch eine ganz andere Politik vertreten hat als heute) eine große Luegerbüste in seinem Bureau im Rathaus stehen hatte, nunmehr keine Worte zur Verteidigung Luegers vernimmt.

Und natürlich hört man auch nichts von Erzbischof Schönborn über einen der wichtigsten und verdienstvollsten Christlichen Politiker unserer Heimat.

Couragiert ist es allerdings vom ehemaligen Presse-Chefredakteur Andreas Unterberger, zu jenen infamen Akten progressistischen Denkmalsturms klare Worte auf seiner Pagina domestica zu publizieren (www.Andreas-Unterberger.at); Österreich verfügt also selbst in Zeiten wie diesen noch über Persönlichkeiten mit Tendenz zu aufrechtem Gang — und das ist sehr ermutigend.

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