Das Trittbrettfahrerkalkül der willentlich Kinderlosen

In einem bestens recherchierten Artikel auf FreieWelt.net geht Stefan Fuchs vom iDAF auf die Betreuungsgelddebatte und das Krippendilemma ein, stellt den Betrag der Krippenplatzsubvention (ca. € 1000 mtl.) dem geplanten Betreuungsgeld in Deutschland und in anderen europäischen Ländern gegenüber und richtet schließlich den Fokus auf  den mangelnden Familienlastenausgleich:

… Kindererziehung hat in industriellen Gesellschaften jeden wirtschaftlichen Nutzen für ihre Eltern verloren. Kinder sind eben keine Arbeitskräfte mehr im bäuerlichen oder handwerklichen Familienbetrieb, sondern Kostgänger. Sie sind dabei umso teurer, je mehr sich die Eltern um eine möglichst gute Ausbildung bemühen (7). Wenn diese Kinder später als Erwachsene arbeiten, Steuern und Sozialabgaben zahlen, dann kommt dies nicht den Eltern, sondern der Allgemeinheit zugute. Zu dieser gehören auch die Kinderlosen, die keine Erziehungslasten zu tragen haben. Wirtschaftlich ist es deshalb rational, auf eigene Kinder zu verzichten und lieber die der anderen für die eigene Rente aufkommen zu lassen (8). Einem solchen Trittbrettfahrerkalkül wirkten aber bis vor wenigen Jahrzehnten noch mächtige moralische Tabus entgegen: „Kinder hatte man zu haben“ (Thomas Mann). Mit diesen früheren Selbstverständlichkeiten hat die „soziale Revolution des späten 20. Jahrhunderts“ (E. Hobsbawm) radikal gebrochen: Die Entscheidung für Kinder und Familie steht nun in harter Konkurrenz zu beruflicher Karriere, Konsum und Freizeit (9). Das Ergebnis des Massenvotums ist bekannt: Weniger Kinder, rasch alternde Gesellschaften und überlastete Sozialsysteme (10).

Angesichts dieser Selbstdestruktionslogik spätkapitalistischer Gesellschaften versuchen nun Hilfen für Familien (wie das Betreuungsgeld) der Erziehungsleistung von Eltern ein klein wenig Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wer einen solchen Lastenausgleich zugunsten erziehender Eltern für unnötig hält, sollte sich offen zu seinem Zynismus bekennen — ihn als fiskalische Umsicht zu verbrämen ist dagegen unredlich.

(Fußnoten siehe Originalartikel)

Siehe auch: https://kreidfeuer.wordpress.com/2012/02/15/solidarabgabe-von-kinderlosen/

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