Albert Wunsch: Kinder brauchen keine Krippen …

Kath.net: Kinder brauchen keine Krippen, sondern aktive Eltern!

Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch: Dass der Mensch „in den ersten 18 Monaten seines Lebens kontinuierlich dieselbe feste Bezugsperson braucht, scheinen die Krippen-Befürworter verdrängt zu haben“ – KATH.NET-Interview von Petra Lorleberg

„Dass der Mensch eine physiologische Frühgeburt ist und von daher in den ersten 18 Monaten seines Lebens kontinuierlich dieselbe feste Bezugsperson braucht, scheinen die Krippen-Befürworter verdrängt zu haben.“ Darauf weist der Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch im kath.net-Interview hin. „Kinder brauchen keine Krippen, sondern aktive Eltern“, dies sollte durch ein einheitliches Erziehungsgeld unterstützt werden, erläutert der Hochschullehrer weiter. Dass sich der „Deutsche Caritasverband – teilweise mit fadenscheinigen bzw. populistischen Begründungen – gegen eine finanzielle Anerkennung der elterlichen Erziehungsleistung ausspricht“, nennt Wunsch „beschämend“.

… Wenn aber zu einer Zeit, in welcher z. B. Hunde noch den Welpenschutz genießen, Kleinstkinder in die Krippe gegeben werden, dann erfolgt ein rapider Bruch, welcher sich als rasanter — deutlich messbarer — Stress äußert. Bei unsicheren Beziehungen, zu wenig Zuwendung und Kontinuität fehlt jedoch die Basis zur Entwicklung von Urvertrauen und Bindungsfähigkeit.
Was in den ersten drei bis fünf Lebensjahren nicht an Kleinkinder im normalen Lebensalltag herangetragen wird, ist kaum oder nur äußerst schwierig ‚nachzuliefern’. Dabei haben die Eltern als Garanten des emotionalen und körperlichen Wachstums durch die Gewährleistung einer verlässlichen Mutter-/Vater-Kind-Beziehung die größte Handlungs-Verantwortung und Wirk-Bedeutung. Der Leitsatz der Bindungsforschung in diesem Zusammenhang lautet: Bindung ist die Basis von Erziehung und Bildung; oder umgekehrt: Ohne Bindung kein Bildung!

Die ‚my way’-Stiftung hat unter der Überschrift: ‚Professionelle Elternschaft’ die Formel: 9 + 36 = 90 entwickelt. Das heißt: 9 Monate Schwangerschaft und die ersten 36 Monate nach der Geburt machen 90 Prozent von dem aus, was unsere Kinder und Jugendlichen im weiteren Leben — ob unter positivem oder negativem Vorzeichen — prägt.

… Ich plädiere schon seit vielen Jahren, allen Eltern ein einheitliches Erziehungsgeld zu zahlen, wie dies in vielen europäischen Ländern der Fall ist. Da ein Krippenplatz den Staat pro Kind und Monat ca. 1.200 Euro kostet und auf diese Weise gut 1/3 der Eltern gefördert werden sollen, könnten also alle Eltern auch pro Monat 400 Euro erhalten. Das ist echte Wahlfreiheit und Chancengleichheit. Denn der Staat hat die Aufgabe, nicht die Form eines Umgangs mit Kindern, sondern deren Inhalt — die Erziehung — zu fördern.

Dieses Erziehungsgeld für die Unter-drei-Jährigen geht an die Eltern. Diese können es dann an Tagesmütter oder — plus persönlicher Aufstockung — zu Krippen tragen oder für ihre eigene Erziehungsleistung vereinnahmen. Findet in Problemfamilien diese nicht angemessen statt, ist das Wächter-Amt des Staates gefordert, schnell und angemessen zu intervenieren.

… Jene Väter und Mütter jedoch, welche sich in Verantwortung für eine gute Erziehung engagieren, geben einem Staat die notwendige Stabilität.

… Ein abschließender Appell: Kinder brauchen keine Krippen, sondern aktive Eltern, um durch diese in ein eigenständiges und selbstverantwortliches Leben geführt zu werden.

Dr. Albert Wunsch ist Erziehungswissenschaftler, Psychologe, Supervisor (DGSv) und Konflikt-Coach. Er lehrt an der Uni Düsseldorf, der KatHO Köln (z. B. Pädagogik der Kindheit) sowie der Hochschule für Oekonomie und Management (FOM) in Neuss und arbeit in eigener Praxis als Paar-, Lebens- und Erziehungs-Berater. Seine Bücher „Die Verwöhnungsfalle“ (auch in Korea und China erschienen) und „Abschied von der Spaßpädagogik“ lösten ein starkes Medienecho aus und machten ihn im deutschen Sprachbereich sehr bekannt. Er ist Vater von zwei erwachsenen Söhnen und Großvater von drei Enkeltöchtern. Gerade ist sein neues Buch: „Boxenstopp für Paare“ erschienen.

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Eine Antwort zu Albert Wunsch: Kinder brauchen keine Krippen …

  1. Wolf Michael schreibt:

    Kluger Mann, der Herr Dr. Wunsch. Nur Klugheit scheint in diesem Land nicht erwünscht zu sein. Daher wahrscheinlich auch der Wunsch besonders der SPD, die ja schon immer von der Lufthoheit über die Kinderzimmer geträumt hat, Kinder möglichst früh in den Krippen zu indoktrinieren.

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