EB Di Noia für FSSPX-Versöhnung zuständig?

Giuseppe Nardi: Papst Benedikt übertrug Erzbischof Di Noia die Pius-Agenden:

… Kardinal Levada ist nicht mehr Präfekt der Glaubenskongregation. Papst Benedikt XVI. ernannte Kurienerzbischof Di Noia zum Vize-Präsidenten von Ecclesia Dei und entzog damit offensichtlich dem neuen Glaubenspräfekten, dem ehemaligen Regensburger Bischof Müller diesen Arbeitsbereich, den bisher Kardinal Levada ausfüllte.

Di Noia ließ umgehend weitgehende Gesprächsbereitschaft erkennen, betrachtete Ende Juni eine Einigung als zum Greifen nahe und mobilisierte „seinen“ Dominikanerorden kurz vor Beginn des Generalkapitels der Piusbruderschaft, für die Versöhnung zu beten. Laut Riposte Catholique teilen sich die Befürworter einer Versöhnung mit der Piusbruderschaft im Vatikan in zwei Gruppen. Der amerikanische Kurienerzbischof Di Noia gehört zur Gruppe der „Gherardinianer“. Sie vertreten auf der Linie von Msgr. Brunero Gherardini den Standpunkt, daß alle zwischen Econe und Rom strittigen Passagen in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils keineswegs unantastbar sind und daher selbstverständlich diskutiert werden können. Die Theologen der Tradition können also die Diskussion dazu eröffnen und offen führen und bei Bedarf werde das unfehlbare kirchliche Lehramt irgendwann strittige Fragen klären. Eine Lösung „von unten“ sozusagen, die jene natürliche Entwicklung voraussetzt, wie sie die Kirchengeschichte auszeichnet.

Ihnen stehen die „Levadianer“ gegenüber, benannt nach dem inzwischen abgetretenen Glaubenspräfekten, die eine Lösung „von oben“ anstreben. Sie halten ebenso die strittigen Punkte des Konzils zwar nicht für unantastbar, halten aber die Tatsache für unerträglich für das Erscheinungsbild der Kirche, gewissermaßen eingestehen zu müssen, daß über einen Zeitraum mehrerer Jahrzehnte offiziell eine Fehlentwicklung akzeptiert wurde. Daher versuchen sie, diese sich möglicherweise auftuende Schwachstelle durch eine „akrobatische“ (Riposte Catholique) Theorie der Kontinuität zu überbrücken, belasten damit aber die Gesamtfrage unnötig mit der Frage nach der Verbindlichkeit und damit mit der Frage nach der Anerkennung des gesamten Konzils.

Wie die französische Internetseite Riposte Catholique schrieb, hakten die Verhandlungen seit September 2011 offensichtlich auch daran, daß sie auf Distanz geführt wurden. Es gab keine wirklichen Verhandlungsgespräche, in denen sich beide Seiten gegenüber saßen. In denen zunächst auf informeller, aber direkter persönlicher Ebene nach einer Einigung gesucht wird, ehe man offizielle Dokumente austauscht. Diese persönliche Dimension, die zur Schaffung einer soliden Vertrauensbasis von größter Wichtigkeit sei, habe bisher gefehlt. Was nicht heißt, daß sie nicht nachgeholt oder nun in die Gespräche eingeführt werden kann. Die Ernennung von Kurienerzbischof Di Noia scheint auch diesbezüglich eine entscheidende Wende möglich zu machen, die von Papst Benedikt XVI. gewollt ist, nachdem die Gespräche am 13. Juni einen Knick erfuhren.

Es ist daran zu erinnern, daß es ein persönliches Gespräch zwischen Papst Benedikt XVI. und dem Generaloberen der Piusbruderschaft St. Pius X., Msgr. Fellay war, das im Sommer 2005, wenige Monate nach Beginn dieses Pontifikats, die schrittweise Annäherung zwischen Econe und Rom möglich machte, weil sie Vertrauen schuf.

Möglicherweise ist eine weitere solche direkte Intervention Benedikts XVI. notwendig, wie sie auch bereits die Ernennung von Di Noia darstellt. Vorerst ist die „allgemeine Erklärung“ der Piusbruderschaft nach dem Generalkapitel abzuwarten. …

Siehe auch: https://kreidfeuer.wordpress.com/2012/07/06/fsspx-zur-ernennung-von-bischof-mueller/

Ergänzung 19.7.2012:

http://pius.info/archiv-news/734-beziehungen_zu_rom/6916-vatikan-ernennt-neuen-ansprechpartner-fuer-piusbruderschaft-  (26.6.):

Der italo-amerikanische Kurienerzbischof Joseph Augustine Di Noia ist am Dienstag zum Vizepräsidenten der Vatikankommission „Ecclesia Dei“ ernannt worden.

Der 68-jährige Dominikaner, bislang Sekretär der Sakramentenkongregation, soll künftig im Auftrag des Präsidenten von „Ecclesia Dei“, des Präfekten der Glaubenskongregation, die Einigungsbemühungen mit der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. koordinieren.

Die Kommission war 1988 für die Betreuung jener traditionalistischen Gläubigen gegründet worden, die den für die Rettung der Tradition notwendigen Schritt von Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), Bischöfe zu weihen, nicht mitvollziehen wollten.

Mit der Berufung eines hochrangigen Kurienleiters und erfahrenen Theologen in dieses Amt bekräftige der Vatikan zugleich den Wunsch nach einer Aussöhnung mit jenen traditionalistischen Gemeinschaften, deren kirchenrechtlicher [Status] rein formell gesehen nicht geklärt ist.

2009 war die bis dahin weitgehend eigenständige Kommission „Ecclesia Dei“ der Glaubenskongregation zugeordnet worden.

Zugleich führte sie seit 2009 einen neuen Dialog mit der Priesterbruderschaft Pius X.

Bischof Bernard Fellay muss derzeit entscheiden, ob er einer von der Glaubenskongregation vorgelegten „Lehrmäßigen Präambel“ zustimmt. Das ist nach dem jüngsten Gespräch vom 13. Juni alles andere als gewiss. (Siehe Pressekommuniqué des Generalhauses.)

Wie es aussieht, wird Ecclesia Dei wohl wieder aus der Glaubenskongregation herausgelöst werden müssen, damit der FSSPX-Dialog zum vom Papst gewünschten Ergebnis geführt werden kann.

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