Beschneidung: Auch die Seele leidet

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidungsdebatte-auch-die-seele-leidet-11827698.html (21.07.):

Die Beschneidung von Kindern kann zu Traumata, Schmerzen und Komplikationen führen. Studien belegen, dass auch die spätere Sexualität negativ beeinflusst wird.

… Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, sagt: „Wir Kinder- und Jugendärzte sehen immer wieder Komplikationen nach Beschneidungen, die mit erheblichen Schmerzen einhergehen, da die Genitalorgane außerordentlich schmerzempfindlich sind. Das gilt auch für Neugeborene in den ersten Lebenswochen.“

… Matthias Franz, Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Düsseldorf, sagt, dass es bei Beschneidungen „nicht selten zu schwerwiegenden genitalen Verletzungen mit seelischen und sexuellen Langzeitproblemen“ komme…

… Unabhängig von diesen Komplikationen sei die Beschneidung ein Trauma, so Franz. „Neugeborene haben während des Eingriffs starke Schmerzen, Stresshormone werden ausgeschüttet, der Herzschlag steigt massiv an. Die Kinder schreien schrecklich, wenn die Beschneidung ohne Narkose oder ohne örtliche Betäubung durchgeführt wird. Aber auch eine Narkose bringt Risiken mit sich.“

Maximilian Stehr, Kinderchirurg am Münchner Universitätsklinikum, … : „Die Gefahr eines Traumas ist am größten, je weniger man gegen die erheblichen Schmerzen vorgeht.“

Eine Studie im „Journal of Health Psychology“ aus dem Jahr 2002 bestätigt die Traumagefahr und belegt, dass starke Schmerzen bei der Beschneidung Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben: Permanente und irreversible Veränderungen der neurologischen Funktionen, die für Schmerzempfinden und Gedächtnis verantwortlich sind, können die Folge sein. So sei belegt, dass Kleinkinder bis zu sechs Monate nach der Beschneidung eine erhöhte Schmerzreaktion bei Impfungen zeigen – im Gegensatz zu unbeschnittenen Kindern. Stehr spricht von einer Verhaltensänderung bei den Kindern, die sich beispielsweise in der Angst vor Ärzten bei der Nachuntersuchung zeige.

Auch ältere Kinder, die beschnitten werden, nähmen den Eingriff als Erfahrung von Gewalt und Machtlosigkeit wahr, so die Studie von 2002. Vor allem rituelle Beschneidungen werden demnach von den Kindern assoziiert mit Aggressivität. Sie führen zu einer Schwächung des Selbstbewusstseins und zu Albträumen.

Muslimische Jungen werden häufig im Alter von vier bis sechs Jahren beschnitten. Das ist das Alter, in dem „unter dem empathischen Schutz der Eltern die sexuelle Identität der Kinder“ entstehe, sagt Franz. Die Jungen hätten einerseits eine „recht genaue Wahrnehmung für äußere Fakten, werden aber andererseits noch durch kindliche Ängste und Phantasien bestimmt“. Eine häufige Angst sei, „dass jemand ihren Penis beschädigen könnte“. Die Beschneidung, sagt Franz, lasse aus den Ängsten Realität werden. „Nicht wenige geraten in stille Panik: Mama und Papa lassen das zu. Und so kann nicht nur die Kastrationsangst verstärkt werden, sondern es kann auch zu einem latenten Vertrauensbruch in der Beziehung zu den Eltern kommen.“ …

Siehe: https://kreidfeuer.wordpress.com/2012/07/22/beschneidung-von-kindern-ist-zu-aechten/

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2 Antworten zu Beschneidung: Auch die Seele leidet

  1. Ich habe mich schon einmal vor ein paar Tagen grundsätzlich gegen Beschneidung geäußert, möchte aber hiermit noch einmal betonen, dass es mir gerade bei der RELIGIÖSEN Motivation völlig paradox erscheint! Es sei denn – und jetzt wird es wichtig: – dass es sich bei den jeweiligen Religionen um MISSVERSTÄNDNISSE des göttlichen Prinzips handelt!
    Mir selbst ist in den letzten Monaten klar geworden, dass die Missionierung durch die Römische Kirche im Europa des – frühen – Mittelalters einen schweren SCHADEN angerichtet hat. Rom hat entweder die christliche Lehre selbst falsch verstanden und sie dementsprechend weitervermittelt oder man hat unseren Vorfahren, den Germanen oder wer auch immer das damals war, mit – böser – Absicht eine VERFÄLSCHTE, unwirksame, Religion „untergejubelt“.
    Der Grund für diese politisch motivierte „Spirituelle Kastration“ scheint mir zu sein, dass Rom uns „wilde Kerle“ zur „Räson“ bringen wollte, uns, die „Barbaren“, die Rom schon seit Jahrhunderten immer wieder Schwierigkeiten bereitet hatten.

    Inwieweit so etwas auch für andere Völker / Kulturen / Religionen evtl. zutreffen könnte, will ich nicht mutmaßen. Aber jeder wahrhaft erwachsene Mensch kann sich dazu seine Gedanken machen und seine für ihn gültige Wahrheit herausfinden.

  2. Eine andere Idee für die Beweggründe zur Beschneidung war mir schon vor Jahren gekommen bei Berichten über Beschneidung bei Frauen in Afrika: Es könnte sein, dass es sich um eine SYMBOL-Handlung handelt, die Hinweis geben soll auf eine – evtl. kollektive – seelische Verletzung, die dem jeweiligen Stamm vor langer Zeit schon widerfahren ist.
    Diese Idee verstärkte sich vor einiger Zeit als mir ein Buch in die Hände fiel über die Geschichte der Sklavenbeschaffung durch muslimische Sklavenjäger seit dem Jahre ca. 650 bis ins 19. Jahrhundert.
    Immer wieder und immer tiefer ins Landesinnere zogen die Sklavenjäger und raubten Menschen als Sklaven und traumatisierten die Zurückgelassenen – Kranke, Alte und KINDER.

    Auch die heutige zivilisierte Gesellschaft leidet noch immer schwer an einem kollektiven Trauma, welches ihr vor tausenden von Jahren widerfahren und noch immer nicht geheilt ist: Die Kollektive Zivilisations-Neurose, die seit ca. 10.000 Jahren alle Hochkulturen in den Untergang gezwungen hat.

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