Birgit Kelle: Im Zweifel für das Leben

http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/11865-babyklappen-und-anonyme-geburt:

Besser ein Kind ohne Namen als ein totes Kind. Warum Babyklappen und Anonyme Geburt richtig sind.

… Im Jahr 2010 veröffentlichte schließlich der Deutsche Ethikrat seine Empfehlung, alle Babyklappen zu schließen, weil das Ziel verfehlt worden sei, dass dadurch die Zahl der Kindstötungen zurückgeht. Ein zynisches Argument. Denn es wirft die Frage auf, wie viele Kinder mehr wir wohl stattdessen tot aufgefunden hätten, wenn es die Klappen nicht gegeben hätte.

… Damals habe ich mich einmal auf Spurensuche begeben nach Statistiken im Land NRW, dort steht ein Viertel aller deutschen Babyklappen. Auffällig war gleich: Es sind vor allem die christlichen Krankenhäuser, die solche Einrichtungen anbieten. Offenbar ist bei christlich motivierten Menschen der Wille, kein Kind – auch kein einzelnes – durch das gesellschaftliche Raster fallen zu lassen, deutlich ausgeprägter. Im Zweifel für das Leben.

Familienministerin Kristina Schröder will nun ein neues Gesetz erlassen, das eine sogenannte „Vertrauliche Geburt“ in Krankenhäusern ermöglichen soll. Damit ist gemeint, dass Mütter halbwegs anonym sein werden. Sie müssen ihre Personalien preisgeben, diese werden versiegelt und sollen dem Kind nach einigen Jahren ausgehändigt werden, damit es eine Chance bekommt, zu wissen, wer seine Mutter ist. Es soll der goldene Mittelweg sein zwischen dem Anliegen der Mütter und den Rechten der Kinder. Nun sind aber gut gemeint und gut gemacht bekanntlich nicht immer das Gleiche, so wie hier leider auch. Geht doch die geplante Neuregelung an der Realität der Praxis völlig vorbei.

… Denn ist das Kind erst einmal auf der Welt, sieht selbige oft gleich ganz anders aus. Die Liebe kann fließen, wenn das Kind erst einmal im Arm der Mutter liegt. Ähnliches berichtet mir der Chefarzt einer Klinik im Ruhrgebiet. Dort können die Frauen anonym entbinden, die Stadtverwaltung hat inoffiziell ihren Segen gegeben, und auch hier ist die Erfahrung gleich. Er berichtet, dass immer wieder Frauen wegen Bauchschmerzen kommen und mit einem Kind gehen. So sehr funktioniert die Verdrängung bei ungewollten oder ungeplanten Schwangerschaften. Passiere so etwas zu Hause, dann sei die erste Reaktion Panik: „Mülltonne, Kühltruhe oder Babyklappe. Wir brauchen die Klappe, damit die Frau diesen Moment überbrückt. Damit sie erst einmal einen Ausweg hat, erst einmal zum Nachdenken kommt und vielleicht nach ein paar Tagen ihre Anonymität aufgibt und zu ihrem Kind zurückkommt.“ Die Hemmschwelle muss so niedrig wie möglich sein und sie ist es nicht, wenn erst einmal der Ausweis gezückt werden soll.

Es gibt auch unschöne Geschichten, die mir berichtet wurden. Zum Beispiel von der Mutter im Raum Stuttgart, die am Krankenhaus abgewiesen wurde, weil sie sich weigerte, ihren Namen zu sagen. Man hat sie einfach weggeschickt, mitten in den Wehen. Sie steuerte ein zweites Krankenhaus an, auch dort wollte man ihr nicht helfen, auch dort beharrte man auf Formalitäten. Sie hatte immer noch Wehen. Sie hat dann bei einem dieser Vereine angerufen und eine Frau hat sich sofort ins Auto gesetzt und ist quer durch Deutschland gefahren, um ihr während der Geburt und danach beizustehen. Um das mal deutlich auszusprechen: Das war unterlassene Hilfeleistung und menschlich eine Schweinerei, was diese Krankenhäuser gemacht haben, nur weil nicht mit deutscher Gründlichkeit ein Formular mit drei Durchschlägen ausgefüllt werden konnte. Niemand hat diese Krankenhäuser angezeigt. Nicht der Verein, und nicht die Mutter, denn sie will ja kein Rechtsverfahren führen, sondern im Verborgenen bleiben.

Ein Kommentator weist auf eine Babyklappenliste hin:
http://www.sternipark.de/fileadmin/content/PDF_Upload/Babyklappenliste_Maerz_2012.pdf

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