Heino Bosselmann: Der Nazi als Projektionsfigur

Junge Freiheit: Der Nazi als Projektionsfigur (23.8.):

Der „Kampf gegen rechts“ ist für sich genommen die eindrucksvollste politische Aktion der Republik. Nirgendwo sind mehr Menschen mobil, nirgendwo gibt es unmittelbarer Konsens, nirgendwo gleichermaßen mehr didaktischen Ernst und krampfhafte Launigkeit. …

… Wer „gegen Nazis“ mitmacht, hat in bequemer Weise per se Recht; wer distanziert bleibt, ist verdächtig, mindestens ein Verharmloser, vielleicht schon in Gefahr, am Ende gar bereits „Täter“. Das Gute an sich steht dem Bösen als solchem gegenüber, etwas, was es sonst so nur im Märchen gibt: Das Licht gegen das Dunkel, Rotkäppchen gegen den bösen Wolf, Harry Potter gegen Lord Voldemort. Das versteht jeder, das kann jeder, Irrtum von vornherein ausgeschlossen. Selbst wo gar nichts mehr los ist, im deutschen Nordosten etwa, ist sofort etwas los, wenn „die Nazis“ kommen. Eine Handvoll davon reicht völlig aus, eigentlich schon ein einzelner. Die Pest ist in der Stadt, die braune Pest! Alle sind gefordert, wieder für weltanschaulich hygienische Zustände zu sorgen.

  • Zwischen Weltanschauungs-Apartheid und Infektionsgefahr

… Er [der „Nazi“] erweist sich der politischen Bildung gegenüber als resistent oder er ist „fehlgeleitet“; es kann sich letztendlich nur um einen Defekt handeln, an dem alle anderen nicht leiden, der „Nazi“ aber in einer solchen Intensität, daß er es in seiner Verbohrtheit gar nicht merkt! Er ist „unbelehrbar“ in einer Art und Weise, die von modernen „Antifaschisten“ nur als etwas Krankes, Abartiges, also Pathologisches, mithin Gefährliches angesehen wird, wovon Infektionsgefahr ausgeht.

Durchaus ergibt sich eine Art Weltanschauungs-Apartheid, die es ausschließt, „Nazis“ zur Auseinandersetzung überhaupt zuzulassen, denn das hieße, ihnen ein Podium zu geben und so die Gefahr der Verführung anderer zu erhöhen, obwohl doch gerade eine solche Auseinandersetzung Ultras zwänge, Positionen zu beziehen, die öffentlich widerlegt werden könnten.

  • Quarantäneprogramme für Kontaminierte

… Geläuterte „Nazis“ müssen folgerichtig nicht nur zum eigenen Schutz in ein Quarantäneprogramm, sondern weil es, wieder wohlmeinend gedacht, gar nicht anders geht, wenn einer derart kontaminiert ist. So jemand braucht Zeit für die Genesung. Nadja Drygallas Beispiel kann man so oder als Beispiel zeitgemäßer Inquisition auffassen. Man zeigte ihr die Werkzeuge, und das läuterte sie glücklicherweise. Drängte man sie erst aus dem Rennen, folgen jetzt, da sie doch einsichtig ist, die Gnadenakte der Wiederzulassung zu Förderungsprogrammen.

Da den modernen „Antifaschisten“ all jene rechts der Mitte als „Nazis“ gelten, da ferner „Nazis“ und „Rechte“ fast durchweg als Synonyme verstanden werden bzw. angenommen wird, daß der „Rechte“ irgendwann wie unter evolutionärem Druck Gefahr läuft, zum „Nazi“ hinüberzuwachsen oder in dieser Richtung zu mutieren, wird dieser Gegner als sehr gefährlich empfunden; noch gefährlicher dadurch, weil man mit gesteigertem Feingefühl nahezu überall, in gesellschaftlichen Akten ebenso wie in der Sprache, Anzeichen einer Gefahr von rechts ausmacht oder prophylaktisch meint ausmachen zu müssen.

  • Die letzte deutsche Volksfront
  • Tödliche Konsenssucht der Demokratie
  • Fauler Burgfrieden gegen rechts

… Sicher, die NPD ist Gegnerin des demokratischen Prinzips, einerlei, was sie selbst dazu verlautbart. Aber die existentielle Gefährdung der Demokratie geht mitnichten von ihr aus, sondern von Exponenten des Establishments selbst, die sich ebenfalls lieber auf Anti-Nazi-Demos feiern lassen und selbstverständlich ein schnelles NPD-Verbot fordern, als hart mit sich ins Gericht zu gehen – ein Vorgang, der ohnehin mehr und mehr dem Verfassungsgericht obliegt. …

Ergänzung 1.4.2013:

http://www.zeit.de/2012/10/Martenstein  (29.2.2012):

„Man kann jedem nachweisen, er sei Nazisympathisant“

… Ich biete an, für einen angemessenen Ehrensold jeder beliebigen Person rechtsradikale Tendenzen nachzuweisen, zum Beispiel einem Chef, den man hasst, oder einem Ex-Liebhaber. Ich nehme alle, auch Margot Käßmann, Jogi Löw oder Michel Friedman.

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