Christine Bauer-Jelinek: Absage an Allmachts-Feminismus

Kurier.at: Falle Feminismus  (29.9.):

Frisst die Revolution ihre Kinder? Ein neues Buch rechnet mit den Folgen der Emanzipation ab: Warum Frauen die Opferrolle ablegen und Männer weniger Schuldgefühle haben sollten.

… Christine Bauer-Jelinek hat „Der falsche Feind. Schuld sind nicht die Männer“ geschrieben. Eine radikale Absage an den von ihr kreierten „Allmachts-Feminismus“.

Ein Mann hätte dieses Buch in dieser Zeit mit dieser Offensive nicht schreiben dürfen. Und eine ideologisch rechts stehende Person ebenfalls nicht. Beides trifft auf Bauer-Jelinek nicht zu. Sie ist Wirtschaftscoach und Psychotherapeutin, Leiterin des Instituts für Macht-Kompetenz in Wien – und kommt aus der 68er-Bewegung: Kein feministisches Argument, sagt sie, sei ihr fremd. Daher seziert sie die Gesellschaft und wagt den Tabubruch. Ob Frauen die besseren Menschen, die Diskussionen um ungleiche Löhne obsolet, die weibliche Unterdrückung nur ein Mythos oder die Opferrolle längst nicht mehr angebracht ist.

Trotzdem sagt sie: „Es ist ein Frauen-Befreiungsbuch, denn im Moment sind die Frauen in Geiselhaft der Ideologie, welche Ansprüche sie denn nicht zu erfüllen haben.“ Karrierefrau, Übermutter, Altenpflegerin, dazu noch Vamp und bei Bedarf Mentalcoach. „Das geht sich nicht aus“, sagt Bauer-Jelinek. „Und es hindert Frauen an ihrer Weiterentwicklung.“ Wie auch die Schuldzuweisungen an die Männer. „Wenn man aus der Opferrolle heraus versucht, sich weiterzuentwickeln, ist man immer gefesselt. Wer sich unterdrückt fühlt, kann nicht stark sein.“

Das Gefühl, dass massiv etwas falsch läuft, hat sie auch in vielen Gesprächen mit Klienten gewonnen: „Die Frauen sind bei ihren Durchsetzungsversuchen bei Karriere oder Gehalt von einem solchen mentalen Nebel umgeben, dass man den überhaupt erst wegräumen muss, bevor es um die Sachfragen geht. Und die Männer sind von Schuldgefühlen zerfressen. Die haben nur mehr das Gefühl, egal, wie sie es machen, es ist falsch. Es ist nicht so, dass eines der beiden Geschlechter sagen könnte, mir geht es super.“

Und in weiterer Folge gehe es den Kindern schlecht, „und von den Alten reden wir diesbezüglich in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig. Das ist ein gesellschaftspolitisches Problem, das ich gerne einmal von einer anderen Seite beleuchten möchte und nicht immer nur mit Totschlag-Argumenten.“

Bauer-Jelinek rechnet gnadenlos mit dem Allmachts-Feminismus ab: „Das Paradoxe am Allmachts-Feminismus ist, dass er etwas anstrebt, das er zutiefst verachtet. Die Frauen sollen in die Arbeitswelt, die so schrecklich ist, und die Männer sollen heim, wo es auch schrecklich ist. Es ist absurd.“

„Ich habe den Anspruch, diese Diskussion auf eine andere Ebene zu heben.“ Gespräche, die darin gipfeln, dass die einen sagen ,Ich will vom Feminismus nichts mehr hören“ und die anderen kontern ,Ich will vom Hausmütterchen nicht mehr hören“, seien nicht hilfreich. „Es braucht endlich einen neuen Fokus.“ …

Ergänzung 7.10.2012:

Das Kleine-Zeitung-Feministinnenduo Weissenberger/Baumhackl packt in der Polemik „Der falsche Feind“: Armer Mann, böse Frau  (30.9./4.10.) jede erdenkliche Keule gegen Christine Bauer-Jelinek aus. Ich beschränke mich auf folgende Stellungnahme:

… „Die soziale Frage wird durch die Geschlechterfrage vertuscht“, entgegnet Bauer-Jelinek. Der Feminismus spiele dem Kapitalismus in die Hände: Immer mehr Frauen wollen Jobs – und wer kann dann Löhne dumpen? Krippenkinder könnten später keine Bindungen eingehen – und wer wünscht sich denn flexible Arbeitskräfte? Die neoliberale Wirtschaft.

Auch das Interview lässt die Interviewerin schäumen: http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/3133668/bauer-jelinek-auch-maenner-hatten-nie-alles.story  (30.9./4.10.):

Autorin Christine Bauer-Jelinek begründet ihre Thesen.

Sie predigen, erfolgreich sei, wer sich an die Regeln halte. Nun behaupten Sie, Feminismus sei Staatsdoktrin — Sie brechen also ein Tabu, ein schlimmer Regelverstoß. Welchen Karriereplan verfolgen Sie mit dem „Falschen Feind“?

CHRISTINE BAUER-JELINEK: Der Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe, ist die Erfahrung, die ich in Coachings der letzten Jahre gewonnen habe. Mir fiel auf, dass diese Gedankenwelt, die ich „Allmachts-Feminismus“ nenne, den Menschen immer mehr den Kopf vernebelt. Das will ich aufzeigen. Darüber hinaus bin ich eben 60 geworden, daher kann meine Positionierung viel freier erfolgen.

Nach dem Lesen Ihres Buches ist man tendenziell verzweifelt: Alle Frauen und die Hälfte der Männer machen alles falsch. Warum bieten Sie keine Auswege an?

BAUER-JELINEK: Ich bin kein Freund von Rezepten. Als Psychotherapeutin sage ich: Jemand, der drei Jahre beim Kind bleibt, macht es richtig; jemand, der Karriere machen möchte und sich an die Regeln der Macht hält, genauso — sie müssten nur dazu stehen, sonst kostet es zu viel Kraft. Der Feminismus redet uns ein, wir könnten alles haben. Auch die Männer hatten nie alles, zahlten immer einen Preis.

Sie kommen zu dem Schluss: Wenn das so weitergeht, sterben wir aus. Warum so polemisch?

BAUER-JELINEK: Das ist natürlich überspitzt, aber ich will damit zwei Gedanken ausdrücken: Mann und Frau sind anders als Arm und Reich eine existenzielle Gemeinschaft. Diese beginnt, sich aufzulösen, das halte ich für gefährlich. Zweitens: Wir sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir beschäftigen uns mit der zweitrangigen Frage, wie es den Frauen geht und vergessen das Wichtigste, die soziale Frage.

Sind Sie am Ende wirklich eine Linke: die Frauenfrage als Nebenwiderspruch in Karl Marx‘ Sinne?

BAUER-JELINEK: Ja, dann bin ich Marxistin. Die Herrschenden hatten immer Frauen an ihrer Seite, Revolutionäre immer Revolutionärinnen, die mit ihnen kämpften . . .

. . . und danach zurück an den Herd geschickt wurden.

BAUER-JELINEK: Und das ist heute anders. Die Frauen, die es wollen, können genauso mächtig sein wie Männer. Aber wir sollten sie nicht verpflichten, es zu wollen.

INTERVIEW: EVA WEISSENBERGER

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Eine Antwort zu Christine Bauer-Jelinek: Absage an Allmachts-Feminismus

  1. Gassenreh, Jakob schreibt:

    Es ist eigentümlich, dass von der wunderbaren Ergänzungsmöglichkeit von Frau und Mann sehr wenig gesprochen wird, denn das Gehirn ist das größte „Geschlechtsorgan“. Dort finden sich die wichtigsten, prägendsten und auch bereicherndsten Unterschiede zwischen Frau und Mann in den Bereichen „physiologische Abläufe“, „zentralnervöse Informationsverarbeitung“ und „genuinen, also angeborenen Denk- und Bewertungsprinzipien“. In Denk- und Bewertungsprinzipien, welche sich eben nicht einfach beispielsweise mit unterschiedlichen sozialen Erfahrungen in der Kindheit oder sonstigen sozio-kulturellen Einflüssen erklären lassen.
    Frauen haben z. B. mehr graue Gehirnzellen und weniger verknüpfende Nervenfasern im Gehirn: „Frauen können die einen Dinge besser, Männern die anderen; wir müssen lernen, einander zu helfen“.
    Damit und mit weiteren Unterschieden in den männlichen und weiblichen Gehirnen ist eine optimale Ergänzungsmöglichkeit der beiden Geschlechter trotz Konfliktstoff gegeben; Gleichheit kann sich höchstens addieren, Verschiedenheit kann wesentlich mehr erreichen (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität; über die Irrtümer der Gender-Ideologie“)

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