Beschneidung: Eckpunkte-Diskussion

http://www.tagesspiegel.de/politik/beschneidungsdebatte-bizarre-missachtung-kindlicher-rechte/7195488.html   (29.9.):

Der Passauer Rechtsprofessor Holm Putzke über den Regierungsentwurf, mit dem der Eingriff gesetzlich geregelt werden soll

… Es wäre immerhin ein Teilerfolg, weil Eltern über den Eingriff sowie seine Folgen und Risiken aufgeklärt werden müssen. Bislang ist zu beobachten, dass vor allem jüdische und muslimische Beschneider die Tiefe und die Risiken dieses Eingriffs krass verharmlosen. Das wäre nach der neuen Regelung verboten. Wer sich nicht daran hält, macht sich strafbar, weil die Einwilligung der Eltern unwirksam wäre. Aber trotz dieses Teilerfolgs dürfen solche Aspekte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich aufs Ganze gesehen um eine bizarre Missachtung kindlicher Rechte handelt. Immerhin soll ein medizinisch unnötiger Eingriff legalisiert werden, obwohl sämtliche pädiatrischen und kinderchirurgischen Vereinigungen in Deutschland, also der versammelte medizinische Sachverstand, sowie nicht zuletzt die Deutsche Kinderhilfe und der Deutsche Kinderschutzbund dies ablehnen bzw. sich kritisch geäußert haben. Mit einer gesetzlichen Regelung zum jetzigen Zeitpunkt vereitelt die Politik einen breiten fachlichen und gesellschaftlichen Diskurs.

… müsste das Gesetz in seiner jetzigen Form für verfassungswidrig erklärt werden, vor allem weil es das Grundrecht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit grob missachtet. Abgesehen davon sagt das Bundesverfassungsgericht, dass Religionsgemeinschaften strikt gleichbehandelt werden müssen. Wenn aber die Knabenbeschneidung aus religiösen Gründen erlaubt ist, dann darf der Rechtsstaat nicht gleich schwere und religiös motivierte Eingriffe bei Mädchen verbieten, wie sie etwa eine islamische Rechtsschule für verpflichtend hält.

… Das Mitgefühl von Menschen mit Kindern, die ohne medizinischen Grund irreversibel verletzt und denen Schmerzen zugefügt werden, verdient freilich nicht weniger Respekt als religiöse Gefühle. Die derzeitige Diskussion sollte nicht als eine Art von Kulturkampf missverstanden werden, vielmehr als Chance für eine Stärkung der Kinderrechte.

http://www.tagesspiegel.de/politik/beschneidung-neue-fakten-alte-irrtuemer/7200396.html  (1.10.):

Ein Fachgespräch der Grünen-Fraktion im Bundestag fördert weiteres Wissenswertes und Erfahrungen zur Beschneidung zutage – aber kein Rezept für die perfekte Lösung per Gesetz

… Michael Brenner, der an der Universität München jüdische Geschichte und Kultur lehrt, erklärte, dass auch unbeschnittene jüdische Männer aus jüdischer Sicht Juden seien. Er selbst schätze, „dass die Mehrheit der Juden in Deutschland nicht beschnitten ist“ – viele kämen aus der ehemaligen Sowjetunion, wo die Circumcision nur insgeheim und unter Schwierigkeiten möglich gewesen sei. Entsprechend sei es auch heikel, mit der unwiderstehlichen Macht der Tradition für die Beschneidung zu argumentieren: „Der soziale Druck ist bei uns in Deutschland nicht so hoch.“

Auch der Mainzer Medizinhistoriker Ilhan Ilkilic wandte sich gegen die Auffassung, dass ein Muslim beschnitten sein müsse. Was die Bedeutung des Eingriffs angeht, ließen allerdings beide keinen Zweifel: „Muslime sehen ihn als wesentlich an“, sagte Ilkilic. Und Brenner verwies aufs 19. Jahrhundert, als die deutschen Juden, unter dem Einfluss der und in Anlehnung an die mehrheitlich christliche Umgebung, den Ritus selbst in Frage stellten. Doch schließlich habe sich die Auffassung durchgesetzt, dass dieser Bruch mit der Tradition nicht ein kleiner Eingriff wäre, sondern „Selbstmord“ gleichkäme.

Heftige Meinungsunterschiede wurden in der Frage deutlich, wie dramatisch der Eingriff sei und ob er Kinderrechte verletze. Der Freiburger Staatsrechts-Professor Matthias Jestaedt und der Münsteraner Rechtssoziologe Bijan Fateh-Moghadam bestritten, dass da überhaupt Grundrechte kollidierten: das Recht des Kindes auf Unversehrtheit und das – religiöse – Erziehungsrecht der Eltern. Die Eltern selbst, so Jestaedt, nähmen ja das Recht ihrer kleinen Kinder wahr – wenn auch immer weniger, je älter die würden. Und Fateh-Moghadam ergänzte: „Wer gemäß jüdischer und muslimischer Regeln beschneiden lässt, handelt bereits im Rahmen des Elternrechts, nicht aufgrund eines religiösen Sonderrechts.“

… Reinhard Merkel, Mitglied im Ethikrat, das elterliche Sorgerecht sei „ein treuhänderisches Mandat“.

… Sabine Skutta, Psychotherapeutin und Kinderrechtsaktivistin, hält gerade den Eingriff an Kleinstkindern für traumatisch, zudem schwer therapierbar. Doch auch sie musste auf die Frage nach dem Warum – gestellt vom Abgeordneten Josef Winkler, einem gelernten Krankenpfleger – passen. Sein Kollege, der Rechtspolitiker Jerzy Montag, will es vom Frankfurter Kindermediziner und Neugeborenen-Fachmann Volker von Loewenich genauer wissen – er hatte die Beschneidung als unerlaubten Eingriff bezeichnet, der auch durch ein Ja der Eltern nicht rechtmäßiger werde: „Sie haben das so dezidiert gesagt. Wer ist für Sie als Arzt denn der Berufene, über das Kindeswohl zu entscheiden? Nach dem Gesetz sind das die Eltern.“ Doch auch Loewenstein [wohl eher: Loewenich] hat keinen Generalschlüssel: „Das ärztliche Prinzip [ist] nihil nocere, nicht schaden. Aber ich kann nur von meinem Standpunkt aus entscheiden, was schadet.“

… macht die baden-württembergische Abgeordnete Birgitt Bender klar, die sich an die Zeiten erinnert, als sich ihre Partei und Fraktion für die gesetzliche Verankerung einer Erziehung ohne Gewalt eingesetzt haben: „So viele Zuschriften haben wir damals nicht bekommen. Man kann schon fragen, warum manche Stellungnahme für die Kinder erst jetzt kommt, da es um Beschneidung geht.“

Siehe auch: https://kreidfeuer.wordpress.com/tag/beschneidung/

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Eine Antwort zu Beschneidung: Eckpunkte-Diskussion

  1. heureka47 schreibt:

    Ich wiederhole meinen begründeten Verdacht, dass es sich bei der (Genital-)Beschneidung um einen URSÄCHLICH UNBEWUSST SYMBOLISCHEN Akt handelt, dessen Ursprung viele tausend Jahre zurückliegt.
    Seit 1987 bin ich – als Laie / Angehöriger / Betroffener – mit dem Thema „psychische Störungen / Erkrankungen“ bzw. deren TIEFEREN Ursachen befaßt (tiefer als das, was die große Mehrheit der Psychiater / Schulmediziner sieht oder das „wissenschaftliche Weltbild“ = im gestörten Hirnstoffwechsel / in den „Genen“ [kopfschüttel]) und vor allem mit den wahren Ursachen und der BEDEUTUNG von angeblichen „Symptomen“ wie „Stimmenhören“, „Visionen“ / „Halluzinationen“, „religiöses Erleben“ usw. incl. des Phänomens SYMBOLISCHES HANDELN.

    Letzteres ist mir schon seit weit mehr als 25 Jahren als eine Möglichkeit bekannt, wie sich das NEUROTISCHE Potenzial in Menschen Ausdruck verschaffen kann. Das UNBEWUSSTE lenkt – zunächst – oft, lange – unbemerkt vom Bewußtsein das Denken und Handeln. Manchmal kommen die Betroffenen selbst darauf, was ihnen das bedeuten soll, manchmal – aber heutzutage, in der kollektivneurotischen zivilisierten Gesellschaft sehr selten – wird es ihnen von anderen gespiegelt.
    Letztlich soll/will – auch – das symbolische Handeln der Entwicklung des – höheren – Bewußtseins dienen.
    Und unter diesem Gesichtspunkt kann auch die Beschneidung als ein – symbolischer, deutungswürdiger, letztlich intelligenter / weiser – Ausdruck des Unbewußten gedeutet und verstanden werden.

    Wenn nicht nur ein einzelnes Individuum symbolisch handelt, sondern („sogar“) ein Kollektiv (eine Gruppe, ein Stamm, ein Volk, eine Kultur, etc.), dann kann man daraus schließen, dass es sich bei der Ursache, der seelischen Verletzung – der „Traumatisierung“ – um eine KOLLEKTIVE Traumatisierung handelt(e).

    Um so etwas handelt es sich z.B. bei einer Unterjochung / Versklavung (schlimmere Dinge will ich hier gar nicht anführen) einer Gruppe von Menschen – also eines Stammes oder Volkes.

    Warum – „ausgerechnet“ – das GENITAL?
    „Beschneidung“ ist nicht weit entfernt von „Kastration“ / „Entmannung“.
    Mit der körperlichen Kastration wird dem Menschen die Fähigkeit genommen, KÖRPERLICHEN Nachwuchs zu zeugen.
    Die Beschneidung (der Vorhaut) scheint mir ein symbolischer Hinweis auf eine/die GEISTIGE / SPIRITUELLE „Kastration“ zu sein – wobei damit nicht gesagt ist, ob sie absichtlich durchgeführt wurde oder sich – aus evtl. auch unbekannten Ursachen – „ereignet“ / entwickelt hat.
    Opfer der geistig-spirituellen Kastration können keinen SPIRITUELLEN Nachwuchs zeugen. Die Folge davon ist zunehmende Schwäche / Krankheit und letztlich das Aussterben des betroffenen Kollektivs.

    Ein tragisches Beispiel für „Spirituelle Kastration“ liefert die europäische und deutsche Geschichte der letzten ca. 1500 Jahre – und zwar mit der Verbreitung der „christlichen“ Religion durch die Römer. Den Germanen und ihren Nachbarn wurde die neue Religion mit Gewalt übergestülpt und ihnen die vorhandene, gewachsene, gesunde, Spiritualität „ausgetrieben“. MIt Hilfe der „Inquisition“ über viele Jahrhunderte.

    Zwar reagierte das Volk hier nicht mit Beschneidung der Vorhaut auf diese seelische Gewalttat, aber es reagierte! Denn es kann nicht anders sein. Verletzte, unterdrückte Seelen reagieren nun einmal. Das ist ein Naturgesetz. „Druck erzeugt Gegendruck“.
    Eine Seele ist kein „Nichts“. Allenfalls aus der krankhaft verkürzten materiellen Weltsicht der Wissenschaft ab René Descartes.
    Ansonsten ist eine Seele ein – FEINstoffliches – Kraftfeld und – intelligentes – BEWUSSTSEIN.
    Und bekanntermaßen ist die körperliche Erswcheinung des Menschen SPIEGEL der Seele.
    Alles, was die Seele betrifft, betrifft den GANZEN Menschen.

    Eine kleine Minderheit in dieser – durch Rom – spirituell kastrierten Gesellschaft hat das auch immer gewußt. Und Sigmund Freud war einer von diesen Wissenden, aber auch zu seiner Zeit nicht der einzige. Freud schreibt in seinem Werk „Das Unbehagen in der Kultur“ von der „Menschheitsneurose“ und nennt als primäre Ursache die „Religion“.

    Die – grundlegende – HEILUNG dieser kollektiven Neurose braucht nicht das Abschaffen der christlichen Religion, sie braucht – „nur“ – die Erkenntnis der tieferen, von den Römern verschwiegenen, WAHRHEIT.
    Die christliche Lehre ist im Grunde genial und gut; sehr gut.
    Man muss sie nur recht / richtig verstehen.
    Und das können Menschen nicht; die noch nicht zu ihrer höheren Bewußtseins-Ebene / Dimension entwickelt sind – was für grob geschätzt 99,9% der Bevölkerung hier zutrifft.

    Das wichtigste, was die zivilisierte Gesellschaft braucht – vor allem auch um die nächste KOLLEKTIVE PSYCHOSE vermeiden zu können, ist die GRUNDLEGENDE, nachhaltige, Heilung von dieser kollektiven Neurose.
    Und der Weg dazu ist BEKANNT und ohne Medikamente und ohne ärztliche Eingriffe für jeden Menschen durchführbar.

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