Frank Stronach: „Mit Herz, Hirn und Hand“

Andreas Tögel: http://www.ef-magazin.de/2012/10/09/3743-oesterreich-frank-stronach-zu-gast-im-club-unabhaengiger-liberaler:

Der austrokanadische Selfmademan Frank Stronach präsentierte am 4. 10. einem interessierten Publikum seine ungefähren Vorstellungen davon, welche Art von Politik er im Falle eines Erfolges seiner neugegründeten Partei zu machen gedenkt.

Seine wirtschaftlichen Leistungen sind beeindruckend: Er hat es – aus eigener Kraft – vom mittellosen steirischen Arbeiterkind zum Milliardär gebracht. Gegenwärtig beschäftigt der von ihm in Kanada gegründete, auf die Zulieferung von Fahrzeugkomponenten spezialisierte Magna-Konzern weltweit rund 108.000 Mitarbeiter, 13.000 davon in Österreich. Der Jahresumsatz der Firmengruppe beläuft sich auf über 30 Milliarden Euro. Auf eine vergleichbare Erfolgsbilanz können nicht allzu viele Zeitgenossen verweisen.

Was treibt einen solchen Mann, der es mit international bekannten Persönlichkeiten, mit Staatspräsidenten, gekrönten Häuptern („die englische Königin ist eine wirklich nette Frau, sie versteht viel von Pferden“) und anderen Wirtschaftskapitänen zu tun hat, im Herbst seines Lebens in die dumpfen Niederungen der kakanischen Politik?

… Als „zentrale Werte“ seiner Partei sehe er „Wahrheit, Transparenz und Fairness“. Wichtig sei es ihm, den untadeligen Ruf, den er sich als Geschäftsmann erworben habe („Ich bin nie jemandem etwas schuldig geblieben und habe immer mein Wort gehalten!“), auch als Politiker zu bewahren. Er sehe viel zu viele Leute, die nur ans Verteilen denken und zu wenige, die erkennen würden, dass zunächst etwas produziert werden müsse. Das gelte es zu verändern.

Die Euro-Einführung sei ein Fehler gewesen, weil dadurch die Gegensätze zwischen Nord- und Südeuropa verschärft worden seien. Der bevorstehenden Etablierung des ESM stehe er kritisch gegenüber, da damit „Billionenverpflichtungen“ verbunden seien, an denen noch die Enkelkinder zu tragen hätten. Keine Regierung dürfe das Recht haben, Verbindlichkeiten einzugehen, die einen Zeitrahmen von fünf Jahren überschreiten.

… Auf die Frage, welche eingängige Botschaft er für den Wahlkampf wählen wird, antwortete er, dass er mit „Herz, Hirn und Hand“ zur Sache gehen wolle.

… Fazit: Frank Stronach ist ein interessanter Mann, dem eines nicht unterstellt werden kann: mangelndes Selbstbewusstsein. Die mehrfach wiederkehrende Betonung seiner – unstrittig vorliegenden – wirtschaftlichen Erfolge lässt sogar die Einschätzung zu, es mit einer recht selbstverliebten Persönlichkeit zu tun zu haben.

… Man kann daher mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, Frank Stronachs Partei im kommenden Jahr im Parlament zu sehen. Dies unter anderem auch deshalb, weil mit einer wohlwollenden Berichterstattung durch den linken Medienhauptstrom zu rechnen ist, der darauf setzen wird, dass den größten Schaden durch ihn die „rechten Parteien“, ÖVP, FPÖ und BZÖ, erleiden würden. Die „Piraten“ werden auf eine derartige Wahlhilfe aus exakt umgekehrten Gründen wohl verzichten müssen. Für das BZÖ könnte ein Erfolg Stronachs durchaus zum letzten Nagel im Sarg werden.

Sollte der Fall eintreten, dass der Austrokanadier für seine Equipe wirklich gute Leute findet (was gegenwärtig einigermaßen zweifelhaft erscheint), wäre das hocherfreulich. Schließlich belebt Konkurrenz das Geschäft, und rechts der politischen Mitte ist der Wähler in Österreich ja wahrhaft nicht mit einem Überangebot attraktiver Angebote konfrontiert.

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Eine Antwort zu Frank Stronach: „Mit Herz, Hirn und Hand“

  1. „Keine Regierung dürfe das Recht haben, Verbindlichkeiten einzugehen, die einen Zeitrahmen von fünf Jahren überschreiten.“:

    Jede Regierung sollt so weise sein, dass sie Entscheidungen treffen kann, die für die Ewigkeit sind.
    Das ist möglich – allerdings nicht in der (geistes-)kranken zivilisierten Gesellschaft, in der die wahre Weisheit kein Wert mehr ist, ebensowenig wie all die anderen Tugenden, die auf dem Bewußtsein der reinen, bedingungslosen Liebe wachsen / gründen.
    Weil es der wesentliche Aspekt der „Kollektiven Zivilisations-Neurose“ ist, dass die Befallenen nicht wahrhaft erwachsen werden, nicht aufsteigen zum Erwachsenen-Bewußtsein, dem „Höheren / wahren Selbst“, sondern im Kind-Bewußtsein „stecken“ bleiben, im „Niederen Selbst“ / „Ego“.

    Diese Menschen lernen nicht, ANGST konstruktiv überwinden zu können, sondern erliegen ihr in wesentlichen Zusammenhängen – bewußt oder unbewußt. Rainer Taéni z.B. hat darüber schon 1970 geschrieben: „Latente Angtst – Das Tabu der Abwehrgesellschaft“.
    Das Verbleiben auf der niederen, kindlichen, Ebene der Bewußtseins-Entwicklung verhindert die Wahrnehmung der vollen, wirklichen, Wirklichkeit. Die Befallenen können folglich ihre Wirklichkeit nicht erkennen und wissen nicht, was sie tun (sollen).
    Das ist nichts neues. Das hat schon Jesus am Kreuz über seine Umwelt gesagt.
    Und schon Moses hat die zivilisationsgesellschaftliche Krankheit im „Tanz um das Goldene Kalb“ beschrieben.
    Grundlegende, nachhaltige, wahre HEILUNG ist möglich. Auch und vor allem unabhängig vom Kollektiv, in jedem Einzelfall. Voraussetzung: Bereitschaft zur Erkenntnis – auch und vor allem gegen die auftretenden Widerstände und evtl. unangenehmen Gefühle – wie z.B. Angst. Oder die Neigung zum Verdrängen. DAS genau ist der „Feind“, den es zu überwinden gilt.

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