Norbert Blüm: Familie und Beruf: Von wegen Vereinbarkeit

Auszüge aus Norbert Blüm: http://www.zeit.de/2012/42/Ehe-Familie-Karriere/komplettansicht  (20.10.):

Ehe und Familie werden dem Arbeitsleben untergeordnet, und alle finden es modern – warum nur?

… Der Störfaktor Kind soll möglichst früh der staatlichen Erziehungsarbeit übergeben werden. … Die Arbeit der Mütter wird erst dann anerkannt, wenn sie fremden Kindern gilt; das ist das System »Tagesmutter«. Wir könnten die Abschaffung der Elternschaft konsequenterweise bis hin zum staatlichen Brutkasten betreiben. Dann würden auch Schwangerschaft und Mutterschutz die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht länger stören.

Die Erwerbsgesellschaft ist imperialistisch und schickt sich an, die Familie zu erobern. Mit dem Programm Kinderhort, Kindertagesstätte, Kindergarten, Ganztagsschule, Ferienbetreuung ist die Kindheit nahezu vollkommen verstaatlicht. Nur noch die Schlafzeit ist fest in Händen der Familie. Wahrscheinlich kommt der aufgeregte Eifer der Schulreformen erst dann zur Ruhe, wenn das ganze Leben – von der Wiege bis zur Rente – in ein staatliches Rundum-Internat gezwängt ist.

Und so löst sich die Familie immer weiter auf. Jedes achte Ehepaar in Deutschland lebt in einer Fernbeziehung. Liebe wird zu Telepathie. Es geht von der Sesshaftigkeit, die wir uns über Jahrtausende mühsam angewöhnt hatten, wieder zurück zum Nomadentum. Mit Greencard sogar global. Die Ehe folgt der Platzanweisung, die ihr die Wirtschaft setzt. Flexibel und mobil, am besten auf Abruf, befristet, ausgeliehen arbeitet der moderne Jobhopper. Beide Ehepartner sollen jeweils dort leben, wo sie eine Anstellung finden. So werden Trennwände zwischen Familie und Erwerbsarbeit eingerissen.

… Der moderne Arbeitnehmer ist mit Handy am Gürtel und Computer auf dem Nachttisch immer im Dienst. Feierabend und Familie sind Nostalgie.

Ausgerechnet die linke Arbeiterbewegung will auch die letzte Frau in die von ihr als repressiv bekämpfte Leistungsgesellschaft integrieren. Offenbar sollen Frauen zusammen mit den Männern erst unterdrückt werden, um sie sodann leichter zusammen mit diesen aus dem Elend zu befreien. Das ist eine Dialektik von der spitzfindigsten Art. Auf der anderen Seite sah die feministische Bewegung von jeher die Hausarbeit als Mittel größter Unterdrückung. Sie erkennt in der Fabrikarbeiterin, die in einer Schicht am Fließband 2000 Schrauben anzieht, immer noch mehr Emanzipation als in der Arbeit der Mutter. Warum sollten die Frauen an den Fließbändern eine freiere Entscheidung getroffen haben als jene, die als Mütter zuhause arbeiten?

… Doch die optimal Vereinbarten, das sind Leiharbeiter, befristet Beschäftigte, auf Abruf Tätige, die erst gar keine Familie gegründet haben, um arbeiten zu können.

… Französische wie russische Revolution versuchten vergebens, Ehe und Familie kaputt zu machen. Die Maoisten waren die Letzten in der Reihe der großen Familienzerstörer. Bisher sind diese Modernisierer mit ihren gewaltsamen Versuchen gescheitert. Werden nun neoliberale Softies auf leisen Sohlen schaffen, was den Gewaltsystemen misslungen ist?

… Das Private musste Wirtschaft, Gesellschaft und Staat abgerungen werden. Soll das jetzt hergegeben werden? Soll die Ehe zur Dependance der Wirtschaft und die Kindheit zum staatlichen Fürsorgeobjekt werden?

… Wir müssen unsere Hoffnung auf die Verfassung und das Verfassungsgericht setzen, dass sie Ehe und Familie notfalls auch gegen den Zeitgeist verteidigen werden. Doch dafür müssen wir uns Gedanken machen, wie wir eine gute Gesellschaft gestalten wollen, in der ein gelungenes Leben möglich ist.

Nur – wo bleibt bei alldem meine CDU?

Dazu Birgit Kelle: http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/5391-das-private-ist-nicht-politisch  (25.10.):

Du musst ein Schaf sein in dieser Welt

Die Entmachtung der Familie schreitet voran, das große Ganze – die Verantwortung für die Kindererziehung – gerät aus dem Blick. Wenn das Private politisch ist, was ist dann noch privat? …

  • Wenn Freiheit nichts mehr zählt …
  • Grundkurs Subsidiaritätsprinzip …
  • Auf die Barrikaden! …

Dazu http://charismatismus.wordpress.com/2012/10/25/pladoyer-gegen-die-gleichschaltung-der-kleinsten-und-fur-die-freiheit-der-familien/:

… Norbert Blüm ist offenbar einer der letzten innerhalb der CDU, die sich trauen auszusprechen, wohin unsere „moderne Familienpolitik“ führt: in die totale Unterwerfung vor dem Arbeitsmarkt.

Leider kommt diese Einsicht erst jetzt, wo er nicht mehr aktiv in der Politik ist. In der Wochenzeitung “Die ZEIT” hat Blüm seine Ansichten zur Familienpolitik mit vernichtendem Urteil aufgeschrieben. …

Ergänzung 27.10.2012:

http://www.katholisches.info/2012/10/24/der-fruherer-arbeitsminister-norbert-blum-kritisiert-die-monopolisierung-der-erziehung-durch-den-staat/:

In einem Grußwort für die vom 31.10.-4.11. in Berlin stattfindende Globale Konferenz für Bildungsfreiheit  hat der CDU-Politiker Dr. Norbert Blüm, von 1982 bis 1996 Minister für Arbeit und Sozialordnung, sich klar für das Recht der Eltern auf Bildungsfreiheit ausgesprochen.

„Das Projekt, dass Eltern ihre Kinder verantwortungsvoll selbst ‚beschulen‘, ist ein heilsamer Stachel gegen (Be)Herrsucht des Schulregiments“, so Norbert Blüm.

Sein Text ist eine Kampfansage „gegen die Monopolisierung der Erziehung durch den Staat und die faktische Abschaffung von Elternschaft und ihre Reduzierung auf Fortpflanzung und Geburt“, sagte Jonas Himmelstrand, Präsident des schwedischen Freilernerverbandes ROHUS.

Ergänzung 3.11.2012:

CF: “Familie nicht unter die Knute des Erwerbslebens stellen” (3.11.):

… Mit jenen gängigen Vorstellungen, die Familie und Beruf vereinbar machen sollen, werde die Familie unter die “Knute des Erwerbslebens” gestellt, so Blüm.

Die Konsequenzen sind massiv. Die vollständige Integration in das Erwerbsleben und Anpassungen an die Forderungen der Arbeitswelt, eine zunehmende Zahl von Fernbeziehungen sowie die Fremderziehung der Kinder in Kinderhorten und Ganztagsschulen führt Blüm als Beleg dafür an, daß sich die Familie immer weiter auflöse und der Verlust der Familienwelt immer weiter fortschreite. Gemeinsam sei dann nur noch die Schlafenszeit.

Blüm warnt vor dieser “Verwirtschaftung der Familie” und ihren Folgen, dem Verlust ihrer Eigenständigkeit, und tritt dafür ein, die Ehe und Familie auch gegen den Zeitgeist zu verteidigen. Doch dafür, so Blüm, “müssen wir uns Gedanken machen, wie wir eine gute Gesellschaft gestalten wollen, in der ein gelungenes Leben möglich ist”. Hierin sieht  der frühere Arbeitsminister gerade auch eine Forderung an die CDU.

Bereits in seiner Streitschrift “Freiheit”, die Norbert Blüm Anfang 2012 in der ZEIT veröffentlichte, legte er pointiert dar, daß die Familie durch die Entwicklungen der Gegenwart bedroht ist und warnte vor einer Enteignung der Kindheit und der Verstaatlichung der Familie.

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2 Antworten zu Norbert Blüm: Familie und Beruf: Von wegen Vereinbarkeit

  1. Gassenreh, Jakob schreibt:

    Nicht nur die Familie, sondern vorallem die Schwächsten, die Kinder, werden Probleme bekommen und damit die Zukunft unseres Volkes.
    Denn ein bezüglich der sehr frühen Krippenaufbewahrung nicht ausreichend beachtetes Problem (neben Stresshormonausschüttung und damit reduzierter Neurogenese, sowie Mangel an Langsamen-Wellen-Schlaf und damit verminderter Wachstumshormonproduktion) ist die mögliche Störung bzw. Verzögerung der frühkindlichen Sprachentwicklung mit der Folge von Lese- und Rechtschreibstörungen und letztlich ungünstiger kognitiver Entwicklung.
    Für unsere Zukunft ist es unsinnig, die jungen Mütter für momentan scheinbar dringend benötigte Arbeitskräfte und um parteipolitisch gewollt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu dokumentieren aus der Familie zu entfernen und dadurch die wichtigste Resource, welche unser Volk besitzt, nur ungenügend sprachlich und kognitiv entwickelt zu ernten. (Siehe Ärztereport der Barmer Ersatzkasse vom Januar 2012 mit bereits jetzt schon ca. 40% sprachgestörten Kindern im Alter von 5-6 Jahren (Gründe: Zunahme Tagesmütter; enorme Lärmpegel in Kitas); logopädische Behandlungskosten etwa 1 Milliarde Euro).

    Bereits ab der 20. Gestationswoche hört der Foet im Mutterleib die Mutterstimme und ist nach der Geburt massiv darauf fixiert, sodass eine längere (max. bis zu 3 Jahren) dyadenspezifische Beziehung zwischen diesen beiden Personen notwendig ist, zumal in diesem Zeitraum zumindest zwei kürzere Phasen besonders begierigem Sprechlernen des Kleinkindes individuell verschieden auftreten (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität; über die Irrtümer der Gender-Ideologie“)

  2. OTTO schreibt:

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