„Pucken“: Knebelung in der Kinderkrippe

Birgit Kelle: http://www.freiewelt.net/blog-4824/shades-of-grey-im-kindergarten.html (19.11.):

… Stellen Sie sich vor, Sie sind unruhig, Sie schreien, Sie wollen nicht schlafen. Jemand wickelt Sie fest in eine Decke ein, fixiert Sie zusätzlich mit Tüchern, damit Sie sich nicht mehr bewegen oder gar befreien können. Damit Sie nichts mehr sehen können und keinen Kontakt mehr zur Umwelt aufnehmen können, wird Ihnen auch noch ein Tuch über den Kopf gelegt. Sie liegen dort so lange, bis Sie das Schreien aufgeben, also Ihr Wille gebrochen ist, oder Sie erschöpft einschlafen. Sollten Sie vor lauter Schreien aus Versehen das Tuch auf Ihrem Kopf einatmen, können Sie sich selbst nicht davon befreien. Vielleicht ersticken Sie dabei. – Nein, das ist keine neue Foltermethode aus Guantanamo, sondern die Einschlafübung für Kinder bis zwei Jahre im Kindergarten „Spatzennest“ im thüringischen Altenburg.

Ans Licht gekommen sind die aktuellen Vorfälle durch den Bericht einer Praktikantin in der Einrichtung. Sie hatte das nicht etwa heimlich dokumentiert und an die Staatsanwaltschaft oder die Polizei gemeldet. Nein, sie hat den normalen Tagesablauf in der Krippe fein säuberlich in ihrem Praktikumsbericht beschrieben und mit Fotos dokumentiert. So wie Tausende andere Praktikanten im Land ihre Praktika schriftlich festhalten müssen und dann in der Schule abgeben. Erst dort waren die Lehrer entsetzt, was sie in der Dokumentation vorfanden. Sie benachrichtigten umgehend den Träger der Einrichtung. Jetzt sind die drei beschuldigten „Erzieherinnen“ fristlos entlassen, Staatsanwaltschaft und Ämter informiert, man bemüht sich um Schadensbegrenzung.

… Diese Kinder haben geschrien, geweint, jedes Mal. Deswegen hat man es ja getan. Sie sollten sich durch das Fixieren beruhigen. „Sie haben die Kinder beim Schlafen eingewickelt und zugeschnürt, damit sie ruhig bleiben“, sagte die zuständige Fachdienstleiterin des Landkreises Altenburger Land, Marion Fischer, am Freitag. Sie bestätigte auch die Tücher auf den Gesichtern. Das sogenannte „Pucken“, bei dem kleinen Kindern die Arme eng an den Körper gelegt und sie dann in eine Decke eingewickelt werden, sei legitim, erklärte Behördenleiterin Fischer. Das bestätigt übrigens auch der Geschäftsführer des Kindergartenträgers „Volkssolidarität“, Volker Kibisch. Das Pucken sei erlaubt, allerdings müssten die Erzieherinnen in der Nähe bleiben, um die Decken wieder zu lösen, sobald das Kind sich beruhigt habe. …

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3 Antworten zu „Pucken“: Knebelung in der Kinderkrippe

  1. Gudrun Eussner schreibt:

    Ich habe das jetzt erst von einer Freundin zugeschickt bekommen und möchte eine kleine Kritik anbringen: „bis Sie das Schreien aufgeben, also Ihr Wille gebrochen ist“

    Das ist nicht richtig, die Kinder zeigen nicht ihren „Willen“, sondern sie zeigen, daß sie in Not sind. Das ist ein Unterschied. „Willen brechen“, das ist Johanna Haarer, die sah das so, die Säuglinge, die kleinen Tyrannen, die ihren Willen durchsetzen wollen. Die haben aber noch gar keinen Willen.

    • Carolus schreibt:

      Danke für den Hinweis!
      Was ein Kleinstkind betrifft, haben Sie freilich vollkommen Recht.
      Im Beispiel wird ein Erwachsener, dem die gleiche Tortur zugemutet wird, ein wenig mit dem Kleinstkind vermengt. Im Übrigen bin ich mir aber sicher, dass man Birgit Kelle niemals mit Johanna Haarer in denselben Topf schmeißen kann.
      Lieben Gruß

  2. steinmann2 schreibt:

    Dieses Verbrechen wird am Menschlichen wird als sehr „angenehm“ für „gepuckte“ Babys beschrieben in der Zeitschrift „Eltern“ http://m.eltern.de/baby/0-3-monate/puckanleitung.html
    Ein Gepuckter der heute noch Totesalbträume davon hat
    Danke für eueren Beitrag

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