Eva Pichler: Fortschritte der Euro-Krise

In einem Debattenbeitrag im Leserforum der Kleinen Zeitung vom 29.11.2012 nimmt die Wiener Wirtschaftswissenschaftlerin Eva Pichler zur Frage Stellung, wer die 9,3 Billionen Euro Bankschulden übernehmen wird.

Die Verluste der Banken werden sozialisiert, dann ist die Einlagensicherung hinfällig, da die  Banken nicht in Konkurs gehen.

In der Euro-Krise überschlagen sich die Ereignisse, die Übersicht droht verloren zu gehen. Hier will ich eine Brücke zwischen zwei scheinbar unabhängigen Geschehnissen herstellen. Sie betreffen wieder einmal die Bankenunion und den ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus).

Zum Ersten: Bekanntlich bastelt die EU in großer Hektik an der Bankenunion. Deutschland hatte aus (berechtigter) Angst, damit die Bankschulden der Südländer übernehmen zu müssen (immerhin 9,3 Billionen Euro), vor einer Vergemeinschaftung der Bankenrekapitalisierung sowie der Einlagenversicherung in Europa gewarnt. Vor Kurzem preschte nun ausgerechnet EZB-Chef Draghi, der wie das Amen im Gebet stets die Schuldnerinteressen vertritt, vor:

Er könne sich eine Bankenunion gut ohne Europäische Einlagenversicherung vorstellen. Dabei kommt leider gleich der Verdacht auf, dass irgendetwas im Busch ist und der Schuldentransfer auf anderen Wegen laufen soll.

Die Lösung des Rätsels findet sich rasch in einem Interview Hans Werner Sinns. Er berichtet, wie der Clou gestartet werden soll: Im Artikel 52 (!) des Vorschlags der EU zur Sanierung und Abwicklung von Bankinstituten ist (in komplizierten Worten) geplant, dass bis 2018 eine Beteiligung der Gläubiger an den Verlusten der Banken im Sinne der Beruhigung der Finanzmärkte nicht vorgesehen ist. Wie soll das angesichts der maroden Kredite funktionieren?

Ganz einfach. Die Verluste der Banken werden sozialisiert, dann ist eine Einlagenversicherung hinfällig, da die Banken nicht in Konkurs gehen (so wie jetzt Griechenland nicht in Konkurs gehen darf). Die EZB übernimmt die Bankenaufsicht, gleichzeitig erhält der ESM die Lizenz, kapitalschwachen Banken Kredite zu gewähren. Die maroden Banken haben nun bei der EZB hohe Kredite laufen. Steht Letztere vor der Entscheidung, eine private Bank für bankrott zu erklären, müsste sie damit ihre Forderungen in den Rauchfang schreiben. Einfacher und im Interesse der Schuldnerstaaten vorteilhafter wäre es, sie für sanierungsfähig zu erklären und den Zugang zu den ESM-Krediten herzustellen. Dann übernehmen die Verluste weder die Bankeigentümer noch die EZB, sondern die Steuerzahler, Rentner der Zahlländer.

Manche Politiker planen, in Österreich Zwangsanleihen für Vermögen ab 250.000 Euro einzuführen, um die öffentlichen Schulden abzutragen. Wenn das Land weiter mit beiden Händen Schulden der Südstaaten an sich zieht, wäre es sinnvoll, von vornherein hohe Steuersätze anzusetzen und die Vermögensuntergrenze weit unter 250.000 Euro zu senken, sonst geht die Rechnung nicht auf. Vielleicht sollte man auch die Bürger rechtzeitig darüber informieren. …

Siehe auch: https://kreidfeuer.wordpress.com/2012/05/25/eva-pichler-warnung-vor-eurobonds/

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Eine Antwort zu Eva Pichler: Fortschritte der Euro-Krise

  1. Wolfgang Heuer schreibt:

    Der „Wurm“ im ganzen „Organisierten System“ (wie das Klaus Traube mal genannt hat) ist der pathologische Mangel an wahrhaft menschlichem / mitmenschlichem Bewußtsein; Mangel am ernsthaften Streben nach „bedingungslos konstruktiver Grundhaltung“, die bekanntermaßen das höchste Prinzip des Universums ist. Anders gesagt; „Gott ist Liebe“.

    Und zwar nicht nur und nicht primär das GEFÜHL Liebe, das die allermeisten Menschen kennen, sondern die höhere Dimension von Liebe, die FEINstoffliche Bewußtseinsenergie, welche die Grundlage / Ursache des GEFÜHLS Liebe ist.

    Davon ist die große Mehrheit der Menschen der zivilisierten Gesellschaft innerlich abgetrennt und kann die eigentlich erforderliche Haltung nicht konsequent praktizieren. Meine langjährigen – beruflichen – Erfahrungen im Wirtschaftsleben (33 Jahre Außenhandel), davon 6 Jahre selbständig, 3 Jahre in der Politik und 18 Jahre ehrenamtlichen Engagements im Bereich „Psychiatrie“ haben mich diesen „Wurm im System“ deutlich erkennen lassen. Seit 1992 bin ich damit befaßt, darüber und über die Möglichkeit der grundlegenden natürlichen Heilung aufzuklären. Aber weder die Politik noch irgendwelche „Verantwortlichen“ anderswo wollen diesen Mangel zur Kenntnis nehmen. Und so kann natürlich auch keine Heilung, keine Besserung der unbefriedigenden Verhältnisse, eintreten.
    Wenn es so weitergeht, werden wir an diesem Mangel untergehen – in Fortsetzung bzw. Bestätigung des Buches „Der Untergang des Abendlandes“ von Oswald Spengler. Der schrieb ja, das ALLE Hochkulturen untergegangen sind. Und ich bin der Meinung, es war immer die „Kollektive Neurose“ der zivilisierten Gesellschaft. Auch schon vor 10.000 Jahren…

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