Benedikt XVI.: “Gender-Theorie ist zutiefst unwahr”

In seiner Weihnachtsansprache vor der vatikanischen Kurie (hier ein Auszug) verteidigte Papst Benedikt XVI. die traditionelle Ehe und Familie und verurteilte die Gender-Doktrin.
CF: Der Papst in brennender Sorge: “Die Familie ist bis auf den Grund bedroht“  (22.12.):

„In der Familie werden Grundformen des Menschseins weitergegeben“

Die große Freude, mit der in Mailand Familien aus aller Welt einander begegnet sind, zeigt, daß die Familie trotz aller gegenteiligen Eindrücke auch heute stark und lebendig ist. Aber unbestreitbar ist doch auch die Krise, die sie — besonders in der westlichen Welt – bis auf den Grund bedroht.

Es war beeindruckend, daß in der Synode immer wieder die Bedeutung der Familie als der genuine Ort herausgestellt wurde, in dem die Grundformen des Menschseins weitergegeben werden. Sie werden erlernt, indem sie miteinander gelebt und auch erlitten werden.
So wurde deutlich, daß es bei der Frage nach der Familie nicht nur um eine bestimmte Sozialform geht, sondern um die Frage nach dem Menschen selbst – um die Frage, was der Mensch ist und wie man es macht, auf rechte Weise ein Mensch zu sein.

Die Herausforderungen, um die es dabei geht, sind vielschichtig.
Da ist zunächst die Frage nach der Bindungsfähigkeit oder nach der Bindungslosigkeit des Menschen. Kann er lebenslang sich binden? Ist das seinem Wesen gemäß? Widerspricht es nicht seiner Freiheit und der Weite seiner Selbstverwirklichung? Wird der Mensch er selber, indem er für sich bleibt und zum anderen nur Beziehungen eingeht, die er jederzeit wieder abbrechen kann? Ist Bindung für ein Leben lang ein Gegensatz zur Freiheit? Ist die Bindung auch des Leidens wert?

„Flucht vor der Geduld des Leidens“

Die Absage an die menschliche Bindung, die sich von einem falschen Verständnis der Freiheit und der Selbstverwirklichung her wie in der Flucht vor der Geduld des Leidens immer mehr ausbreitet, bedeutet, daß der Mensch in sich bleibt und sein Ich letztlich für sich selbst behält, es nicht wirklich überschreitet.

Aber nur im Geben seiner selbst kommt der Mensch zu sich selbst — und nur indem er sich dem anderen, den anderen, den Kindern, der Familie öffnet, nur indem er im Leiden sich selbst verändern läßt, entdeckt er die Weite des Menschseins.

Mit der Absage an diese Bindung verschwinden auch die Grundfiguren menschlicher Existenz: Vater, Mutter, Kind; es fallen wesentliche Weisen der Erfahrung des Menschseins weg.

Der Großrabbiner von Frankreich, Gilles Bernheim, hat in einem sorgfältig dokumentierten und tief bewegenden Traktat gezeigt, daß der Angriff auf die wahre Gestalt der Familie aus Vater, Mutter, Kind, dem wir uns heute ausgesetzt sehen, noch eine Dimension tiefer reicht.

Hatten wir bisher ein Mißverständnis des Wesens menschlicher Freiheit als einen Grund für die Krise der Familie gesehen, so zeigt sich nun, daß dabei die Vision des Seins selbst, dessen, was Menschsein in Wirklichkeit bedeutet, im Spiel ist. Er zitiert das berühmt gewordene Wort von Simone de Beauvoir: „Man wird nicht als Frau geboren, sondern man wird dazu gemacht“. („On ne naît pas femme, on le devient“).

In diesen Worten ist die Grundlegung dessen gegeben, was man heute unter dem Stichwort „gender“ als neue Philosophie der Geschlechtlichkeit darstellt. Das Geschlecht ist nach dieser Philosophie nicht mehr eine Vorgabe der Natur, die der Mensch annehmen und persönlich mit Sinn erfüllen muß, sondern es ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet, während bisher die Gesellschaft darüber entschieden habe.

“Gender-Theorie ist zutiefst unwahr”

Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, daß er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist.
Er leugnet seine Natur und entscheidet, daß sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern daß er selber sie macht.

Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, daß er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat.
Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: „Als Mann und Frau schuf ER sie“ (Gen 1, 27).

Nein, nun gilt: Nicht ER schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan — und nun entscheiden wir selbst darüber. Mann und Frau als Schöpfungswirklichkeiten, als Natur des Menschen gibt es nicht mehr. Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille.

Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt.
Mann und Frau sind in ihrem Schöpfungsanspruch als einander ergänzende Gestalten des Menschseins bestritten. Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr.

“Auch das Kind verliert seine ihm eigene Würde”

Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren. Bernheim zeigt, daß es nun notwendig aus einem eigenen Rechtssubjekt zu einem Objekt wird, auf das man ein Recht hat und das man sich als sein Recht beschaffen kann.

Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, dort wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt.
Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, daß dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst.
Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen. …

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3 Antworten zu Benedikt XVI.: “Gender-Theorie ist zutiefst unwahr”

  1. Wolfgang Heuer schreibt:

    „Flucht vor der Geduld des Leidens“:

    Aus meiner Erfahrung und Sicht ist die „Leidensmystik“ der Katholiken ein tragischer Irrtum.
    Ich habe in 65 Lebensjahren meine Grenzen oft ausgelotet und erweitert und komme zu einer anderen Überzeugung als der, dass es in diesem Leben darum geht, viel Leid zu ertragen – um sich damit evtl. „Punkte im Himmel“ zu verschaffen.
    Das ist aus meiner Sicht völlig falsch verstandenes Leben / SEIN.
    Gott ist LIEBE und nicht LEIDEN / LEID ertragen.
    Ich habe noch nie wirklich nachvollziehen können, warum Katholiken den LEIDENDEN Jesus am Kreuz verherrlichen. Es sei denn, sie fänden in diesem Bildnis / Gleichnis (das man sich ja gar nicht machen soll!) die zutreffende Bestätigung für ihr eigenes Bewußtsein.
    Das wäre aus meiner Sicht KRANK. Eindeutig!

    Es geht im Leben des Menschen darum, zum Christus-Bewußtsein, dem göttlichen Bewußtsein im Menschen, zum Bewußtsein des „Höheren / wahren Selbst“, dem FEINstofflichen Bewußtsein, aufzusteigen und damit zur göttlichen Liebe ZU WERDEN, um aus dieser gewandelten Identität – ab der der Pubertät – das Leben zu leben und MEISTERN zu können, also den Aufgaben und Herausforderungen des Erwachsenenlebens gewachsen zu sein. Denn nach meiner Überzeugung kann der Mensch wirklich tragfähige – langfristige bis dauerhafte und evtl. lebenslange – Beziehungen nur aus dem Bewußtsein der göttlichen, bedingungslosen, Liebe leben. Gleiches gilt für erfolgreiche Kinder-Erziehung.

    Die „Erlösung“ kommt nicht mit dem körperlichen Tod, sondern mit dem „Tod“ der VORSTELLUNG, dass das Leben auf der materiellen – grobstofflichen – Ebene das Einzige oder Hauptsächliche sei.

    Die SYMBOLIK von Jesus am Kreuz besagt für mein Verständnis, dass „am Kreuz“, in der Erwartung des Todes, im dortigen STILL WERDEN diese Vorstellung „stirbt“ und dass NOCH AM KREUZ die Erkenntnis der „höheren Dimension“, der eigenen göttlichen Identität, folgt oder folgen kann.
    Ähnliches wird auch von Jakob berichtet, als er fern der Heimat sein Haupt auf einen Stein legte (STILL WURDE) und die Vision der „Jakobsleiter“ hatte.

    • Carolus schreibt:

      MMn geht es wohl nicht darum, das Leiden zu suchen, sondern unabänderliches Leiden mit Blick auf Christus durchzustehen. Mit manchen Erscheinungsformen christlicher Mystik hab auch ich meine liebe Not.

      • Wolfgang Heuer schreibt:

        Ich habe voll bestätigt gefunden die Aussage: „Gott ist Liebe“. Und zwar nicht primär das GEFÜHL Liebe, sondern primär die „Dimension“ / Ebene darüber, die KRAFT der Liebe, das Bewußtsein Liebe, die daraus mögliche „Grundhaltung“ der „bedingungslosen“ Liebe, wie die göttliche Liebe beschrieben / definiert wird.
        Aus DIESEM Bewußtsein soll das, was unabänderlich IST, gelassen und vertrauensvoll angenommen / akzeptiert werden.
        Unmißverständliches Beispiel dafür ist Maria bei der Verkündigung ihrer Schwangerschaft: „Mir geschehe, wie du gesagt hast“. Bedingungslos liebend / vertrauend – auf die höhere Vernunft / göttliche Weisheit.
        Ich bin kein Katholik – obwohl mal katholisch getauft. Aber dann, mit 14, wählt ich die humanistische Jugendweihe und trennte mich von der Kirche; von ALLEN Kirchen. Weil das, was dort versucht wurde, zu vermitteln, mich nicht ansprach, nicht innerlich erreichte. und ich dachte damals: „Wenn es Gott – wirklich – gibt, werde ich ihn auch so finden“. Und so geschah es. Nur war es eher so, dass ER MICH fand. In der schwersten Krise. Wie es auch an verschiedenen Stellen in der Bibel beschrieben wird.

        Wenn man sich an das hält, was die christliche Lehre URSPRÜNGLICH gemeint hat, ist es genial und führt zum wahren Gott. Das ist ja auch das, was ein religöses Konzept tun soll. Aber die christliche Lehre – vor allem so, wie sie den Germanen durch die Römer vermittelt / gewaltsam übergestülpt wurde – ist falsch verstanden, falsch vermittelt – und deshalb im Regelfall unwirksam. Und hält die meisten Menschen davon ab, zum wahren Gott zu finden.
        Die „Kollektive Neurose“ der zivilisierten Gesellschaft hat durch die Römer in Germanien und im Rest von Europa (heute auch auf andere Kontinente sich erweitert) eine weitere Verschlimmerung durch die „spirituelle Kastration“ erfahren, durch die der „westliche“ / „abendländische“ Teil der zivilisierten Gesellschaft VÖLLIG von der „Lebens-Energie“ (Od, Oth, Odem usw.) abgetrennt wurde. Wenn wir aussterben, dann in der Hauptsache DARAN.
        Aber: HEILUNG ist möglich.

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