Absurdes aus Brüssel: Planen gegen Vernunft und Wirklichkeit

Stefan Fuchs (FreieWelt): Absurdes aus Brüssel: Planen gegen Vernunft und Wirklichkeit  (09.01.):

… In Deutschland liegt die Jugendarbeitslosenquote bei acht Prozent und damit so niedrig wie nirgendwo sonst in Europa (4). Dies ist vor allem dem System der beruflichen („dualen“) Berufsausbildung zu verdanken, das Jugendlichen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert. Aber die evidenten Vorteile eines stärker praxisorientierten Ausbildungssystems passen nicht in das Weltbild der EU-Bürokratie, die stattdessen höhere Akademikerquoten fordert: Bis zum Jahr 2020 soll in den Mitgliedsländern der Anteil der 30–34-jährigen mit einem Hochschulabschluss auf mindestens 40 % steigen (5). Dieses „Kernziel“ von „Europa 2020“ (Nachfolgestrategie von „Lissabon“) haben Frankreich und Spanien schon erreicht, während Deutschland (ca. 30 %) im „Rückstand“ ist (6). Wer Jugendarbeitslosigkeit produziert, erfüllt die EU-Planvorgaben, wer Jugendliche erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert, verfehlt sie –  diese Absurdität ist typisch für die Steuerungsideologie der EU-Eliten.

Neben den Akademikerquoten ist die Frauenerwerbstätigkeit ein Lieblingsthema der Europa-Bürokraten: In Deutschland ist die Frauenerwerbsquote seit 2000 so stark gestiegen wie keinem anderen Land der Eurozone. Der Anteil erwerbstätiger Frauen in Deutschland gehört zu den höchsten in Europa, er liegt nicht nur weit über dem im Süden, sondern ist auch deutlich höher als in Frankreich, das der EU oft als Best-Practice-Modell der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dient (7). Dennoch bemängelt die EU-Kommission, dass in Deutschland die Frauenerwerbstätigkeit nicht hinreichend gefördert würde (8). Sie wendet sich damit implizit gegen die zunehmende Teilzeiterwerbstätigkeit von Müttern; das widerspricht ihrem Ziel, das (weibliche) Erwerbspotential möglichst vollständig auszuschöpfen. Diese Vollbeschäftigungsphilosophie ignoriert nicht nur die Bedürfnisse vieler Menschen nach „Familienzeit“, sondern auch die wirtschaftliche Realität: In hochtechnisierten Volkswirtschaften führt Rationalisierung – langfristig betrachtet – zu einem rückläufigen Arbeitszeitvolumen (9). …


(4)   Zur Jugendarbeitslosigkeit in Europa: http://altewebsite.i-daf.org/440-0-Wochen-1-3-2012.html. Seit der Veröffentlichung dieses Beitrags ist die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa weiter deutlich gestiegen. Die aktuellen Zahlen sind der Eurostat-Homepage zu entnehmen.

(5)   Zu den „fünf Kernzielen für das Jahr 2020“:http://ec.europa.eu/europe2020/europe-2020-in-a-nutshell/targets/index_de.htm.
(6)   Vgl.: „Jugendarbeitslosigkeit und Hochschulbildung“ (Abbildung [im Original]), in: http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/article/die-einheitsschule-ist-keineswegs-besser-als-pluralistische-bildungssysteme.html.
(7)   Zu den Frauenerwerbsquoten in Europa: „Beschäftigungsquoten in Europa 2011“ (Abbildung [im Original]).
(8)   Exemplarisch dafür: http://www.sueddeutsche.de/karriere/arbeitsmarkt-eu-mehr-jobs-fuer-frauen-in-deutschland-noetig-1.1106168.
(9)   Detaillierter hierzu: http://altewebsite.i-daf.org/449-0-Wochen-8-9-2012.html.

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