„Demografiestrategie“: Mogelpackung mit Wohlfühlrhetorik

Ferdinand Knauß: http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bevoelkerung-der-grosse-demografie-bluff-seite-all/7600330-all.html  (9.1.):

Die Bundesregierung hat sich eine Demografiestrategie gegeben. Bei näherer Betrachtung entpuppt die sich als eine Mogelpackung voller Wohlfühlrhetorik. An den Kern des Problems traut sich die deutsche Politik noch immer nicht heran.

Eigentlich müsste Herwig Birg zufrieden sein. Sollte man meinen. Jahrzehnte seines Wissenschaftlerlebens verbrachte der Demograf damit, den Deutschen und ihren Politikern mit Büchern wie „Die ausgefallene Generation“ und „Die demografische Wende“ die Brisanz des Geburtenrückgangs klarzumachen. Und nun, acht Jahre nach seiner Emeritierung als Professor in Bielefeld, hat Deutschlands Regierung endlich eine „Demografiestrategie“ vorzuweisen. Ein Dokument von 52 Seiten mit dem versöhnlichen Titel „Jedes Alter zählt“. Sogar ein eigenes Logo hat das Bundespresseamt entwerfen lassen: eine stilisierte Grafik der schrumpfenden Geburtenjahrgänge in Deutschland, die aussieht wie ein Kebap-Spieß.

Hat die Bevölkerungsentwicklung nun endlich den politischen Stellenwert erhalten, der ihr zukommt? …

… Das, was die Bundesregierung vorgelegt hat, hat allerdings mit einer Strategie nicht viel zu tun. Der Text liest sich eher wie eine vertrauensbildende Maßnahme, die mit einlullender Wohlfühlrhetorik weismachen will, dass die demografische Katastrophe gar nicht so schlimm sei – wenn man sie nur vernünftig manage. Von Problemen und Konflikten ist da wenig, doch von angeblichen Chancen umso mehr zu lesen. Ein fröhlicher Ich-liebe-euch-doch-alle-Ton zieht sich durch das gesamte Dokument: „Für die allermeisten Menschen geht es um gewonnene Jahre für ein erfülltes Leben. Es kommt darauf an, sie auch als solche zu erkennen und zu nutzen“, heißt es auf der ersten Seite.

… Kinder, deren Fehlen die Ursache des ganzen Problems ist, kommen in dem Dokument kaum vor. Im zusammenfassenden Eingangskapitel nur ein einziges Mal.

… Der Kern der demografischen Frage ist in der Demografiestrategie der Bundesregierung eine Nebensächlichkeit. Es geht auf über 50 Seiten um alles mögliche – „mobile Verwaltungsangebote“, „seniorengerechten Nahverkehr“ und das „Engagementpotenzial aller Generationen“ – aber nur ganz am Rande um die entscheidende Tatsache, nämlich dass die Menschen zu wenige Kinder kriegen.

„Die wirklichen Gründe des Problems geht man überhaupt nicht an“, sagt Herwig Birg. „Die Politik weiß seit über 30 Jahren, was auf unser Land zukommt, aber sie war und ist nicht bereit, etwas gegen die hohe Kinderlosigkeit zu unternehmen.“

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