Krippenkritik in Wiener „Presse“

http://www.leonore.at/2013/01/krippenkritik-in-der-presse/  (11.1.):

Letzten Sonntag hat die “Presse” die Titelseite und eine Doppelseite im Blattinneren der Kinderbetreuungsdiskussion gewidmet, und dabei große Wahrheiten gelassen ausgesprochen. Der dänische “Erziehungsguru” [Jesper Juul], dem übrigens der “Standard” eine eigene Kolumne widmet, erklärte erstaunlich klar:

“In diesem Wettrennen um möglichst viele Krippenplätze laufe die Gesellschaft allerdings Gefahr, über ihre eigenen Füße zu stolpern und eine Bruchlandung hinzulegen, meinen mittlerweile Skeptiker wie Jesper Juul. Ein Kritikpunkt ist, dass die bessere Versorgung mit Krippenplätzen zu einer normativen Kraft des Faktischen geworden ist: Es gibt mehr Betreuungsplätze, und deshalb müssen diese nun gefälligst auch in Anspruch genommen werden. ,Eine Zwangsmaßnahme’, wettert Juul, der es ein ,Privileg’ nennt, wenn Mütter ihre Kinder bis zum Alter von drei Jahren zu Hause erziehen können.”

In einem weitern Artikel thematisiert die “Presse” auch Stressstudien, die bei 22 % der Krippenkinder ungesund hohe Pegel des Stresshormons Cortisol nachgewiesen haben und ergänzt:

“In Studien maß man mithilfe von Speichelproben das Stresshormon Cortisol bei Krippenkindern – gerade bei besonders zurückgezogenen Kindern fand sich am meisten davon. ,Laute holen sich durch ihr Geschrei stressregulierende Zuwendung’, sagt Barbara Supper vom Institut für Entwicklungspsychologie der Uni Wien. ,Die Stillen sind problemlos und werden dadurch eher beiseite gelassen.’”

Fakten, die uns noch vom Artikel des Kinderarztes Dr. Böhm in der FAZ in Erinnerung sind. Auch Kindergärtnerinnen werden durch den gesellschaftlichen Druck zur Fremdbetreuung verunsichert.

“Und was ist, wenn Kindergärtnerinnen eine Eingewöhnung zu schmerzhaft für das Kind finden, die Eltern aber trotzdem darauf bestehen? Ob sie Verantwortung für das Kindeswohl übernehmen oder sich eher als Dienstleister für die Eltern sehen, hängt vom Personal ab. Man fürchte oft, selbst versagt zu haben, hört man unter der Hand von Kindergärtnern.”

Auch bei der Frage, wieso es diesen Druck zur Fremdbetreuung gibt, nimmt sich Jesper Juul kein Blatt vor den Mund. Denn die Betreuung dient nicht den Familien, sondern dem Arbeitsmarkt!

“Kinderkrippen sind keine Erfindung Gottes und kein Geschenk an seine jüngsten Schäfchen. Sie sind ein Angebot der Gesellschaft an die Eltern, die im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt benötigt werden.”

Ein großes Lob an die verantwortlichen Redakteurinnen Doris Kraus und Anne-Catherine Simon! Wir hoffen, dass sie am Thema dran bleiben.

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