Harald Seubert: Genderismus — Kulturwissenschaften im Bann eines neuen Fetischs

http://www.medrum.de/content/genderismus-kulturwissenschaften-im-bann-eines-neuen-fetischs  (15.1.):

Eine Analyse von Harald Seubert — erschienen in der dritten und erweiterten Auflage von „Vergewaltigung der menschlichen Identität — Über die Irrtümer der Gender-Ideologie“

Am 9. Januar 2013 ist die dritte und erweiterte Auflage des Buches „Vergewaltigung der menschlichen Identität — Über die Irrtümer der Gender-Ideologie“ erschienen. Die dritte Auflage ist vor allem erweitert um eine 12 Seiten umfassende kritische Analyse der Gender-Konzeption durch den Religionsphilosophen Harald Seubert. Er hat seine Nachbetrachtung unter die Überschrift „Genderismus: Kulturwissenschaften im Bann eines neuen Fetischs“ gestellt (S. 97-108).

Seubert zeigt auf, dass der Kulturbegriff infolge eines inflationären Gebrauchs heute kaum noch unterscheidende Kraft hat. Diese Entwicklung gehe einher mit dem ebenso inflationär gebrauchten Konstruktionsbegriff. Alles sei kulturelles Konstrukt, auch das Geschlecht. Nach dem, was tatsächlich ist, werde nicht gefragt. Der dabei angewandte Konstruktivismus sei weniger Methode als vielmehr Weltanschauung, die sich mit der Wahrheit und Realität nicht vertrage. Seubert: „Alles ist erlaubt, nur nicht nach einer verbindlichen Wahrheit zu fragen.“ Es bedürfe kaum weiterer Erklärungen, um nachzuweisen, dass dies der ›Diktatur des Relativismus‹ (Papst Benedikt XVI.) ziemlich genau entspricht.

Die Unverträglichkeit mit der Wahrheit unterstreicht Seubert mit Judith Butlers Konstruktivismus, der die Realität des Körpers missachte. Sie spiele mit der Maske Gender. Ihre Konzeptionen seien stark auf ein „performatives Geschlechterspiel“ gerichtet, um das „Proprium des Männlichen oder Weiblichen als Konstrukt zu erweisen“. Seubert hebt hervor, dass dies in der Kontinuität von Libertinage-Projekten zu Beginn des 19. Jahrhundert steht und weist auf eine der heutigen deutschen Exponentinnen der Gender-Studies, Christina von Braun, hin, nach der »mit der Abkoppelung des Sexualtriebs von der Biologie“ die Voraussetzungen dafür geschaffen waren, dass aus den „biologischen Kategorien ›Sexualität‹ und ›Geschlecht‹ kulturelle oder geistige, psychische Kategorien werden konnten.

Zugleich weist Seubert auf ein fundamentales Problem der Gender-Konzeption hin. Da Gender keine eigene Methode, erst recht keine eigene Disziplin sei, so Seubert, gelingt es daher auch nur durch »Querverbindungen zwischen den einzelnen Disziplinen« Konstruktionen von Geschlechterbildern und Geschlechterverhältnissen zu untersuchen. Seubert: „Die genuinen Forschungsleistungen der Einzelwissenschaften werden gewissermaßen vorausgesetzt und nach der Gender-Ideologie interpretiert. Dass ein solches Verfahren wenig eigenen Erkenntniswert hat, dürfte auf der Hand liegen.“

Am Schluss appelliert Seubert, hochkarätiger geistiger Arbeit wieder Gehör und Geltung zu verschaffen. Wenn es nicht an staatlichen Universitäten gehe, dann an anderen Institutionen. Wenn dies nicht gelinge, dann verselbstständige sich wieder, was schon im vergangenen Jahrhundert unselige Kreise gezogen habe: „die Dominanz der Ideologie vor der Wahrhaftigkeit, ein political correctes Neusprech im Unterschied zu jener Parrhesia (Freimut), die weiß, dass sie die Wahrheit nicht besitzt, die ihre Logik der Forschung aber von der Frage nach der Wahrheit leiten lässt.“

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4 Antworten zu Harald Seubert: Genderismus — Kulturwissenschaften im Bann eines neuen Fetischs

  1. Gert Ewen Ungar schreibt:

    Hier werden zwei Begriffe gegeneinander gehalten: Einerseits der Begriff der Ideologie, andererseits der Begriff Wahrhaftigkeit. Während hier einige Begriffe der Genderforschung und der Queer Theory relativ unverstanden sind und aus diesem Unverständnis heraus als Ideologie markiert werden, bleibt der Begriff der Wahrhaftigkeit weitgehend unbeleuchtet. Wahrhaftigkeit wird mit der Frage nach der Wahrheit gleichgesetzt – eine Tautologie. Nun sind Tautologien immer wahr, erklären jedoch nichts. Die rhetorische Figur ist jedoch interessant. Die Wahrhaftigkeit ist das Opfer eines Diskurses, der in die Irre gegangen ist. Der Maßstab für dieses In-die-Irre-gehen ist die die Frage nach der Wahrheit, also die Wahrhaftigkeit. Dieser Zirkelschluss hat einen ganz dumpfen, ideologischen Beigeschmack.

  2. Freier Christ schreibt:

    Welcher „Gender-Wahn“? Es geht darum, dass Frauen Männern gleichberechtigt werden. Das Gender-Forscher nach einer Erklärung in den verschiedenen Gesellschaften und Kulturen suchen, ist ihre Sache, ihre Interpretation eine andere. Tatsächlich sollten diese Geisteswissenschaftler mehr mit den Naturwissenschaftlern zusammen arbeiten, dennoch müßen in Zeiten der Globalisierung und der notwendigen Zusammenarbeit von Mann und Frau Grundlagen für Gleichberechtigung geschaffen werden, die einem gerechten! Zusammenleben (kein Mensch steht über den anderen, egal ob Mann oder Frau) aller führen sollen. Von daher sollte man diese Genderforscher nicht gleich verteufeln.

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