Papst wünscht Wiederaufnahme des FSSPX-Dialoges

http://www.katholisches.info/2013/01/21/fortsetzung-des-dialogs-groser-wunsch-benedikts-xvi-zwei-auswege-aus-dem-stillstand/:

… Neuer Schritt des Heiligen Stuhls in Richtung Priesterbruderschaft St. Pius X.: Der Vizepräsident von Ecclesia Dei Augustine Di Noia, dessen Händen Benedikt XVI. seit einigen Monaten das heiße lefebvrianische Dossier anvertraut hat, hat Bischof Bernard Fellay geschrieben. Und über diesen wandte er sich an alle Priester der Bruderschaft, indem er einen Weg aufzeigt, um die Fäden der im vergangenen Juni unterbrochenen Gespräche wieder zu knüpfen.

Bekanntlich hatte die Glaubenskongregation im Juni 2012, nach Jahren der Glaubensgespräche, dem lefebvrianischen Generaloberen eine von Ratzinger approbierte Doktrinelle Präambel übergeben, deren Unterzeichnung Voraussetzung für eine Einigung und eine kanonische Anerkennung war, die die Bruderschaft wieder in die volle Gemeinschaft mit Rom zurückgeführt hätte. Der Heilige Stuhl erwartete sich innerhalb einiger Wochen eine Antwort. Doch eine Antwort ist nie gekommen. …

… Mit dem vor Weihnachten Fellay übermittelten Brief mit der Erlaubnis, ihn allen Priestern der Bruderschaft weiterzuleiten, schlägt Di Noia einen Weg vor, um den Dialog wieder aufzunehmen und einen letzten Versuch zu unternehmen angesichts des Stillstandes und von Schwierigkeiten, die objektiv schwierig zu überwinden scheinen.

Laut dem gewichtigen französischen Vatikanisten Jean Marie Guenois habe Papst Benedikt XVI. selbst das Schreiben angeregt, korrekturgelesen und genehmigt. Im Schreiben, so Guenois, ist die Rede vom großen Wunsch, die bestehenden „Spannungen zu überwinden“. Im acht Seiten langen Schreiben werden drei zentrale Punkte berührt: der aktuelle Stand der Beziehungen, der Geist dieser Beziehungen und die Methode, um den unterbrochenen Dialog wieder aufzunehmen. …

Ergänzung 22.1.2013:

Siehe auch die frühere Meldung in dieser Causa:
http://www.katholisches.info/2013/01/18/brief-di-noias-an-die-piusbruderschaft-charisma-der-ersten-jahre-wiederfinden-anerkennung-unterschiedlicher-positionen-uber-die-zukunft-entscheiden-soll/:

… Die Vorschläge zielen darauf ab, die offenen Fragen offen zu lassen, und deren Lösung einem zukünftigen Moment zu überlassen. …

Auch die zahlreichen Kommentare sind lesenswert, z. B.:

Die Wirkkraft der Piusbruderschaft ist ja gehemmt, weil die Verantwortlichen in der Kirche die Piusbruderschaft genau in jener „schismatischen Schmuddelecke“ haben wollen, in die sie sie stellen. Die Verantwortung dafür liegt bei den Verantwortlichen, nicht bei der Piusbruderschaft. Jetzt sagt EB Di Noia sinngemäß: Ihr dürft das Konzil nur kritisieren, wenn es uns nicht weh tut. D. h. jede sachliche Kritik am Konzil steht unter einem subjektiv definierten Vorbehalt. Traditionalisten, die sich verbiegen müssen, um den Verantwortlichen nicht „weh zu tun“, gibt es unter Ecclesia Dei bereits genug. Wenn Rom die Tradition ehrlich wollte, bräuchte keiner mehr einen Gedanken an die Piusbruderschaft zu verschwenden. Es geht um den katholischen Glauben und nicht um die Piusbruderschaft. Wenn Rom den Glauben lieber in der „schismatischen Schmuddelecke“ lässt, weil es Rom sonst weh tut, was soll man dann in Rom?

Ergänzung 29.1.2013:

Klaus Obenauer: http://www.katholisches.info/2013/01/24/piusbruderschaft-zugreifen-jetzt/ mit einer Überfülle an engagierten Kommentaren.

Nochmals Klaus Obenauer: http://www.katholisches.info/2013/01/28/piusbruderschaft-ihr-platz-in-der-catholica/

Ergänzung 4.2.2013:

Der Schweizer Bischof Morerod sperrt die FSSPX per Dekret (frz. , 20.1.) aus seinen Kirchen aus.
http://www.pius.info/streitende-kirche/978-ausgrenzung-der-piusbruderschaft/7638-bischof-von-genf-erlaesst-dekret-gegen-piusbruderschaft  (3.2.):

… Vor seiner Ernennung zum Bischof von Lausanne, Freiburg und Genf im November 2011 gehörte der Dominikanerpater und Theologe der Kommission der Glaubenskongregation an, die die Gespräche mit Vertretern der Piusbruderschaft zu führen hatte. Bei der Veröffentlichung des Dekretes wies das Bistum laut la Stampa darauf hin, dass die Priester der Bruderschaft im Sinne der katholischen Kirche „a divinis“ suspendiert seien und ihr Priesteramt nicht ausüben dürften. Deswegen sei den Priestern der Bruderschaft Pius X. das Nutzen der Kirchen und Kapellen untersagt.

Doch damit nicht genug. Das Dekret gipfelt in einem geradezu grotesk anmutenden Widerspruch: Den Pius-Priestern, welche in jedem heiligen Messopfer namentlich für Papst Benedikt XVI. beten, werden die Kirchen versperrt, Lutheranern, Anglikanern und Orthodoxen, welche nicht nur den augenblicklichen Papst, sondern das Amt des Petrus überhaupt ablehnen, werden sie geöffnet …

Kreuz-net.info: Querschläge eines Gescheiterten  (4.2.):

Der Genfer Bischof Morerod sperrt die Kirchen für die katholische Piusbruderschaft, für Anti-Papst-Abspaltungen, wie die Protestanten, bleiben sie geöffnet – kurz nach dem Bekanntwerden eines versöhnlichen Schreibens Roms an die Piusbruderschaft.

… Sonderbare Parallelität

Kurz vor dem Erlassen des Dekrets ist die Nachricht vom Schreiben des Erzbischofs Augustine Di Noia, des Vizepräsidenten der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, an den Pius-Bischof Bernard Fellay und die Patres der Bruderschaft in den Medien publik geworden.

Das Schriftstück ist eine Initiative von Erzbischof Di Noia und stammt bereits aus der Adventzeit des Jahres 2012. Im Schreiben von Msgr. Di Noia wird der Ausschluß der Medien angeregt – es wurde vom Pressebüro des Heiligen Stuhl auch nicht veröffentlicht.

Erzbischof Di Noia gehört wie Bischof Morerod dem Dominikanerorden an.

In dem in französischer und englischer Sprache verfaßten Schreiben wird seitens Roms versucht, Bewegung in die Gespräche mit der Piusbruderschaft zu bringen. Insbesondere wird die hohe Bedeutung der Einheit der Kirche angesprochen.

Linkskatholisches Wunschdenken

Signifikant ist die Umdeutung dieses Schreibens durch die „Katholische Presseagentur kathpress“, einem Kirchlichen Institut in Wien mit deutlicher Sympathie für den Kirchenspalter und Ex-Monsignore Helmut Schüller: Der Vatikan habe der Pius-Bruderschaft ein „Ultimatum“ gesetzt.

Und so stimmt auch die Feststellung des Pius-Generaloberen Bischof Bernard Fellay (Predigt am 11. November 2012 in Saint-Nicolas du Chardonnet zu Paris): „Aber in Wirklichkeit haben wir mehr als einmal festgestellt, daß es so etwas wie eine Sabotage der Autorität (der Kirche) gibt. Besonders dann, wenn es um Entscheidungen zugunsten der Tradition geht. Ganz offensichtlich war dies der Fall, als es um die Messe ging. Da gab es jene Opposition nicht nur in Rom, sondern fast überall in den Diözesen. Diese Sabotage kam von den Bischöfen, die den Priestern und Gläubigen den Zugang zur Messe aller Zeiten verwehrten.“

Der Bruderschaft die Hand gereicht

Von Theologen wird das Schreiben allerdings als wohlwollende Geste gegenüber der Piusbruderschaft und als Versuch aufgenommen, zu einer für beide Seiten vertretbaren Lösung zu gelangen.

Explizit wird die von Kardinal Ratzinger unterfertigte Unterrichtung „Donum Veritatis“ über die kirchliche Berufung des Theologen zitiert – wohl nicht ohne Kenntnis von Papst Benedikt XVI.

Ergänzung 7.2.2013:

http://www.katholisches.info/2013/02/06/gesprache-zwischen-piusbruderschaft-und-rom-die-chronologie-der-ereignisse/:

Es verdichten sich die Anzeichen, daß die Priesterbruderschaft St. Pius X. unmittelbar davorsteht, dem Heiligen Stuhl ihre Antwort auf die „Doktrinelle Präambel“ zu geben. Eine Antwort, die negativ ausfallen wird. Die Piusbruderschaft in der Person ihres Generaloberen Bischof Bernard Fellay wird, wie es aussieht, in wenigen Tagen die von Rom geforderte Unterzeichnung der „Doktrinellen Präambel“ ablehnen und diese Ablehnung theologisch begründen.

Das „Non possumus“ wird die „Präambel“ in ihrer derzeitigen Fassung vom 13. Juni 2012 betreffen. Was dies konkret für die Gespräche zwischen dem Heiligen Stuhl und der Piusbruderschaft bedeuten wird, läßt sich noch nicht abschätzen. Wird damit nur die Gesprächsphase Levada/Pozzo beendet und in eine neue Gesprächsphase Di Noia übergeleitet? Wird statt einer „Präambel“ ein von Di Noia angerissener neuer Weg gegangen? Oder bedeutet eine Ablehnung der „Präambel“, daß der Heilige Stuhl „alles“ versucht hat und die Gespräche für gescheitert und damit für beendet erklärt? Werden neue kirchenrechtliche Sanktionen gegen die Bruderschaft verhängt? Kommt es zum erneuten Bruch?

Eine Chronologie der Ereignisse: ….

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