Kardinal Meisner erlaubt „Pille danach“ nach Vergewaltigung

http://www.erzbistum-koeln.de/modules/news/news_1318.html  (31.1.):

Erklärung des Erzbischofs von Köln zur „Pille danach“

… Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar. …

http://www.civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1983:kardinal-meisner-erlaubt-pille-danach&catid=1:neuestes&Itemid=33  (1.2.):

Wie aus zahlreichen Medienberichten hervorgeht, hat S. Em. Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln sein bisheriges klares „Nein“ zu der sogenannten „Pille danach“ aufgegeben. Wir veröffentlichen dazu im Folgenden die Presseerklärung der „Europäischen Bürgerinitiativen zum Schutze des Lebens und der Menschenwürde“:

Ist der Kardinal von inkompetenten Beratern umgeben? Kardinal Meisner erlaubt „Pille danach“.

Offensichtlich fehlorientierte Berater hatte Kardinal Meisner, der sich nun erneut an die Öffentlichkeit wandte — diesmal, um sein bisheriges Nein zur „Pille danach“  zu revidieren.

In seiner Pressemeldung heutigen Datums (31.01.2013) ließ der Kölner Erzbischof verlauten, daß er sich aus gegebenem Anlaß mit Fachleuten beraten habe. Dabei sei angesichts neuerer Erkenntnisse zwar die Abtreibungspille Mifegyne nach wie vor abzulehnen,  aber nicht die „Pille danach“.

Die Abtreibungspille „Mifegyne“ habe eine nidationshemmende Wirkung, die die Einnistung der befruchteten Eizelle verhindern würde, in deren Folge das Menschenleben beendet wird. Dies sei Tötung und nicht erlaubt.

Hingegen sei die „Pille danach“  auf die Verhinderung einer Befruchtung ausgerichtet, und das sei nach Auffassung von Kardinal Meisner vertretbar.

Die Berater des Herrn Kardinals verschwiegen allerdings eine weitere, entscheidende Wirkungsweise der „Pille danach“: die Nidationshemmung!

Wird diese Pille relativ spät eingenommen (z. B. am zweiten oder dritten Tag), dann kann es bereits zur Verschmelzung der Ei- und Samenzelle und somit zum Beginn des menschlichen Lebens gekommen sein. Die Pille bewirkt nun, daß diese kleinste Erscheinungsform des Menschen sich nicht in die Gebärmutter einnisten kann und abstirbt. Also insofern ähnlich wie bei der Abtreibungspille „Mifegyne“, wobei diese auch einige Wochen später noch wirkt.

Eminenz, sehr geehrter Herr Kardinal!

Sie haben Ihre Entscheidung aufgrund von unzutreffenden Informationen getroffen. Wir fordern Sie auf, dies schnellstens zu korrigieren und empfehlen, sich in Zukunft bei fundierten Medizinern und engagierten Vertretern der Lebensrechtsgruppen zu informieren, die sicher nicht Ihre Gegner sind, ganz im Gegenteil!

Weinheim, den 31. Januar 2013
Initiative Nie Wieder!
gez. Klaus Günter Annen

http://de.wikipedia.org/wiki/Pille_danach

Ergänzung 2.2.2013:

http://de.gloria.tv/?media=392867  (31.1.):

… Erläuterung der Pressestelle des Erzbistums Köln

Die Erklärung des Erzbischofs von Köln berücksichtigt neuere Erkenntnisse bezüglich der so genannten „Pille danach“. Sie betrifft nicht die nach katholischer Auffassung nach wie vor abzulehnende Abtreibungspille Mifepriston (RU 486, „Mifegyne“).

Bisher wurde oft davon ausgegangen, dass die nidationshemmende Wirkung das zentrale Wirkprinzip der Präparate sei, die als „Pille danach“ bezeichnet werden. (Nidationshemmung bedeutet, dass eine bereits befruchtete Eizelle sich nicht in der Gebärmutter einnisten kann.) Das ist offenbar nicht mehr Stand der Wissenschaft. Die Kirche muss aber in ihren Einschätzungen die wissenschaftlichen Erkenntnisse immer berücksichtigen. Dabei gehört es zur Eigenart solcher Erkenntnisse, dass sie nicht selten kontrovers sind. Die Kirche kann dazu nur die moralischen Prinzipien erklären. Der einzelne Arzt einer katholischen Einrichtung muss sich dann unter Voraussetzung dieser Prinzipien gewissenhaft kundig machen und so zu einer verantwortungsvollen Entscheidung kommen.

Bei der Entscheidung muss der Arzt aus eigener wissenschaftlicher Einschätzung abwägen, inwieweit bei einem Präparat eine nidationshemmende Wirkung besteht. Andererseits haben bekanntlich sehr viele Präparate und Verhaltensweisen Nebenwirkungen, die das beginnende menschliche Leben schädigen oder im Extremfall sogar töten können. Solche Effekte sollten selbstverständlich minimiert werden. Ganz ausschließen kann man sie nie. Nach der Lehre Papst Pius’ XII. sind zum Beispiel Schmerzmittel bei einem Sterbenskranken dann erlaubt, wenn sie zwar mit der Absicht der Schmerzlinderung eingesetzt werden, aber als Nebeneffekt gegebenenfalls eine Verkürzung des Lebens zur Folge haben können.

… Zu betonen ist, dass sich die Erklärung des Erzbischofs von Köln auf die Situation einer Vergewaltigung bezieht und nicht auf die Situation in einer sakramentalen Ehe, die die Enzyklika „Humanae Vitae“ behandelt. Entsprechend hatte auch schon die Glaubenskongregation die Einnahme von Antikonzeptiva durch Ordensschwestern in einer Weltgegend, in der sie Vergewaltigungen fürchten mussten, erlaubt. Es geht beim Thema Vergewaltigung nicht um die Ganzheitlichkeit eines liebenden Aktes, sondern um die Verhinderung einer verbrecherischen Befruchtung.

Ergänzung 3.2.2013:

Kreuz-net.at: Kardinal Meisner irrt in der Frage der „Abtreibungspille ‚danach‘“  (1.2.):

In einer „Erklärung des Erzbischofs von Köln zur „Pille danach‘“ vom 31. Januar 2013 hat Joachim Kardinal Meisner, „nach einer Vergewaltigung“ die Vertretbarkeit der Verwendung der „Pille danach“ gesehen, wenn das „Wirkprinzip die [ausschließliche] Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern.“ Das ist offenbar medizinisch nicht haltbar.

… Bereits am 26. Januar 2013 hat der Mediziner und Theologe S.E. DDr. Klaus Küng, Diözesanbischof von St. Pölten in Niederösterreich, in einem Gespräch mit ‚kath.net‘ klargestellt, daß die sogenannte „Pille danach“ aus der Sicht der Katholischen Kirche auch im Notfall nicht erlaubt ist.

… Der eigentliche Sprengstoff der „Erklärung des Erzbischofs von Köln zur „Pille danach‘“ vom 31. Januar 2013 liegt allerdings in nachstehender Aussage:

„Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie [die Ärzte] in diesem Fall auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über deren Zugänglichkeit aufklären, wenn sie dabei, ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern.

Das bedeutet nichts anderes, als daß Katholiken bei der Beitragstäterschaft in Bezug auf Vergehen weitreichendster Auswirkungen (hier: „Aufklärung“ über Tötungsmöglichkeiten menschlichen Lebens) dann vom Erzbischof als exculpiert gelten, wenn Sie dem mutmaßlichen (Mit-)Täter auch die (hier wohl diametral entgegenstehende) katholische Position erläutern.

Das kann so wohl nicht eine überlegte Position eines Kardinals sein!

Wie es aufgefaßt wird: Freibrief für „Abtreibungspille ‚danach‘“

Die Erläuterungen von Kardinal Meisner sind explizit mit dem Hinweis auf die ausschließliche Anwendbarkeit im Vergewaltigungsfall publiziert worden. Das wird, weil die Kirche zur Zustimmung zur Abtreibung genötigt werden soll, in der Öffentlichkeit systematisch ignoriert.

Die „Badische Zeitung“ interpretiert die Aussagen des Kardinals wie erwartet: „Die Krankenhäuser reagierten erleichtert auf die Erklärung des Erzbischofs. ‚Es gibt also kein generelles Verbot der Pille danach für Vergewaltigungsopfer‘, stellten sie fest. Die Erklärung nehme den Ärzten die in letzter Zeit entstandene Unsicherheit und berücksichtige ihre Eigenverantwortung. Auch Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) begrüßte die klarstellenden Worte des Erzbischofs. Sie müssten für alle katholischen Kliniken in NRW Signalwirkung haben.“

Lob von Radikalfeministin Alice Schwarzer

„Sie sind es gewohnt, kritisiert zu werden“, schrieb Schwarzer in einem offenen Brief an den Erzbischof von Köln. „Da ist es nur fair, Sie auch zu loben, wenn Sie etwas richtig machen. Und das haben Sie gerade getan. Sie haben in der Debatte um die ‚Pille danach‘ die Menschlichkeit sprechen lassen.“

Spätestens nach diesen öffentlichen Interpretationen sollten diese Erläuterungen überdacht werden.

Ergänzung:

http://www.katholisches.info/2013/02/02/ja-wo-laufen-sie-denn-wo-laufen-sie-denn-hin-kardinal-meisners-erkenntnisse-uber-kontrazeption-interzeption-kontragestion-und-abortation/

… Daß es auch anders geht, zeigt der St. Pöltner Moraltheologe Josef Spindelböck mit seiner Stellungnahme:

„Eine Vergewaltigung stellt für eine Frau ein schlimmes und oft auch traumatisches Ereignis dar. Betroffenen Frauen darf der nötige menschliche und fachliche Beistand nicht verweigert werden. Zugleich gilt es, der Frau zu helfen, im Falle einer Schwangerschaft Ja zu sagen zum Kind, dessen Leben von der Empfängnis an heilig und unverletzlich ist. Eine Abtreibung ist keine wirkliche Hilfe für eine betroffene Frau. Die Abtreibung würde dem Unrecht, das die Frau durch eine Vergewaltigung erleiden musste, ein neues Unrecht gegenüber dem Kind durch dessen Tötung hinzufügen, was in diesem Fall freilich nicht die situativ überforderte Frau zu verantworten hätte, sondern zuerst der Vergewaltiger, welcher die Frau in diese ausweglose Lage gebracht hat, aber auch jene, die ihr zu einer Abtreibung raten oder bei der Durchführung einer solchen mitwirken.

Da bei einer ‚Pille danach‘ (Levonorgestrel) die Verhinderung der Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle in die Gebärmutter der Frau bewirkt werden kann (sog. ‚Frühabtreibung‘), ist deren Einnahme nicht zu befürworten.“

Ergänzung 4.2.2013:

Kreuz-net.at: Der deutsche Caritasverband wird von einem Abtreibungs-Prälaten geleitet  (4.2.):

In der ARD-Sendung „In Gottes Namen – wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?“ mit Günter Jauch befürwortet Hw. Peter Neher als Präsident des deutschen Caritasverbandes in einer skurrilen Fehlinterpretation der Kardinal-Meisner-Äußerungen die „Abtreibungspille danach‘“.

Auf die Frage des antikirchlichen Moderators Günter Jauch, was denn die Erklärungen Kardinals Meisners zur „Abtreibungspille ‚danach‘“ jetzt für die Katholischen Krankenhäuser bedeute, antwortet der Krawatten-Prälat Hw. Peter Neher (Sendung vom 3. Februar 2013, 21 Uhr 45, Ausschnitt ab 15′ 15“):

Hw. Neher: „Ich finde es jetzt relativ schwierig, die relativ klaren Aussagen des Kardinals jetzt wieder: hat er’s so gemeint, hat er’s nicht gemeint. Er hat ganz klar gesagt, und so wie ich den Kardinal Meisner einschätze, wird der nichts in die Öffentlichkeit bringen, wenn er sich nicht genau darüber informiert hat. … Für mich heißt das klar, er hat deutlich unterschieden zwischen einer empfängnisverhindernden Pille und einer Pille, die Abtreibung bewirkt. Das hat er genau differenziert. Und was ich ganz wichtig find‘: Er hat nochmal sehr deutlich gemacht, daß die Katholischen Krankenhäuser auch alles dafür zu tun haben, der Frau die Entscheidungsfindung mitzuunterstützen und, wenn die Frau sich dann dafür entscheidet, diese Pille auch zu nehmen, die die abtreibende Wirkung hat, dann hat das auch das Katholische Krankenhaus zu respektieren. Und das finde ich ’ne enorme Aussage, weil die nochmal deutlich macht den Wert des persönlichen Gewissens und die persönliche Gewissensentscheidung. Das ist kein leichtfertiges Nachgehen irgendwelchen Zeitgeistes, sondern ich glaube sehr wohl vom Kardinal aus auch klargemacht, daß es Situationen geben kann, die tatsächlich auf Leben und Tod gehen und das betrifft auch die Frau.“

Es gibt keine „Pille ‚danach‘“ ohne mögliche Tötungswirkung

Zuvor hatte der Gynäkologe Bernhard von Tongelen erklärt, daß es keine „Pille ‚danach‘“ gäbe, die nur eine empfängnisverhütende Wirkung hat. Ist die Befruchtung der Eizelle erfolgt, wirken diese Pillen einnistungsverhindernd, haben also eine abtreibende Wirkung, töten somit neu entstandenes Leben.

Ergänzung 7.2.2013:

Alexandra Maria Linder schaut in FreieWelt.net den Pharmakonzernen genau auf die Finger und konstatiert: Plötzlicher Stoffwechsel  (7.2.):

Schon merkwürdig, dass Levonorgestrel (LNG), der häufigste Wirkstoff der Pille danach, plötzlich eine ganz andere Wirkung entfalten soll als früher. Woran das liegen könnte, lesen Sie hier…..

Ergänzung 17.2.2013:

http://www.katholisches.info/2013/02/14/imabe-stellungnahme-zur-diskussion-uber-die-wirkungsweise-der-pille-danach/:

… Der Anteil der Anwendungsfälle der „Pille danach“ bei Vergewaltigungsopfern, in denen sie abtreibend wirkt, dürfte nach wissenschaftlich fundierten Schätzungen bei maximal 2,5 Prozent liegen.

… IMABE begrüßt die klare und eindeutige Stellungnahme des Kölner Kardinals.

Aus ethischer Sicht und auch ärztlicher Sorgfaltspflicht ergibt sich, daß sich jemand, der die Absicht hat, die „Pille danach“ nur zu verabreichen, wenn sie die Ovulation verhindert, nicht aber wenn sie abtreibend wirkt, mit Hilfe medizinischer Methoden vergewissern muß, daß sich die Frau im entsprechenden Stadium des Zyklus befindet. Ab zwei Tage vor dem Eisprung (im Fall von Ulipristal einen Tag davor), sollte die „Pille danach“ wegen ihrer nidationshemmenden Wirkung nicht mehr verschrieben werden.

So eine Untersuchung könne relativ unaufwändig vorgenommen werden, z. B. mit Hilfe der Vaginalsonographie, die zeigt, ob ein Follikel am Ovar vorhanden ist. Auch anhand der Größe und Morphologie mit zusätzlicher Beurteilung des Endometriums könne ermittelt werden, wann der Eisprung stattfinden wird. Falls man dies mit einem LH Schnelltest ergänze, könne man mit großer Sicherheit erkennen, ob der Eisprung kurz bevorsteht oder ob er erst in zwei oder mehr Tagen zu erwarten ist, heißt es in den aktualisierten Erkenntnissen.

Kath.net: Ärzte für das Leben: ‚Pille danach‘ wirkt auch abtreibend  (17.2.):

Stellungnahme: Zwar wirkt die „Pille danach“ auch über eine Verhinderung des Eisprungs, doch wird nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand je nach Zyklusstand der Frau auch die Einnistung des Embryos verhindert …

Ergänzung:

(Update-Präzisierung durch IMABE):
Kath.net: ‚IMABE‘-Institut: ‚Pille danach‘ nur nach ärztlicher Untersuchung  (15.2.):

Kirchliches Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik: Tests nach Vergewaltigung zeigen, ob Präparat verhütend oder abtreibend wirken würde

… Die Autoren empfehlen abschließend einheitliche Regeln für die „Pille danach“: Ab zwei Tagen vor dem Eisprung — im Fall des Präparats „Ulipristal“ einen Tag davor — sollte sie nicht mehr verschrieben werden. „Nach Meinung der einen, weil sie ohnehin nicht mehr wirkt[???] — weder verhütend noch abtreibend –, nach Überzeugung der anderen, weil es moralisch unzulässig wäre, eine abtreibende Substanz zu verabreichen.“

IMABE:

Ergänzung 24.2.2013:

Kath.net: Vatikan unterstützt deutsche Bischöfe bei Pille danach  (23.2.):

Präsident der „Päpstlichen Akademie für das Leben“, Bischof Ignacio Carrasco de Paula: Linie von Kardinal Joachim Meisner und der deutschen Bischöfe in dieser Frage entspreche dem, was der Vatikan seit 50 Jahren lehre …

… Durch den ungenauen Sprachgebrauch, der zwei ganz unterschiedliche Präparate unter dem Oberbegriff «Pille danach» zusammenfasse, sei es zur Verwirrung gekommen.

… Eine gesetzliche Vorschrift zur Verabreichung abtreibender Mittel nach einer Vergewaltigung, wie sie etwa in einigen US-Bundesstaaten diskutiert wird, bezeichnete Carrasco als «absurd». Damit würde der Gesetzgeber in unzulässiger Weise in die Kompetenz der Ärzte eingreifen.

http://www.imabe.org/index.php?id=1863:
IMABE-Stellungnahme zur Diskussion über die Wirkungsweise der „Pille danach“

In sehr wenigen, klar definierten Situationen kann die Verschreibung der „Pille danach“ ethisch zulässig sein

… IMABE begrüßt die klare und eindeutige Stellungnahme des Kölner Kardinals.

Aus ethischer Sicht und auch ärztlicher Sorgfaltspflicht ergibt sich, dass sich jemand, der die Absicht hat, die „Pille danach“ nur zu verabreichen, wenn sie die Ovulation verhindert, nicht aber wenn sie abtreibend wirkt, mit Hilfe medizinischer Methoden vergewissern muss, dass sich die Frau im entsprechenden Stadium des Zyklus befindet. Ab zwei Tage vor dem Eisprung (im Fall von Ulipristal einen Tag davor), sollte die „Pille danach“ wegen ihrer nidationshemmenden Wirkung nicht mehr verschrieben werden.

So eine Untersuchung könne relativ unaufwändig vorgenommen werden, z. B. mit Hilfe der Vaginalsonographie, die zeigt, ob ein Follikel am Ovar vorhanden ist. Auch anhand der Größe und Morphologie mit zusätzlicher Beurteilung des Endometriums könne ermittelt werden, wann der Eisprung stattfinden wird. Falls man dies mit einem LH Schnelltest ergänze, könne man mit großer Sicherheit erkennen, ob der Eisprung kurz bevorsteht oder ob er erst in zwei oder mehr Tagen zu erwarten ist, heißt es in den aktualisierten Erkenntnissen.

„Mit dieser Lösung sollte jeder Arzt einverstanden sein, der seiner ärztlichen Sorgfaltspflicht nachkommt“, hält Bonelli auch als Mediziner fest. Für katholische Krankenhäuser wäre damit ein gangbarer Weg geebnet – und sie wären Vorreiter, da Frauen sich darauf verlassen könnten, nicht unnötig ein hochdosiertes Hormonpräparat verschrieben zu bekommen. Da die „Pille danach“ in rund 90 Prozent der Fälle wirkungslos ist, weil zum Zeitpunkt der Einnahme aufgrund des Zyklus der Frau ohnehin keine Schwangerschaft möglich ist, wäre eine Vorabuntersuchung in jedem Fall angezeigt, so der IMABE-Direktor.

Auch für jene, die eine nidationshemmende Wirkung der „Pille danach“ abstreiten, wäre die Diagnostik hilfreich, da laut ihrem Dafürhalten nach Überschreitung der 48-Stundenfrist (bei Levonorgestrel-Präparaten wie Vikela®) bzw. der 24-Stundenfrist (bei Ulipristalacetat-Präparaten wie EllaOne®) das Präparat ohnehin unwirksam ist. „Kein Arzt, der seiner Sorgfaltspflicht nachkommt, wird mit Absicht ein unwirksames Präparat verschreiben wollen“, heißt es in der IMABE-Stellungnahme.

Ergänzung 2.3.2013:

Die FSSPX hält von der IMABE-Stellungnahme offenbar nicht viel:
http://pius.info/streitende-kirche/963-abtreibung/7703-bischoefe-erlauben-pille-danach-bei-vergewaltigung  (23.2.):

Kommentar: Die Bischöfe folgen damit dem Fehlurteil von Kardinal Meisner. Das Fehlurteil besteht nicht auf theologischer Ebene, die Moralprinzipien sind richtig wiedergegeben. Dabei sind zwei Prinzipien entscheidend. Erstens: Eine Frau, die vergewaltigt wird, darf sich gegen den ungerechten Angreifer wehren. Das bedeutet, sie darf auch alles unternehmen, um zu verhindern, dass es zur Befruchtung kommt. Die zweite Regel lautet, dass der Mensch niemals töten darf, auch nicht ungeborenes Leben und auch nicht ungeborenes Leben im allerersten Anfangsstadium. Wenn daher die Befruchtung bereits stattgefunden hat, darf sie – trotz des Unrechtes, das der Frau widerfahren ist – das werdende Leben nicht töten. Eine böse Tat (Vergewaltigung) darf nicht durch eine weitere böse Tat (Tötung eines Menschen im Frühstadium) beantwortet werden.

Diese Prinzipien sind den Bischöfen bekannt. Der Irrtum liegt in der Einschätzung der Medikamente. Wie die Ärztevereinigung St. Lukas in ihrer Stellungnahme feststellt,  „kann nach aktueller wissenschaftlicher Datenlage eine frühabtreibende Wirkung der Postkoitalpille nicht sicher ausgeschlossen werden!“. Mit anderen Worten, es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Pille auch das werdende Leben tötet. Damit ist aber ihre Verwendung ausgeschlossen, denn man darf in einer schwerwiegenden Frage (Leben oder Tod) keine Wahrscheinlichkeitsentscheidung treffen. Man müsste hundertprozentige Sicherheit haben, dass es nicht zur Tötung kommt. Diese Sicherheit kann von den Herstellern der Medikamente – trotz der von Meisner zitierten Stellungnahme der Gynäkologen – nicht gewährleistet werden. Also ist die Einnahme definitiv unerlaubt.

Diese Entscheidung ist also wie ein Dammbruch, denn die Pille, von der die Bischöfe sprechen, die gibt es in der Realität nicht.

Die Ärztevereinigung St. Lukas, ein Zusammenschluss von Ärzten und Medizinern, welche nach den wahren Prinzipien der katholischen Moral tätig sein wollen, stellt auf ihrer Homepage zudem eine vertiefende Studie zu dieser Frage zur Verfügung.

Ergänzung 10.3.2013:

http://www.katholisches.info/2013/03/09/die-pille-danach-was-sagen-die-experten/:

… Die katholische Kirche erlaubt im Falle einer Vergewaltigung den Gebrauch von verhütenden Mitteln, um die Befruchtung einer Eizelle zu verhindern. Die deutsche Bischofskonferenz bekräftigte diese kirchliche Position. Die Billigung der „Pille danach“ durch die deutschen Bischöfe bezeichnete der Arzt und Bioethik-Experte Renzo Puccetti in seiner ausführlichen Stellung „Deutsche Bischöfe und Pille: ein Ja, das nicht überzeugt“ (La nuova Bussola Quotidiana) hingegen als „leichtfertig“. Auch die neuen „Pille danach“-Präparate könnten neben der verhütenden auch eine abortive Wirkung haben, so Puccetti.

In diesen Tagen warnte auch einer der weltweit führenden „Pille danach“-Experten James Trussell vor der abtreibenden Wirkung dieses Pharmakons. Er erinnerte die Ärzte an ihre Pflicht, die Frauen darüber zu informieren, daß die „Pille danach“ die Tötung eines bereits gezeugten Kindes verursachen kann.
Trussell ist der Leiter des Office of Population Research der Princeton University und Planned Parenthood Federation of America (des einflußreichsten internationalen Abtreibungslobbyisten mit der weltweit größten Kette von Abtreibungskliniken). Trussell steht daher nicht im Verdacht, Lebensrechtspositionen zu vertreten oder der katholischen Kirche nahezustehen. Er erklärte zudem: „Um eine bewußte Entscheidung zu treffen, müssen die Frauen wissen, daß die Notfallverhütungspillen […] in erster Linie eine Schwangerschaft verhindern, indem sie Ovulation und Befruchtung verzögern oder hemmen. Manchmal können sie die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle in die Gebärmutter verhindern“ und damit abtreibend wirken.

Die deutschen Bischöfe legten ihrer Billigung der „Pille danach“ (ohne abtreibende Wirkung) eine 2012 in der Zeitschrift Contraception veröffentlichte Studie zugrunde. Darin wird behauptet, daß die „neue Generation“ des Pharmakons keine abtreibende Nebenwirkung mehr habe. …

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3 Antworten zu Kardinal Meisner erlaubt „Pille danach“ nach Vergewaltigung

  1. marcomarinelli schreibt:

    Ich glaube, dass die Pille danach ein Menschenrecht ist. Ich bin gerade 21 und möchte mein Studium fertig haben und mit einer Karriere beginnen, damit ich meine Kinder später finanziell unterstützen kann, es ist ein Menschenrecht zu entscheiden was mit meinem Körper und Leben passiert. Zum Glück haben wir in Österreich die [Werbung gelöscht] rezeptfrei. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen wie man auf der Kirche wartet um ein Arzneimittel zu erlauben.

    • Carolus schreibt:

      „Pille ein Menschenrecht“: Sehe ich gar nicht so.

      Da wo sie verhütend wirkt, kann man die Pille gelten lassen.
      Wo sie abtreibend wirkt, wird die Kirche hoffentlich nie aufhören, das Menschenrecht aufs eigene Leben, auch des Ungeborenen, zu verteidigen. Das hat aus meiner Sicht nichts mit Religion zu tun, sondern ist ein zwingendes Gebot des Naturrechts und der Logik.

      Die Unterscheidung beider Wirkungsweisen kann mW medizinisch ermittelt werden.

  2. strafjustiz schreibt:

    An Carolus, von dem man = ich immer noch nicht weiss, wer dahinter steckt, von uns aber wollen Sie genaue Personen-Angaben. Ist das fair > gerecht und…. anständig?
    Ich bin gewiss auch kein Freund von Abtreibung, aber; bei Vergewaltung ist die Sachlage doch anders als bei „normaler“, aber nachträglich ungewollter Schwangerschaft. > Das e r s t e Kind gleicht körperlich immer dem Zeuger, soll also die Vergewaltigte ihr ganzes Leben lang an den Vergewaltiger erinnert werden? > Zu Marco Morinelli > Ihr männlicher Körper interessiert niemanden, aber > Der Körper der Frau gehört nicht unbedingt ihr, ist sie doch wegen ihrer besonderen, von Gattung „Mann“ völlig abweichenden Beschaffung vorrangiger Teil der sippischen Gemeinschaft, ohne welche – diese ohne Einwanderung – aussterben würde undank der immer mehr verkopflastenden West-Gesellschaft ! Die passenden Antworten können also nur „je nach Sachlage“ heissen durch Betreuung von besonders qualifiziertem Fachpersonal. Davon kann die männliche Christ-„Kirche“ nie genug verstehen, soll sie eigentlich auch gar nicht, ist nicht ihre Domäne, und was die oft unklar formulierten Evangelien von vor 1900 Jahren dazu meinen, ist heutzutage nicht mehr erheblich, hat sich doch das Umfeld dazu völlig verändert. Jesus war doch (anscheinend) nie verheiratet , kannte doch das weibliche Wesen gar nicht von der Praxis her und konnte auch von modernster Medizin keine Ahnung haben.
    Drum: Christkirchen : Hände weg von solchen Themata, sorgt euch um die kirchenwesentlichen Belange der verqueren Dogmen ab 325, das ist eure KERN-Aufgabe für dieses 3×7 Jahrhundert.

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