Erzbischof Müller im Interview

Kath.net: Gezielte Diskreditierungs-Kampagnen gegen die katholische Kirche  (4.2.):

Erzbischof Gerhard-Ludwig Müller, der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, im Gespräch mit Paul Badde und Gernot Facius (Die Welt)

… Die Welt: Bilden die alten deutschen Streitthemen – Zölibat, wiederverheiratete Geschiedene und so weiter – nicht dennoch wichtige Streitthemen der Gesamtkirche ab?
Müller: Es ist ein Zerrspiegel, wenn gerade in Deutschland nicht am meisten beunruhigt, dass über 80 Prozent der Getauften nicht regelmäßig am Sonntag an der Eucharistie teilnehmen, also an der Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi. Die Frequenz und Mitfeier der Sakramente, der Eucharistie, der Buße, der Ehe, die Sorge um geistliche Berufungen, die Erneuerung des Ordenslebens, das sind wesentliche Themen. Die Gottesfrage muss im Mittelpunkt stehen, nicht irgendwelche zweitrangige Fragen.

… Dialogprozess ist gut. Aber man muss auch über das Wesentliche reden und nicht die gleichen Probleme immer wieder neu auftischen.
Die Welt: Zum Beispiel?
Müller: Die Forderung nach einem sakramentalen Weiheamt für die Frau. Es ist nicht möglich. Nicht weil die Frauen weniger wert wären, sondern weil es in der Natur des Weihesakramentes liegt, dass Christus in ihm repräsentiert wird als Bräutigam im Verhältnis zur Braut. Auch eine Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ist für die katholische Kirche nicht möglich. Solche Partnerschaften sind grundsätzlich in keiner Weise mit den Ehen gleichzustellen. Nächstes Beispiel: Der Zölibat der Priester entspricht dem Beispiel und Wort Jesu und hat in der geistlichen Erfahrung der lateinischen Kirche eine besondere Ausprägung gefunden. Es gibt kein Anzeichen, dass die Verantwortlichen in der Kirche daran rütteln würden, aus bestimmten falschen Vorstellungen heraus, als wäre es eine Naturnotwendigkeit, Sexualität zu praktizieren, innerhalb oder außerhalb einer Ehe. Oder weil man meint, den Zölibat einer pastoralen Strategie opfern zu müssen. Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist im Evangelium grundgelegt.

… Die ethischen Prinzipien sind nicht zeitbedingt. Mann und Frau, die eine Ehe bilden, wo Kinder beheimatet sind, das ist Ausdruck des Schöpferwillens Gottes. Das hat nichts mit Zeitbedingtheit zu tun.
Die Welt: Wäre Zeitbedingtheit so schlimm?
Müller: Wenn wir versuchen, nicht nur die Kirche an zeitgeistige Ideologien anzupassen, sondern auch das natürliche Sittengesetz, geraten wir an ganz gewichtige Mängel. Deshalb kämpfen wir auch gegen Abtreibung: die Tötung von Menschen im Mutterleib. Das ist keine katholische Besonderheit. Die Verteidigung der menschlichen Grundrechte ist allerdings in der katholischen Kirche in den besten Händen. Die grundlegenden moralischen Imperative sind den Menschen ins Herz eingeschrieben. Die Treue zu diesem natürlichen Recht ist der Weg, der auch der katholischen Kirche selbst eine Zukunft weist, als Zeichen für eine bessere Zukunft der Menschheit. Eine Kultur des Todes hat keine Zukunft.

… Die Welt: Wie geht der Prozess der Aussöhnung mit den entzweiten Piusbrüdern weiter?
Müller: Einfach und schwer. Die Glaubenskongregation hat der Priesterbruderschaft die Dogmatische Präambel vorgelegt. Die beinhaltet nichts als die Ganzheit des katholischen Glaubens, wo legitimer Weise dem Papst die letztverbindliche Lehrautorität zusteht. Daraufhin ist bis jetzt keine Antwort erfolgt. Wir warten aber nicht endlos.

… Die Welt: Francis Kardinal George sagt in Chicago, dass er wohl im Bett sterben werde, sein Nachfolger vielleicht im Gefängnis und dessen Nachfolger drohe eine Ermordung. Teilen Sie diese Skepsis?
Müller: Gezielte Diskreditierungs-Kampagnen gegen die katholische Kirche in Nordamerika und auch bei uns in Europa haben erreicht, dass Geistliche in manchen Bereichen schon jetzt ganz öffentlich angepöbelt werden. Die daraus entstandene Stimmung sieht man in vielen Blogs. Auch im Fernsehen werden Attacken gegen die katholische Kirche geritten, deren Rüstzeug zurückgeht auf den Kampf der totalitären Ideologien gegen das Christentum. Hier wächst eine künstlich erzeugte Wut, die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnert.

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