Das Amt des Papstes

LePenseur: Ämter: Würden und Funktionen  (13.2.):

… Es gibt viele Ämter in unserer Welt — in der Politik, in Religionsgemeinschaften, in der Wirtschaft und in Vereinigungen aller Art, und bezüglich dieser Ämter ist, wenigstens für mich, ein grundsätzlicher Unterschied auszumachen, den ich mit »Würde versus Funktion« umschreiben möchte. Das Amt des Präsidenten eines Verfassungsgerichtes ist zweifellos, trotz der damit verbundenen hohen Wertschätzung, keine »Würde«, sondern eine »Funktion«. …

… Demgegenüber sind »Würden« doch sichtlich anders geartet, und der grundlegendste Unterschied ist, daß man so eine Würde eben »hat« … oder eben nicht — weil man sie im Grund nie gehabt hatte. Ämter, die in diesem Sinne »Würden« sind, werden im Deutschen oft auch mit dem Suffix »-tum« bezeichnet, und sind beispielsweise das »Königtum« — oder eben das »Papsttum«: es ist eine Kategorie jenseits der Funktion, und kein Mensch käme auf die Idee, von einem »Präsidententum« oder einem »Ministertum« zu sprechen — denn dies sind eben typische »Funktionen«.

… Und, jetzt einmal ganz einfach dahingesagt: von Würden tritt man nicht zurück — oder, vielleicht präziser formuliert: tritt man nur unter ganz außerordentlichen, einzigartigen Umständen zurück!

… Es gibt Schritte, die, einmal gesetzt, unabsehbare Folgen haben. Ich fürchte es auch von diesem Rücktritt. Denn dadurch wurde dem Papsttum eben eine bisher selbstverständliche Grundlage faktisch entzogen: die Unabsetzbarkeit. …

Ich empfehle die Lektüre des kompletten Artikels.

Roberto de Mattei: http://www.katholisches.info/2013/02/14/absoluter-bruch-mit-tradition-und-praxis-der-kirche-pontifikat-benedikts-xvi-nicht-abgeschlossen-bemerkungen-zum-rucktritt-von-roberto-de-mattei/:

… Wenn die Fassungslosigkeit der Kardinäle so groß war, kann man sich vorstellen, wie stark in diesen Tagen die Verunsicherung der Gläubigen ist, vor allem jener, die in Benedikt XVI. immer einen Bezugspunkt sahen und die sich nun gewissermaßen als Waisen fühlen, wenn nicht sogar verlassen, angesichts der so großen Schwierigkeiten, denen sich die Kirche in dieser Stunde gegenübersieht.

… Die apostolische Hierarchie allgemein übt nämlich eine doppelte Gewalt aus, die auf geheimnisvolle Weise in derselben Person vereint ist: die Weihegewalt und die Leitungsgewalt …

… Der Besitz der potestas ordinis ist absolut unauslöschlich, da ihr Rang nicht zeitliche Zuständigkeiten sind, sondern dem, dem sie übertragen sind, damit ein Wesensmerkmal einprägen.

… Die Leitungsgewalt hingegen ist auslöschbar, da zeitlich begrenzt und widerrufbar. Ihr Dienst, den physische Personen ausüben, endet mit der Beendigung des Mandats.

… Die progressive Theologie vertritt hingegen, im Namen des Zweiten Vatikanischen Konzils, eine sakramentale und charismatische Reform der Kirche, die die Weihegewalt der Leitungsgewalt, die Kirche der Liebe jener des Rechts, die bischöfliche Struktur der monarchischen entgegensetzt. Dem Papst, reduziert auf einen Primus inter pares innerhalb des Bischofskollegiums stünde nur eine ethisch-prophetische Funktion zu, ein „Ehren-„ oder „Liebesprimat“, aber nicht der Regierung und der Jurisdiktion. In dieser Perspektive wurde von Hans Küng und anderen die These eines Pontifikats „auf Zeit“ und nicht mehr auf Lebenszeit vorgebracht, als Regierungsform, wie sie die Schnellebigkeit der modernen Welt und der ständig neuen Probleme erfordere.

„Wir können keinen 80jährigen Papst haben, der physisch und psychisch nicht mehr vollständig gegenwärtig ist“, sagte Küng dem Südwestrundfunk. Küng sieht in der Einschränkung des päpstlichen Mandats einen notwendigen Schritt für eine radikale Reform der Kirche. Der Papst würde zu einem Verwaltungsratsvorsitzenden ohne Entscheidungsgewalt reduziert, mit einer „offenen“ kirchlichen Struktur zur Seite, die als permanente Synode die Entscheidungsgewalt hätte.

Wenn man aber überzeugt ist, daß das Wesen des Papsttums in der sakramentalen Weihegewalt liegt und nicht in der höchsten Leitungsgewalt, dann könnte der Papst nie zurücktreten.

… Die Berufung eines Hirten, wie die eines jeden Getauften, verpflichtet nämlich nicht zu einem bestimmten Alter und ist nicht an eine bestimmte Gesundheit gebunden, sondern bis zum Tod.

Von diesem Blickwinkel aus betrachtet erscheint der Verzicht Benedikts XVI. auf das Pontifikat in theologischer und kanonischer Hinsicht wie ein legitimer Akt, aber in historischer Hinsicht als absolute Diskontinuität mit der Tradition und der Praxis der Kirche. Betrachtet man es vom Blickwinkel der möglichen Konsequenzen, die daraus erwachsen könnten, dann handelt es sich nicht nur um irgendeinen „innovativen“, sondern um einen radikal „revolutionären“ Schritt …

Das Erscheinungsbild der päpstlichen Institution wird in den Augen der Weltöffentlichkeit nämlich ihrer Sakralität entkleidet, um den Beurteilungskriterien der Modernität überantwortet zu werden. …

Massimo Introvigne: http://www.katholisches.info/2013/02/14/rucktritt-des-papstes-ein-apokalyptisches-ereignis-massimo-introvigne-uber-fatima-und-visionen-hildegards-von-bingen/:

Das Adjektiv „apokalyptisch“ meint keine zeitliche Vorhersage, was das Weltenende betrifft, sondern einen Hinweis auf eine Zeit größter Schwierigkeiten für die Kirche und die Gesellschaft, in der ein schon mehrere Jahrhunderte währender Prozeß der Entchristlichung sich wie ein finaler Fäulnisprozeß mit einer beispiellosen antireligiösen, antichristlichen und antikatholischen Virulenz „offenbart“. …

http://www.katholisches.info/2013/02/14/der-fruchtbare-samen-eines-rucktritts-was-denken-die-freimaurer-uber-epochalen-amtsverzicht-benedikts-xvi/

Der Papst hat seinen Rücktritt vom Papsttum angekündigt. Welchen revolutionären Akt die Freimaurerei in dem epochalen Ereignis sieht, läßt ein Kommentar von Ernesto Galli della Loggia (nomen est omen) in der Tageszeitung La Stampa vom 13. Februar erkennen.

Der päpstliche Rücktritt bedeutet durch die Macht des Faktischen eine Entsakralisierung seines Amtes. Die theologische Bedeutung desselben (Vikar Christi zu sein) mag unverändert bleiben, aber sein Designierungsmodus, seine Amtsausübung und seine „Aura“ werden auf eine absolut gewöhnliche Dimension reduziert.

Wenn es nämlich möglich ist, daß ein Papst zurücktritt – und damit eine jahrhundertealte Praxis an der höchsten Spitze umstürzt – dann sind auch andere Neuerungen möglich. …

Enrico Spitali: http://www.katholisches.info/2013/02/14/meine-sorge-um-den-fels-kann-ein-vikar-christi-zu-alltaglichem-leben-zuruckkehren/:

… In unserer Zeit schneller Veränderungen, die von schwerwiegenden Fragen für das Leben – das Überleben? – des Glaubens erschüttert wird, verändert sich selbst die Rolle des Papstes? …

Christian Weilmeier: http://www.freiewelt.net/blog-4999/das-ende-des-papsttums.html  (12.2.):

Der historische Rücktritt des Papstes verändert den Kern seines Amtes. Es wurde ein Stück weit entmystifiziert. Es kann gut sein, dass die Päpste der Zukunft nicht mehr das sein werden, was wir gewohnt sind. Das Ende des uns bekannten Papsttum könnte eingeleitet sein. Die mystische Aura schwindet. …

Ergänzung 18.2.2013:

Albert Pethö (Kreuz-net.info): Zum Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI.  (15.2.):

Wir sind seit Jahrzehnten Zeugen einer der großen Krisen der Kirche. Der Modernismuskrise. …

Es gab sehr gute und es gab sehr schlechte Päpste. … Hier hätten wir es freilich lieber gesehen, der Erzbischof von Wien hätte sein Amt zurückgelegt, denn der Bischof von Rom.

Ungeachtet all dessen hat Benedikt XVI. Schritte gesetzt, die von eminenter Wichtigkeit gewesen sind, auch wenn sie nicht konsequent zum segensreichen Ende gebracht werden konnten. Der wahrscheinlich bedeutendste politische Akt seines Pontifikates war das Bemühen um die „Wiedergewinnung der Tradition“, wie er es selbst ausgedrückt hat. …

Widerstand ist nicht nur von Seite politischer Machthaber erfolgt; auch ein verweltlichter Episkopat ist dem eigenen Papst beständig in den Rücken gefallen. …

Auch seien speziell die skandalösen Zustände im deutschen Episkopat erwähnt; die dort öffentlich ausgesprochenen Häresien sind freilich bis jetzt ungeahndet. …

Ein neuer Papst tritt ein schweres Erbe an; nicht, weil es ihm Benedikt XVI. schuldhaft so hinterlassen hätte, sondern, weil früh schon, lange vor Benedikt, gewisse „Weichen“ falsch gestellt wurden. Die von Politik und Wirtschaft geförderte Fraktionierung der Katholischen Welt wäre zu bekämpfen; was medial als wundervoller „Pluralismus“ verkauft wird, ist in Wirklichkeit Uneinigkeit und Schwäche. Die klerikale Disziplin ist zu straffen; die Einhaltung des Zölibats, der für die Unabhängigkeit der Kirche von weltlichen Verhältnissen von zentraler Wichtigkeit ist, wäre verschärft durchzusetzen; episkopale und universitär-„theologische“ Häresien sind endlich nachhaltig abzustellen — sie sind (alleine rein kirchenpolitisch gesprochen) nichts anderes als eine freche Verhöhnung des überlieferten Glaubens, eine würdelose Anbiederung an den Zeitgeist und eine Beleidigung des Katholischen Volkes. Der Instrumentalisierung, Verweltlichung, Entsakralisierung und Banalisierung des Kirchlichen ist entgegenzuwirken. Die Kirche hat sich einfach zur eigenen Identität und Sendung zu bekennen.

Wir wissen nicht, ob der Amtsverzicht Papst Benedikts XVI. richtig ist; wir respektieren aber seinen Schritt. Wir haben diesen Papst geliebt, wie wir seinen Vorgänger, Johannes-Paul II., geliebt haben. Wir werden ihn sehr vermissen.

Kreuz-net.info: Legitim, aber nicht ungefährlich  (18.2):

Die Einmaligkeit der Entscheidung von Papst Benedikt XVI. weckt die Begehrlichkeiten Rom-feindlicher Kreise …

Ergänzung 20.2.2013:

Giuseppe Nardi: http://www.katholisches.info/2013/02/19/es-braucht-eine-neue-theologie-des-petrusamtes-um-den-fels-zu-schutzen-und-aufzuwerten/:

… Die jüngste Entwicklung zeigt, daß es neuer theologischer Anstrengungen bedarf, um das Petrusamt vor Angriffen zu schützen und aufzuwerten, um den Wert sichtbar zu machen, der ihm zukommt.

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