Gedankenimpulse für deutsche Bischöfe

Kreuz-net.info: An die Katholischen Bischöfe in Deutschland  (27.2.):

Eine Gruppe mitdenkender und mitbetender Katholiken in Deutschland empfiehlt den Bischöfen, die vom Heiligen Vater gewollte Sedisvakanz zu selbstkritischen Fragen zu nützen.

In diesen Tagen ist aus Ihren Kreisen – neben zuweilen schmallippig-routiniertem Lob für den „Gelehrten“ Papst Benedikt XVI. – einiges zu hören an „Reformvorschlägen“, „Agenden“ und „Handlungsbedarf“, die einige von Ihnen und Ihren haupt- und nebenberuflichen Mitarbeitern meinen, derzeit in der Katholischen Kirche entdecken zu können.

Jedoch: Könnten diese Tage der vom Heiligen Vater gewollten Sedisvakanz nicht vielleicht auch für die Katholische Kirche in Deutschland und ganz besonders für Sie, Ihre Verantwortlichen und Repräsentanten, Anlaß und Raum bieten für selbstkritische Fragen? Einige fallen gläubigen Katholiken da schon ein:

  • Was haben Sie getan, um die Anliegen des Heiligen Vaters umzusetzen, weiterzutragen, hineinzupflanzen in die Herzen der Katholiken hier in Deutschland? Wie viele seiner Worte und Impulse haben Sie frohen Herzens aufgegriffen und lebendig und engagiert weiterverbreitet?
  • Was haben Sie in den letzten Jahren konkret unternommen, um den Verfall des Glaubenswissens in der Kirche aufzuhalten? Was haben Sie gegen Religionsbücher und Kommunion-/Firmkurse unternommen, die alles Mögliche, aber leider nur selten noch den vollen Glauben der Kirche verbreiten?
  • Was haben Sie getan, damit unsere katholischen Kindergärten und Schulen als solche erkennbar sind? Haben Sie von ihnen aktive und treue Teilhabe am kirchlichen Leben, den Sakramenten und Mittun mit der Weltkirche eingefordert – oder war Ihnen die Kompromißformel eines modisch-zeitgeistigen „Kulturkatholizismus“ lieber? Haben Sie dafür gesorgt, daß die Hunderttausenden von Kindern und Jugendlichen, die Ihnen hier anvertraut sind, den Glauben und die Lehre der Kirche voll und unverfälscht erfahren dürfen?
  • Was haben Sie getan, damit Hunderttausende von Gläubigen in Gebet und Aktion für mehr Priester ringen?
  • Wie haben Sie die vielen Millionen an Kirchensteuermitteln konkret eingesetzt, um die Wahrheit und Schönheit des Glaubens zu verbreiten – in der Kirche und in die Gesellschaft hinein? Welches Feuer haben Sie entzündet, wieviele Kinder und Jugendliche begeistert, wieviele Alte getröstet, wieviele Familien gestärkt auf ihrem Weg? Vor allem aber: Haben Sie all diesen Menschen gezeigt, daß der Weg mit der Kirche ein eigener ist, der eigene Erfahrungen, eigene Kommunikation, eigenes Wissen und eigene Riten braucht – und eigenes Glück schenkt?
  • Wie haben Sie reagiert, wenn namhafte „christliche Politiker“ die Kirche als „Werteagentur der Gesellschaft“ wegdefinierten?
  • Ist es Ihnen gleichgültig, wenn „katholische Akademien“ allen und jedem ein Forum bieten – nur aber ganz selten oder gar nicht katholischen Autoren und Publizisten, die zur Lehre der Kirche stehen und zugleich debattenfähig sind?
  • Wie haben Sie Ihre Verantwortung für die zahllosen katholischen Verbände wahrgenommen, damit diese aus kirchlicher Berufung den Glauben in der Welt leben und verkünden?
  • Was haben Sie getan, um das Leben Ihrer Gemeinden in den konkreten Sakramenten wieder zur Mitte des Lebens zu machen? Wo haben Sie geholfen, die würdige und vorschriftsgemäße Feier der Heiligen Messe durchzusetzen, die in zahllosen Gemeinden längst der Beliebigkeit mächtiger lokaler Kräfte anheimgefallen zu sein scheint?
  • Was haben Sie unternommen, wenn Gremien in der Kirche, selbsternannte Versammlungen, Wissenschaftler und „Räte“ sich anmaßten, das Lehramt und die Lehre der Kirche öffentlich umzubiegen? Wann haben Sie diese gemahnt, sich auf die Mitte des Glaubens zu besinnen?
  • Wie haben Sie reagiert, wenn Medien und säkulare Kräfte Ihre Amtsbrüder oder profilierte Laien öffentlich angriffen – und zwar nur, weil sie die katholische Lehre verbreiteten?
  • Was hat Sie und Ihre Mitarbeiter in den letzten Jahren eigentlich mehr bewegt, ja elektrisiert – ein Leitartikel in der Presse, eine Passage einer 40 Jahre alten Synode oder die aktuelle Enzyklika des Papstes?
  • Was haben Sie konkret dagegen getan, daß das Profil der Kirche in der Welt verdunkelt wird durch ihre Einbindung in den überbordenden, einem nicht-christlichen Menschenbild verpflichteten Sozialstaat, die öffentlich-rechtlichen Medien oder durch die Millionenumsätze, die Sie mit kirchenferner und kirchenfeindlicher Literatur in Ihren Medienkonzernen erwirtschaften?
  • Wann haben Sie das letzte Mal interveniert, wenn Sie sahen, daß katholische Bibliotheken und Büchereivertriebe klassische katholische Literatur systematisch aus ihren Angeboten und Katalogen heraushalten?
  • Treibt es Sie um, dass sich Ihre Apparate umgekehrt proportional zu Glaubenswissen und Glaubenspraxis entwickeln?
  • Wann haben Sie das letzte Mal an einer Mahnwache, einer Gebetsstunde oder einer Demonstration Ihrer Gläubigen für die Ungeborenen und die Sterbenden teilgenommen?
  • Wie erklären Sie sich, daß so viele Katholiken in Deutschland das Gefühl haben, zwischen ihnen und dem Stellvertreter Christi stünde ein quasi dämpfendes, interpretierendes, abfederndes nationales „Lehramt“, das seine Heimat in einigen Diözesen und Ordinariaten hat?

Alle diese Fragen, verehrte Würdenträger, mögen Sie verstören – denn Sie sind es sicher nicht gewohnt, öffentlich so gefragt zu werden. Was Sie täglich hören, sind die Lauten, die Funktionäre, die Hohepriester des Zeitgeistes, die sich in Gesellschaft und Kirche die zentralen Posten gesichert haben.

Deshalb mögen diese öffentlich gestellten Fragen helfen, in dieser Zeit Klarheit und Wahrheit in die Debatte zu bringen, die wir so dringend brauchen. Vielleicht bringen die Antworten auf diese Fragen der Katholischen Kirche auch die Demut, die sie als kleiner Teil der Weltkirche so dringend braucht.

Alle katholischen Gläubigen, die zumindest einiger dieser Fragestellungen teilen, sind eingeladen, diesen Gedankenanstoß weiterzuverbreiten – auf Papier, als eMail, in sozialen Netzwerken, in Blogs, in den Gemeinden.

Denn: Diese Fragen zu stellen, ist kein Ungehorsam, sondern der Beginn von Entweltlichung.

Laudetur Jesus Christus.
Eine Gruppe mitdenkender und mitbetender Katholiken in Deutschland

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