B’nai B’rith und Kardinal Bergoglio

Macht der neue Papst mit den jüdischen Freimaurern gemeinsame Sache?
http://www.katholisches.info/2013/03/22/bnai-brith-gedenkliturgie-in-kathedrale-von-buenos-aires-mit-kardinal-bergoglio/:

… Zumindest erklärungsbedürftig erscheint hingegen eine „Gedenkfeier zur [Reichs]Kristallnacht“, die von der jüdischen Organisation B’nai B’rith zusammen mit der Erzdiözese Buenos Aires am 12. November 2012 organisiert wurde, um der „sechs Millionen während der Shoah ermordeten Juden zu gedenken“. Die Gedenkfeier dieser jüdischen Loge, offiziell sogar „Gedenkliturgie“ genannt, fand in der Kathedrale von Buenos Aires statt, an der der damalige Kardinal Jorge Mario Bergoglio aktiv teilnahm.

B’nai B’rith gehört nicht der offiziellen Freimaurerei an, wenn es auch teils personelle Überschneidungen und Formen der Zusammenarbeit gibt. Die „Söhne des Bundes“, so die deutsche Übersetzung des Namens, entstanden 1843 zu einer Zeit, als Juden in Freimaurerlogen häufig abgewiesen wurden, weshalb sie parallel ihre eigenen Logen gründeten, die im Gegensatz zur Freimaurerei jedoch kein Geheimbund sind. Der Unabhängige Orden B’nai B’rith kann daher, bei allen Unterschieden, als eine Art jüdische Form der Freimaurerei bezeichnet werden mit eigenen Riten und Erkennungszeichen. Die einzelnen Niederlassungen werden deshalb Logen genannt. Die Logen eines Staates sind in Distrikt-Großlogen zusammengefaßt. Dieser jüdische Orden wurde gegründet, um die jüdischen Interessen auch in politischer Hinsicht zu vertreten. Gleichzeitig will er die Ethik der Brüder befördern, die jener der Freimaurerei sehr ähnlich ist. In den USA gehören fast zehn Prozent aller männlichen Juden der Loge an, entsprechendes Gewicht hat der Logenverband.

Warum veranstaltet jüdische Loge jüdisches Gedenken für jüdische Opfer in katholischen Kirchen?

Katholische argentinische Organisationen fragten sich, wie es möglich sei, daß eine jüdische Organisation, zudem eine Loge, in der Kathedrale der Erzdiözese Buenos Aires eine Gedenkfeier abhalten kann. Bei Räumlichkeitsproblemen hätte das Erzbistum auch anders aushelfen können. Warum aber wurde ein liturgischer Ort zur Verfügung gestellt, in dem im Allerheiligsten Sakrament des Altares Christus selbst aufbewahrt wird? Da Kardinal Bergoglio Hauptredner der Veranstaltung war, wird klar, wer die Zweckentfremdung, Pagina Catolica spricht sogar von „Profanierung“ der Kathedrale, möglich machte. Tatsächlich wurde mit der „Gedenkliturgie“ eine Art Gottesdienst gefeiert. Da die Feier bereits seit etlichen Jahren stattfindet, gibt es bereits eingespielte ritenähnliche Handlungen. Vor dem Altar saßen neben Kardinal Bergoglio weitere Vertreter christlicher Denominationen (Lutheraner, Prebyterianer, Methodisten). Das offizielle Programmheft mit dem Symbol von B’nai B’rith und dem Wappen der Erzdiözese Buenos Aires spricht von „Interreligiöser Liturgie“. Sechs Kerzen symbolisieren bei diesem Holocaustgedenkritual je eine Million jüdischer Opfer. Rabbi Alejandro Avruj entzündete jeweils mit dem Vertreter einer christlichen Konfession oder einer jüdischen Organisation eine Kerze. Die letzte der sechs Kerzen entzündete er gemeinsam mit Kardinal Bergoglio.

Kardinal Bergoglio pflegt seit Jahren enge Kontakte zu B’nai B’rith mit jährlich mehreren Treffen und gegenseitigen Einladungen, bei denen der Kardinal vor allem das soziale Engagement der jüdischen Loge lobend betonte. Aus diesem Grund nahmen Vertreter der jüdischen Großloge auch offiziell am 19. März an der Amtseinführungsfeier von Papst Franziskus am Petersplatz teil und am nächsten Tag am Empfang für die Religionsvertreter im Vatikan, darunter der Direktor des B’nai B’rith-Komitees für UN-Angelegenheiten, David J. Michaels.

Unter Erzbischof Bergoglio wurde es in der Erzdiözese Buenos Aires üblich, daß B’nai B’rith seine seit 1994 jährlich abgehaltene Gedenkfeier für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in katholischen Kirchen Argentiniens durchführt. 2005 wurde der Acto de Recordación de la Noche de los Cristales Rotos in der katholischen Pfarrkirche San Nicolas de Bari abgehalten. Auch damals war Kardinal Bergoglio anwesend, wie ein Foto mit Rabbiner Felipe Yafe zeigt. 2009 in der katholischen Pfarrkirche Santa Catalina de Siena, immer in der Erzdiözese Buenos Aires. Bereits 2008 fand die Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Reichskristallnacht, stets ausschließlich für jüdische Opfer der Shoah, in der Kathedrale von Buenos Aires statt unter Anwesenheit des israelischen, deutschen und österreichischen Botschafters. 2007 fand die Feier in der Kirche San Ignacio von Buenos Aires statt.

Interreligiöses Ritual mit katholischem Verständnis vereinbar?

Nach einem Treffen zwischen Kardinal Bergoglio und Mario Wilhelm, dem argentinischen Vorsitzender von B’nai B’rith und Boris Kalnicki, dem B’nai B’rith-Verantwortlichen für den interreligiösen Dialog am 4. Juni 2012 hieß es in einer Presseerklärung der jüdischen Organisation, daß die „traditionelle Gedenkfeier an die Kristallnacht“ auch 2012 wieder stattfinde und auf die „großzügige Bereitschaft des Kardinals zählen“ kann. Die Veranstaltung wird für den 8. November angekündigt „in einer Kirche, die rechtzeitig bekanntgegeben“ werden wird. Es handelte sich schließlich nicht um irgendeine Kirche, sondern um die Bischofskirche selbst. Daß die Veranstaltung in einer katholischen Kirche stattfindet, war für B’nai B’rith offensichtlich selbstverständlich.

2011 fand eine Gedenkfeier zur Reichskristallnacht in der Kathedralkirche der Diözese San Isidro statt. Für die von der Diözesankommission für Ökumene und Interreligiösen Dialog, B’nai B’rith-Argentinien, einer Jüdisch-christlichen argentinischen Bruderschaft und der Gemeinschaft Lamroth Hakol am 10. November veranstaltete Gedenkfeier arbeiteten der Rabbiner Leon Klenicki und der katholische Theologe Eugene Fischer Texte für eine eigene „Interreligiöse Liturgie“ aus, „mit Zeugen, Gesängen und Hinweisen auf die Nacht des 9. November 1938 in Deutschland und Österreich, die als Beginn des jüdischen Holocaust des 20. Jahrhunderts oder der Shoah gilt“. Sie war auch Grundlage der „Gedenkliturgie“ 2012.

Die Frage lautet nicht, warum Juden in Argentinien jener Ereignisse gedenken. Die Frage lautet aber, warum die katholische Kirche in Argentinien ohne direkten Bezug dieser Ereignisse im fernen Europa vor 70 Jahren in dieser Form gedenkt, die – wie B’nai B’rith ausdrücklich betont – keineswegs allen Opfern, sondern ausschließlich den jüdischen Opfern des Nationalsozialismus gilt. Warum findet dann dieses jüdische Gedenken für jüdische Opfer in einer katholischen Kirche statt? …

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