Füße waschen macht glücklich

Schreibt Le Penseur  (29.3.):

Füße waschen macht glücklich!

Den neuen Papst wenigstens. Steht zu vermuten. Nachdem er am Palmsonntag eben erst alle Christen zu Fröhlichkeit ermunterte … beschloß Papst Franz am Gründonnerstag zwecks Trauervermeidung nicht alten Priestern (wie seinerzeit Benedikt XVI), oder alten Armen (wie seinerzeit Österreichs Kaiser Franz Joseph) die Füße zu waschen, sondern jungen Kriminellen. »Die Presse« ist jedenfalls tief ergriffen und ringt fühlbar nach Worten, um diese Geste hinreichend zu würdigen:

Papst Franziskus hat den ersten Abendmahlsgottesdienst seines Pontifikats am Gründonnerstag in der römischen Jugendhaftanstalt Casal del Marmo mit 49 jungen Gefangenen – 38 Männern und elf Frauen – zelebriert. Zwölf Jugendlichen verschiedener Nationalitäten und Religionen wusch der lateinamerikanische Papst die Füße. Zu ihnen zählten auch zwei Mädchen, darunter eine osteuropäische Muslimin.
… Die Fußwaschung erinnere an Jesus von Nazareth, der seinen Jüngern als ein Zeichen der Liebe und Demut die Füße wusch, berichtete der Papst. Er bezeichnete Jesus‘ Geste als „bewegend“.
(Hier weiterlesen)

Ach so, um eine »Geste« Jesu Christi geht’s dabei also … na, dann …! Gesten liebt die Presse. …

Es gibt natürlich ein paar Unbelehrbare, die an allem was auszusetzen finden, und die sogar die »bewegende Geste« Jesu in ihrer aktuell-päpstlichen Umsetzung als Fußwaschung bspw. an einer im Jugendgefängnis einsitzenden osteuropäischen Mohammedanerin nicht so ganz glatt runterbekommen. Und da meint doch einer gar:

Es wäre besser gewesen, er hätte den Opfern dieser Kriminellen oder Armen auf der Straße die Füße gewaschen. So sehe ich das nur als eine Verbeugung vor denen, welche die Täter bedauern und Opfer sich selbst überlassen!

Also, nein — wie fühllos, sowas zu sagen! …

Le Penseur zitiert dann die entsprechende Schriftstelle (Johannes 13) und bemerkt zurecht:

Auch bei bloß oberflächlichem Lesen ist erkennbar, daß Jesus diese seine Fußwaschung seinen Jüngern (!) als Beispiel gab, auch untereinander ebenso zu verfahren:

»Si ergo ego lavi pedes vestros, Dominus et Magister, et vos debetis alter alterutrum lavare pedes. Exemplum enim dedi vobis, ut quemadmodum ego feci vobis, ita et vos faciatis.«
[„Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.]

Was soll also eine Fußwaschung an Nicht-Christen (und die meisten Insassen des römischen Jugendgefängnisses sind mohammedanische Ausländer) bedeuten? …

Und auch der Hinweis auf das Gebot, Gefangene zu besuchen, geht etwas ins Leere. Erstens ist dies wohl nicht eine spezifische Aufgabe des Papstes — und am römischen Jugendgefängnis gibt es einen katholischen Anstaltskaplan, obwohl in diesem Gefängnis unter vielen Mohammedanern bloß acht katholische Italiener einsitzen, von einem Seelsorgs-Notstand daher keine Rede sein kann.

Zweitens ist das Gebot des Gefangenenbesuches auch aus dem Zustand der Rechtspflege und der Gefängnisse in antiken Zeiten zu begreifen: Herrscherliche Willkür brachte viele Unschuldige hinter Gitter, und die hatten damals ein fürwahr elendes Leben! Beides kann bei einem Jugendgefängnis in Rom 2013 eher ausgeschlossen werden. Denn um heute in ein Jugendgefängnis zu kommen, muß man schon massiv was ausgefressen haben, und daß die Sträflinge in bedauernswertem Verpflegungs- und/oder Gesundheitszustand wären, ist ebenso schwer vorstellbar.

Natürlich gäbe es auch heute noch Häftlinge, denen Papst Franz die Füße waschen könnte, um damit ein demonstratives Zeichen zu setzen. Etwa jenen, die wegen irgendwelcher obskurer »Blasphemie«-Vorwürfe in saudi-arabischen, iranischen, sudanesischen oder pakistanischen Kerkern sitzen, und denen es dort wirklich dreckig geht (natürlich ginge das auch in symbolischer Form, indem er in der Lateranbasilika erklärt: »Diese Fußwaschung erfolgt in Gedanken an Pastor X., der wegen angeblicher Förderung des Abfalls vom Glauben in Pakistan im Gefängnis sitzt« — denn reinlassen werden die ihn wohl nicht!).

Oder er könnte auch Fußwaschungen an jenen Häftlingen erwägen, die wegen bloßer Meinungsäußerungen (also »Propagandadelikte«, wie sie entlarvenderweise bezeichnet werden!) auch in EU-Staaten in skandalöser Weise oft jahrelang eingebuchtet werden. Aber das wäre medial natürlich nicht wirklich gut vermarktbar …

Ergänzung:

Der frühere Verleger des Papstes, der Claretiner-Ordensmann Gustavo Larrazabal, sieht dessen Gesten im Allgemeinen nicht negativ:
Kath.net: Papst-Vertrauter: Franziskus wird den Vatikan rasch ändern  (27.3.):

… Franziskus sei «ein Meister der Zeichen und Gesten», so Larrazabal. «Er weiß, welche Macht Gesten haben können.» Der neue Papst verstehe sich in erster Linie als Hirte. …

… Als Erzbischof von Buenos Aires sei Bergoglio durch seine einfache Lebensführung aufgefallen. So habe er nach seiner Ernennung 1998 umgehend die Bischofsresidenz in einer gehobenen Wohngegend aufgegeben. «Er vermietete die Wohnung an einen Orden und nahm ein einfaches Zimmer im dritten Stock der Kanzlei», sagte Larrazabal. An Bergoglio als Autor erinnerte sich der frühere Verlagsleiter ebenfalls mit Sympathie: «Er wollte nie Honorare. Das Geld sollte in unsere Ordensarbeit fließen.» …

Dieser Beitrag wurde unter Christentum abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.