Hatschi Bratschis Luftballon: Aktueller Favorit in Grazer Stadtbibliotheken

Die Grazer scheinen derzeit der Political Correctness ein Schnippchen zu schlagen:
http://www.der-grazer.at/epaper/der-grazer-152013-e22.html  (S. 10, 14.4.):

„Grazer lieben alte Schinken“

… In den Stadtbibliotheken staunte man in den letzten Wochen und Monaten nicht schlecht: Die Anfragen für uralte Bücher schnellten nach oben — insbesonders alte Kinderbücher haben es den Grazern angetan. Die beliebtesten darunter sind derzeit „Hatschi Bratschis Luftballon“ (Franz Karl Ginzkey, 1904), „Emil und die Detektive“ (Erich Kästner, 1929), „Pippi Langstrumpf“ (Astrid Lindgren, 1945) und „Das fliegende Klassenzimmer“ (Kästner, 1933).

Die Bibliotheksverantwortliche müht sich zwar redlich, das politisch Inkorrekte in die PC-Richtung umzudeuten:

„Figuren wie zum Beispiel Pippi Langstrumpf entwerfen Freiräume, sind aufmüpfig, selbstbewusst und entsprechen nicht den Geschlechterstereotypen“, versucht Stadtbibliotheksleiterin Roswitha Schipfer diesen neuen Trend hin zu den alten Schinken zu erklären. „Solche Eigenschaften können eine Figur schlicht und einfach zum zeitlosen Klassiker machen.“ …

Ich fürchte allerdings, unsere Umerzieher werden die Urformen dieser Bücher über kurz oder lang verschwinden lassen.

Siehe dazu: Hatschi Bratschis Luftballon:

Ein Kinderbuch im Spannungsfeld pädagogischer Ansprüche und Politischer Korrektheit

Hatschi Bratschis Luftballon gehört zu den bekanntesten und beliebtesten österreichischen Kinderbüchern. … Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Buch mehrmals neu aufgelegt, zeichnerisch umgestaltet und letztlich auch einer textlichen Bereinigung unterworfen, um geänderten gesellschaftspolitischen Vorstellungen zu genügen. …

Ergänzung:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/hans-magnus-enzensberger-mein-lieblingsbuch-hatschi-bratschi-1177899.html  (4.8.2004):

… Nur dem Buch war ein gräßliches Schicksal beschieden. Nichtswürdige Verleger haben es verstümmelt, blöde Illustratoren verfälscht, pädagogische Aufseher kastriert, und am Ende wurde es ganz aus dem Verkehr gezogen, weil es ja, wie jeder aufgeklärte Mensch weiß, gar keine Hexen gibt und keine Zauberer im Morgenland und erst recht keine Menschenfresser in Afrika, und weil man scharf aufpassen muß, daß die kleinen Kinder nicht auf falsche Gedanken kommen. …

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