Stempel „Quotenfrau“

Birgit Kelle (FreieWelt.net): Bonbons von Fräulein Rottenmeier  (19.4.):

Wer als Frau noch vorurteilsfrei Karriere machen will, muss sich beeilen. Denn obwohl die Frauenquote heute im Bundestag abgelehnt wurde, wird sie leider ab 2020 alternativlos. Danke auch, Frau von der Leyen.

Jetzt werden wir also alle Quotenfrauen. Toll. Herzlichen Dank, Frau von der Leyen und Kolleginnen, dass Sie sich so aufgeopfert haben. Spätestens 2020 dürfen wir uns jetzt alle den Stempel „Quotenfrau“ auf die Stirn kleben, sollten wir einen Top-Posten ergattern und können anschließend dann den mühsamen Beweis antreten, dass wir es eventuell auch ohne geschafft hätten.

… Gleichzeitig haben sie uns aber auch einen herrlichen Anschauungsunterricht zu der Frage geboten, was sich ändert, wenn ab sofort mehr Frauen in Entscheidungspositionen sitzen. Sozusagen an den Schalthebeln der Macht: Nämlich gar nichts. Eiskalt, risikoreich, machtbewusst und mit dem Kopf durch die Wand, koste es, was es wolle. So hat sich Frau von der Leyen in der Frauenquoten-Frage durchgesetzt. Damit erfüllt sie so ziemlich jedes Klischee, das einem männlichen Kollegen den Stempel typisch aggressives männliches Potenzgebaren aufgedrückt hätte.

… Aber bitte, bitte verschonen Sie und Ihre Genossinnen uns in Zukunft mit diesem Mantra von den angeblich typisch weiblichen Eigenschaften, von Softskills über Empathie und Teamfähigkeiten. Die werden immer dann gerne aufgezählt, wenn begründet werden soll, warum Frauen jetzt dringend die Vorstandsetagen bereichern müssen. Dieses Plus an Weiblichkeit, das die Welt schöner, runder, weicher, sympathischer und erfolgreicher machen soll. Weil nur wir Frauen dies angeblich bewerkstelligen können, oder allerhöchstens sonst noch Barack Obama. Lassen wir außen vor, dass es Sexismus in Reinkultur ist, dass man im Umkehrschluss diese Eigenschaften einem Mann im gleichen Atemzug abspricht. Außer natürlich Barack Obama. Es ist einfach falsch. …

Und dazu diese besondere Ironie, die man vermutlich nur nach mehreren Semestern Gender Studies in Logik umwandeln kann. Dass die Armada der Berufs-Feministinnen ausgerechnet mit den weiblichen Eigenschaften argumentiert, die man uns gerade flächendeckend abzutrainieren bemüht ist. Man will uns doch dieses Weibchen-Schema endlich austreiben. Weil doch Geschlecht nur ein Konstrukt sei, und nur anerzogen, um den Männern die Macht zu sichern, wie uns schon die gute Simone de Beauvoir erklärte, die damit aber völlig auf dem Holzweg war. Denn wenn wir doch alle gleich sind und die Unterschiede gerade gendersensibel ausgemerzt werden sollen – bis hin in die letzte sprachliche kleinkarierte Formulierung – wozu brauchen wir dann noch explizit weibliche Eigenschaften, dieses Produkt falscher Erziehung?

… Soll ich mich jetzt auch noch bedanken? Ich nehme an, das wird jetzt von mir erwartet. So als Frau. Wir sind doch Schwestern, nicht wahr? Hat man ja gesehen. Wie Schwester von der Leyen ihre Mitschwester Schröder in diesem Machtkampf abserviert hat. Frauen-Soli! Ja, wir halten zusammen, wir ziehen an einem Strang. Da passt kein Blatt dazwischen. Ein echtes Frauenkollektiv. …

Dieser Beitrag wurde unter Genderei abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.