Forum Familie 2013: Voller Erfolg

Heureka: Forum Familie 2013 — Berlin — ein voller Erfolg  (22.5.):

Vor zahlreich erschienenem Publikum lief gestern, am Dienstag, in der Neuen Mälzerei in Berlin-Mitte das erste Forum Familie ab. Eingeladen hatte die Initiative Familienschutz, die seit 2009 besteht und die von ihrer Sprecherin Hedwig von Beverfoerde vertreten wurde. Das Podium war mit Experten aus Politik, Publizistik und Wissenschaft prominent besetzt. (Bildergalerie hier)

Gegründet worden ist die Initiative Familienschutz kurz vor der Wahl zum Bundestag 2009 mit dem Ziel, Familien in der Politik eine Stimme zu geben. Sie sollten nicht mehr nur Objekt von mehr oder weniger wohlwollendem politischem Handeln sein, sondern selber mitmischen und ihre Interessen zur Geltung bringen. Die Veranstaltung in der Alten Mälzerei war, wie von Beverfoerde erläuterte, im Grund eine direkte Fortsetzung dieses Engagements – eines Engagements, das sich, wie sich später herausstellte, sehr lohnt.

Wie notwendig es ist, sich zu engagieren, zeigte der Vortrag des Kommunikationsberaters Richard Schütze, der einen Überblick über die Familienbilder in unterschiedlichen Medien gab. Dabei ging es ihm nicht nur um die Berichterstattung in Zeitung und Fernsehen, sondern auch die Darstellung in Romanen und in Spielfilmen. Er erläuterte, wie die persönlichen Erfahrungen von Journalisten und Autoren – häufig in Patchwork-Familie und in Berlin lebend – sich in den Drehbüchern niederschlagen. Schütze sprach davon, dass auf diese Weise eine »Dreiviertelwirklichkeit“ entsteht – die allerdings medial nicht oder nur kaum repräsentiert wird.

Ähnlich verhält es sich in der wissenschaftlichen Familienforschung, wie Stefan Fuchs (Universität Bonn) erläuterte. Zwar haben Wissenschaftler den Ruf, »objektiv« zu sein. Doch das heißt nicht, dass sie die Wirklichkeit beschreiben, wie sie ist. Sondern auch Wissenschaftler haben ihre Blindstellen, die sie zu völlig falschen Schlüssen verleiten. Fuchs demontierte den Mythos, man könne demographische Entwicklungen steuern wie technische Geräte. Internationale Studien belegen eindeutig, dass der Versuch, mit staatlichen Maßnahmen die Geburtenrate zu erhöhen, zum Scheitern verurteilt ist. Da etwa das schwedische wohlfahrtsstaatliche Modell, das auf die Vergesellschaftung von Familien hinausläuft, keine Effekte hat, braucht sich das konservative Modell deshalb keineswegs zu verstecken.

Allerdings läuft die Diskussion sowohl in den Medien als auch in Politik und Verwaltung immer stärker auf die Zerschlagung der Familien hin. Die Publizistin Birgit Kelle wies darauf hin, dass immer seltener gefragt werde, was Familien wollen, dass stattdessen gesagt werde, was sie sollen. Sogar Frauen sagen immer häufiger, was andere Frauen wollen sollen – ein emanzipatorischer Rückschritt, den Kelle am Beispiel der Teilzeitarbeit für Frauen erläuterte: Früher war das ein Recht, heute soll die Pflicht zur Vollzeiterwerbstätigkeit etabliert werden. Frauen sollen in der herrschenden, von wirtschaftlichen Interessen dominierten Ideologie so leben wie Männer, aber zugleich noch Kinder bekommen. Was sie wirklich wollen, interessiert nicht mehr.

Hier entgegenzusteuern ist schwer, wie aus dem Referat von Thomas Dörflinger deutlich wurde. Der CDU-Abgeordnete im Bundestag zeigte anhand von eigenen Erfahrungen, wie massiv konservative Familienpolitik zurückgedrängt worden ist. Oft wird nämlich sogar in der Union angenommen, dass für die Aufzucht von Kindern nicht die Familie der beste Ort sei, sondern eine staatliche Kinderbetreuungseinrichtung, die von professionellen Erziehern geleitet wird. Damit aber wird die Freiheit von Eltern und Familien beschnitten – ein Prozess, gegen den man sich wehren sollte, wie Dörflinger betonte. Er verkündete, dass die Zeit der »asymmetrischen Mobilisierung« vorbei sei und jetzt die Unterschiede zwischen den beiden Lagern besser konturiert werden sollten.

Dass das nottut, veranschaulichte Tobias Teuscher, der den EU-Betrieb in Brüssel aus nächster Nähe erlebt. Er zeigte die hinterhältigen Strategien auf, derer sich der EU-Apparat bedient, um Einfluss auf die Familien zu nehmen, die eigentlich nicht zu seiner Zuständigkeit gehören. Der Trick dabei ist, über den Umweg der Arbeitsmarktpolitik zu gehen und Männer und Frauen, Väter und Mütter als Arbeitsnehmer zu fassen. Schwangere und Mütter als Arbeitskräfte – das ist der Horizont der EU-Kommission. Auf diese Weise kehren marxistische Familienkonzepte nach Europa zurück, denn Kindererziehung als Lebensinhalt ist im ökonomisch verzerrten Denken der EU einfach nicht vorgesehen. Frauen haben dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen; dass auch Hausarbeit in substanzieller Weise zum Bruttosozialprodukt beiträgt, ist zwar den Wirtschaftswissenschaftlern eigentlich bekannt, wird aber regelmäßig unterschlagen.

Die anschließende Diskussion mit dem Publikum kam rasch auf die Frage zu sprechen, die den Anwesenden unter den Nägeln brannte: Wie kann man sich wehren? Wie kann man die Interessen von Familien zu Gehör bringen? Leserbriefe schreiben bringt auch dann etwas, lautete der Expertenrat, wenn sie nicht veröffentlicht werden. Denn auch die werden von den Redaktionen gewürdigt, weil die am Puls der Leserschaft bleiben wollen. Nur sollte man sich kurz fassen. Auch ist es sinnvoll, den Wahlkreisvertreter im Bundestag anzusprechen, per Brief, E-Mail oder persönlich. Die Abgeordneten haben nämlich ein großes Interesse an Rückmeldung aus der Bevölkerung.

Neben dieser praktischen Frage kamen auch politische Fragen nicht zu kurz. Von Beverfoerde sah in der Einführung des Betreuungsgeldes auch einen Erfolg der Aktivitäten der Initiative Familienschutz. Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob 150 Euro im Monat zu wenig seien. Ja, aber dieses Ergebnis ist besser als nichts, sagte von Beverfoerde. In diesem Zusammenhang wurde Dörflinger von den anderen Diskussionsteilnehmern gleichsam ins Kreuzverhör genommen: Der Forderung, dass die Union mehr konservatives familienpolitisches Profil zeigen und klare Abgrenzungen zu grünen bis sozialistischen Modellen vornehmen müsste, wollte er nicht ganz nachkommen. Aber seine Ausführungen weckten bei den Beteiligten die Hoffnung, dass Familienpolitik im kommenden Wahlkampf eine größere Rolle spielen könnte als bisher und dass dort auch tatsächlich die Interessen der Familien im Mittelpunkt stehen könnten.

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