Elternstress durch arbeitsbedingten Verzicht auf Zeit mit ihren Kindern

Ferdinand Knauß: http://www.wiwo.de/erfolg/trends/arbeitswelt-die-luege-von-den-unzufriedenen-eltern-seite-all/8280868-all.html  (31.5.):

Kinder machen nicht zufrieden, zumindest nicht immer, behaupten Sozialforscher. Das ist Unsinn. Denn nicht die Elternschaft, sondern der arbeitsbedingte Verzicht auf Zeit mit ihren Kindern setzt Mütter und Väter unter Stress.

… Während in traditionellen patriarchischen Gesellschaften das Aussterben des eigenen Namens für die meisten Männer eine Horror-Vorstellung und Kinderlosigkeit für Frauen ein sozialer Makel war, ist die Familie mit Kindern heute nur einer von verschiedenen akzeptierten Lebensentwürfen. Und daher stellen Soziologen heute Fragen, die Jahrhunderte lang niemandem in den Sinn gekommen wären. Machen Kinder glücklich? Oder sind Paare ohne Kinder zufriedener mit ihrem Leben?

… Einige Autoren glauben ernsthaft, einen langfristig negativen Effekt von Kindern auf das Wohlbefinden ihrer Eltern feststellen zu können. Die Partnerschaft leide, Stress oder gar Depressionen seien eine Folge von Elternschaft. Damit dürfte also geklärt sein: Wer ein glückliches, stressfreies Leben will, sollte sich bloß nicht fortpflanzen.

Glücklichere Ergebnisse hat nun eine neue Studie über „Elternschaft und Lebenszufriedenheit in Deutschland“ aus dem Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin zu bieten. Autor Matthias Pollmann-Schult kommt darin zu dem Schluss: Kinder machen nicht immer glücklich, aber meistens. Ausgewertet wurden die Daten von knapp 4900 Frauen und Männern zwischen 25 und 37 Jahren, die mit einem heterosexuellen Partner und gegebenenfalls ihren Kindern in einem Haushalt leben. Sie stammen von der ersten Befragungswelle des neuen Beziehungs- und Familienpanels pairfam.

… Arbeiten Mütter in Vollzeit, sinkt ihre Lebenszufriedenheit. Nichterwerbstätige und teilzeitbeschäftigte Mütter dagegen sind glücklicher als kinderlose vollzeitbeschäftigte Frauen.

… Die derzeit lautstark propagierte Politik der Auslagerung der Kinderbetreuung aus den Familien und der schnellstmöglichen Rückkehr von Müttern in Vollzeitarbeit befördert nicht die Zufriedenheit der Mütter.

… Das von deutschen Journalisten als „Herdprämie“ diffamierte Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen wollen, wird zwar von der Mehrheit der Bevölkerung einer Stern-Umfrage zufolge abgelehnt. Die eigentlich entscheidende Gruppe der Betroffenen wird in dieser Darstellung aber stets unterschlagen. Die Altersgruppe der 19- bis 29-Jährigen nämlich, also die jungen Menschen, deren Elternschaft unmittelbar ansteht, begrüßen das Betreuungsgeld in der Mehrheit. Und gerade unter Frauen, die ja nach der allgemein propagierten Lesart durch die „Prämie“ an den „Herd“ gebunden werden sollen, ist die Zustimmung besonders hoch.

Das Glück sehen die Menschen und vor allem die meisten Frauen, so kann man folgern, also eher in ihren Kindern als in der Erwerbstätigkeit. Warum nur kämpfen Familienpolitiker nicht für das, was ihre Klientel wirklich zufriedener machen und jungen Frauen die Entscheidung für Kinder erleichtern würde? Nicht mehr Zeit für Arbeit, sondern mehr Zeit für Kinder.

Die kinder- und damit lebensfeindlichen Ansprüche einer auf totale Verfügbarkeit zielenden Arbeitswelt rufen bei Eltern Stress hervor. Hinter diesem Anspruch steht eine Zweckallianz von Arbeitgebern und feministischen Ideologinnen. Sie propagieren die Vereinbarkeit von Kindern und Vollzeitarbeit beider Eltern, die stets mit der Drohung einhergeht, nicht genug Geld für einen angemessenen Lebensstandard und die Zukunft der Kinder zu haben.

… In Wirklichkeit bedeutet Vereinbarkeit nichts anderes als Verzicht auf Zeit für die eigenen Kinder zugunsten von Zeit für die Erwerbsarbeit. Das ist ein Opfer, das Väter seit jeher bringen und das nun auch von den Müttern verlangt wird. Nicht die Kinder, sondern die fehlende Zeit für sie macht Eltern unzufrieden.

… Das Glück, das Kinder bedeuten, ist von anderer Natur als das Glück des prallen Geldkontos, der erfolgreichen Karriere oder der erotischen Liebe.

… Hat man jemals von einem alten Menschen gehört, der es bereut, Kinder gehabt zu haben, weil er gerne mehr Zeit in seiner Firma verbracht hätte?

Gefunden via: Bärbel Fischer (FreieWelt.net): Wahlkampfgetöse oder Einsicht?  (3.6.)

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Eine Antwort zu Elternstress durch arbeitsbedingten Verzicht auf Zeit mit ihren Kindern

  1. templarii schreibt:

    Als nichtdeutscher sage ich nur: Super, sterbt aus. Dann übernehmen wir das leere Land voller Maschinen und gesunder Natur….. 😦

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