Bernhard Heinzlmaier: Menschenverachtende Leistungsideologie verdrängt humane Werte

http://www.civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2127:ja-sager-statt-dichter-und-denker&catid=1:neuestes&Itemid=33  (3.7.):

Der Wiener Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier hat eine systematische Verdummung der heranwachsenden Generation beklagt. Ursache sei ein Verschwinden der humanistischen Wertevermittlung im Bildungssystem und eine Gesellschaft, in der nur noch ökonomische Erfolge zählten, sagte Heinzlmaier bei der Vorstellung einer Streitschrift in Berlin. “Wir erziehen keine selbstkritischen, demokratiefähigen Menschen mehr”.
Statt Bildung gebe es nur noch Ausbildung, damit die Menschen im Betrieb funktionierten.
Heinzlmaier ist Mitgründer des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien. In Hamburg leitet er das Marktforschungsunternehmen tfactory.

Als Beleg für seine Thesen führte der Forscher unter anderem die Pisa-Studien der Wirtschaftsorganisation OECD an, in denen Schulleistungen untersucht werden. Deren Gradmesser für Schulerfolg ordneten das Bildungs- dem Wirtschaftssystem unter. Priorität habe technisches und naturwissenschaftliches Wissen. Human- und Geisteswissenschaften würden zurückgedrängt.

Im Kreuzberger Archiv der Jugendkulturen stellte Heinzlmaier sein Buch “Performer, Styler, Egoisten. Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben” vor. Es fasst nach seinen Worten die Ergebnisse aus über zehn Jahren Forschungsarbeit in Deutschland und Österreich zusammen.

In diversen repräsentativen Studien hatten Heinzlmaier und sein Team Tausende Heranwachsende zu ihren politischen Einstellungen und Idealen befragt. In Österreich wird über die Streitschrift seit einigen Wochen hitzig debattiert, die erste Auflage ist laut Verlag vergriffen.

Ein nicht gerade rosiges Bild zeichnet da Bernhard Heinzlmaier … in seinem neuen Buch. Er beklagt etwa eine “Bildungsmisere höchster Güte”. Bildung werde durch Ausbildung ersetzt und kritische Reflexionen seien nicht mehr gefragt.

“Leben ist kein Vergnügen mehr”, schreibt Heinzlmaier im Vorwort. Anstelle von Selbstverwirklichung und der puren Freude am Dasein regierten Zukunftsangst und Depression den Alltag. “Eine menschenverachtende Leistungsideologie, propagiert von durch Ehrgeiz und Allmachtsfantasien getriebenen Neo-Yuppies, ist dabei, die für das Zusammenleben der Menschen so wichtigen Werte wie Toleranz, Solidarität, Gerechtigkeit und Mildtätigkeit zu verdrängen.” Die noch nicht komplett angepassten Jungen seien verzweifelt, ließen ihren Frust auf der Straße raus oder flüchteten sich in Gleichgültigkeit gegenüber der Gesellschaft.

Heinzlmaier ortet vor allem Probleme im Bildungssystem. “Gut ausgebildete kalte TechnokratInnen, dazu erzogen, ihre Projekte voranzutreiben, ohne dabei an die gesellschaftlichen Folgen zu denken, sollen den noch verbliebenen Rest der humanistischen Eliten ersetzen.” Die Bildung werde systematisch den Interessen der Wirtschaft untergeordnet. Widerstand gegen die “sich ausbreitende geistige Monokultur und bildungspolitische Uniformität” sei angesagt, betont Heinzlmaier, der sich auch nicht damit anfreunden kann, dass Kinder “obligatorisch in ganztägige Zwangsanstalten eingewiesen werden” sollen.

In den Bildungsinstitutionen werde der Jugend wenig Anleitung zur kritischen Reflexion gegeben, meint der Autor. Heinzlmaier attestiert der Jugend dann auch das Motto “Nach mir die Sintflut”

Ergänzung 18.7.2013:

Michael Paulwitz (JF): Ökonomismus und Verdummung  (18.7.):

Über die Verblödung der Jugend durch die Bildungsinstitutionen ist zu allen Zeiten schon viel gesagt und geschrieben worden. „Jugendforscher“ Bernhard Heinzlmaier stellt gegenwärtig in Lesungen und Interviews sein frisch erschienenes Buch „Performer, Styler, Egoisten: Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben“ vor, trifft dabei den ein oder anderen Nagel auf den Kopf. …

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Bildung abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Bernhard Heinzlmaier: Menschenverachtende Leistungsideologie verdrängt humane Werte

  1. heureka47 schreibt:

    Das Vermitteln der – humanen, höheren – Werte vom „Bildungssystem“ – über rationale / intellektuelle – Wissensvermittlung – zu erwarten, ist ein schwerer Fehler / grundlegender Irrtum. So funktioniert das nicht!
    Dieser Irrtum ist typisch für die krankhaft von Ratio / Intellekt dominierte zivilisierte Gesellschaft.
    Die meisten Kinder, die in die Schule kommen, sind schon Opfer einer zivilisationsgesellschaftlichen geistigen Störung, der „Kollektiven (Zivilisations-)Neurose“ geworden.
    Das Problem, das diese Gesellschaft zu lösen hat, ist, diese kollektive Störung grundlegend zu heilen – und zwar nicht mit schulmedizinischen / pharmazeutischen Mitteln (das funktioniert nämlich ebenfalls nicht!), sondern auf dem ganz natürlichen Wege: Durch das Wiedereinführen dessen, was wir vergessen haben, wovon wir „entfremdet“ wurden: Dem GANZHEITLICHEN Lernen – vor allem durch eigene Erfahrung von Zeugung an – durch das praktische VORLEBEN der Eltern. Kinder müssen das höchste Prinzip des Lebens, des Universums, durch ihre Eltern vorgelebt bekommen, auf sie, die Kinder, angewendet bekommen, wenn sie es selbst verinnerlichen sollen – und VERTRAUEN lernen. BEDINGUNGSLOS(ES) Vertrauen.
    Wenn / wo solches Vertrauen nicht gegeben ist, ist die Entwicklung gestört. Und das führt, wie wir seit unzähligen Generationen in der zivilisierten Gesellschaft erleben, zu der „Kollektiven (Zivilisations-)Neurose“ und den verschiedenen ihrer Aspekte – wie z.B. primär „Entwicklungs- / Reifungs-Störung“ und „(Latente) Angst-Störung“ der großen Mehrheit. DAS ist die – kranke – Normalität der zivilisierten Gesellschaft.
    „Wissenschaft“ kann uns daraus nicht erlösen. „Wissenschaft“ ist eine FOLGE der „Kollektiven (Zivilisations-)Neurose“. Was wir für die Erlösung aus dieser – letztlich tödlichen – Störung / Krankheit brauchen, ist etwas, das eine ganze Dimension über den beschränkten Horizont von „Wissenschaft“ hinausgeht: Den Aufstieg zum höheren Bewußtsein, zum göttlichen / universellen Bewußtsein IM Menschen, zur göttlichen Liebe, dem göttlichen Frieden – und allen anderen „höheren Gütern / Werten“.
    „Bildung“ sollte Bildung des entsprechenden Bewußtseins sein, des HÖHEREN Bewußtseins.
    Es heißt doch auch: „Bildung soll nicht ein Faß füllen, sondern ein Feuer entfachen“.
    Wahre, gute, Bildung muß dem Menschen vermitteln, daß er ein „selbstgestaltendes“, „selbstprogrammierendes“ geist-energetisches (Bewußtseins-)Wesen, eine Seele, ist.

  2. Gold Price schreibt:

    wieviele Studenten kamen aus sozial schwachen Familien oder Arbeiterfamilien wie es hieß. Es war nur die Eignung erforderlich. Bei der Aufnahmsprüfung zur Lehrerbildungsanstalt waren z.B. zwei volle Prüfungstage angesetzt. In den 60er Jahren gab es keine Unterscheidung zwischen irgendwelchen gesellschaftlichen differenzierungen jedenfalls nicht in der Steiermark. Denn hier war Krainer der Landeshauptmann und in Wien gab es noch eine ÖVP Regierung. Das einzige Problem, die Entfernungen. Für die Studierenden oder Gymnasiasten waren damals sogenannte Landesschülerheime eingerichtet, in denen man sehr gut versorgt war und sich ganz auf die Schule konzentrieren konnte. Diese Differenzierung war eigentlich völlig unbekannt, wir wären gar nicht drauf gekommen das es so etwas überhaupt gibt. Es war bestimmt die Erziehung zum humanistischen Menschen daran schuld.Wir waren eben unserer Zeit um Lichtjahre voraus.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.