Hausaufgaben abschaffen?

JF: Streit um Abschaffung von Hausaufgaben  (1.8.):

Die Forderung der Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB), Jutta Allmendinger, Hausaufgaben abzuschaffen, ist auf scharfe Kritik gestoßen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch warf Allmendinger Gleichmacherei vor: „Hier geht es nur vordergründig um Hausaufgaben. Hinter der Forderung nach Abschaffung der Hausaufgaben steckt die absurde Logik derer, die Gleichheit absolut setzen. Es ist der Vorwurf, daß Kinder, die in einem funktionierenden Elternhaus aufwachsen, sich damit einen unredlichen Vorteil verschafften“, sagte Willsch, der Mitglied im Kuratorium des WZB ist, der Bild-Zeitung.

Allmendinger hatte für die Abschaffung der Hausaufgaben plädiert, weil finanziell schlechter gestellte und bildungsferne Eltern ihren Kindern dabei kaum helfen könnten und somit die soziale Spaltung angeblich zementiert werde.

Gut funktionierenden Familien nicht weiter in Verruf bringen!

Dem hielt Willsch entgegen: „Frau Allmendinger will wahrscheinlich am liebsten gute, notfalls aber eben auch schlechte Eltern für alle, Hauptsache gleich! Als nächstes kommt wohl die Forderung, daß alle Kinder im Heim aufwachsen sollen, damit der Staat die Erziehung und Ausbildung übernehmen kann und alle gleich (schlechte) Chancen haben.“

Familien seien die kleinste Einheit der Gesellschaft. Gut funktionierenden Familien sollte man dankbar sein und sie nicht immer weiter in Verruf bringen, forderte der CDU-Politiker. Er stamme auch nicht aus einer Akademikerfamilie. Seine Eltern seien Bauern gewesen, erläuterte Willsch, und dennoch habe er erfolgreich studieren könne.

Ergänzung 3.8.2013:

Birgit Kelle (FreieWelt.net): Alle ins Töpfchen  (2.8.):

Die Deutschen haben offenbar ein Problem mit Eliten. Anders ist nicht zu erklären, weshalb die Berliner Soziologin Jutta Allmendinger mit ihren fahrlässigen Plänen zur Schulreform so viel Aufmerksamkeit erhält.

Hausaufgaben abschaffen, damit keine soziale Ungerechtigkeit entsteht, ist, als wolle man bei den Olympischen Spielen jetzt beim Sprint nicht nur dafür sorgen, dass alle zur gleichen Zeit loslaufen, sondern auch dafür, dass alle gleichzeitig ankommen. Wo es nur Sieger gibt, gibt es keine Verlierer mehr. Sozialromantik auf Kosten von Leistung.

Jutta Allmendinger, meine Lieblings-Soziologin aus Berlin, hat wieder zugeschlagen. Diesmal mit dem schulpolitischen Vorschlag, nicht nur Hausaufgaben abzuschaffen, sondern auch flächendeckend alle Kinder in Ganztagsschulen und Ganztagskitas zu stecken. …

… Es geht nämlich die böse Ahnung um in Deutschland, dass es tatsächlich massenweise Eltern gibt, die ihre Kinder derart fördern zu Hause, dass sie in der Schule besser sind als andere Schüler. Dadurch würde, so Allmendinger, „soziale Ungleichheit zementiert“. Denn diese Eltern beaufsichtigen tatsächlich zu Hause die Hausaufgaben. Mon Dieu! Dabei sprechen sie auch noch mit ihren Kindern und arbeiten den Schulstoff nochmal nach. Dies führe dazu, dass Hausaufgaben ein neues „Kommunikationsmedium“ zwischen Eltern und Kindern geworden sei. Das muss natürlich unterbunden werden, wo kommen wir denn dahin, wenn Eltern und Kinder jetzt über Lerninhalte sprechen. Am Ende bekommen Kinder auf diese Art und Weise auch noch erweiterte Ansichten auf den Schulstoff, der gar nicht im Lehrplan steht. Vielleicht widersprechen sie dann auch noch ihren Lehrern im Unterricht! …

Gertrud Martin: http://www.freiewelt.net/bildungsexpertin-pladiert-fur-nivellierung-der-schulbildung-10006085/  (1.8.):

Unter dem Stichwort „Chancengleichheit“ soll der Einfluss der am Fortkommen ihrer Kinder interessierten und motiviert mitwirkenden Eltern ausgehebelt werden. …

Ergänzung 7.9.2013:

Dieter Stein (JF): Wenn Eltern überflüssig werden  (5.9.):

Sigmar Gabriel erregt im Bundestagswahlkampf noch einmal mit einem verblüffenden Vorschlag Aufsehen. Der SPD-Vorsitzende erklärte in einem Zeitungsgespräch, er sei dafür, „daß man Hausaufgaben abschafft“. Voraussetzung sei der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsschule. Die Ungerechtigkeit beginne doch damit, „daß Eltern, die Akademiker sind, ihren Kindern bei der höheren Schulbildung einfacher helfen können als Eltern, die nicht studiert haben“.

Gabriels Idee fällt nicht vom Himmel. Seit längerem werden politisch motivierte Studien präsentiert, die diesen Weg weisen. So schloß Anfang des Jahres die Süddeutsche Zeitung aus einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung, es gelinge Kindern „mittelloser Eltern viel seltener, das Gymnasium zu besuchen als dem Nachwuchs von Akademikern, auch wenn diese gleich intelligent sind“. Als Echo solcher Binsenweisheiten folgt dann das Absenken von Bildungs-Standards.

Nach der Logik Sigmar Gabriels übt, wer sich um seine Kinder kümmert, soziale Wettbewerbsverzerrung aus.  

Statt weiter staatliche Erlösungsphantasien zu befördern, sollte endlich wieder zu verantwortlicher Elternschaft ermutigt werden. In der Öffentlichkeit, den Medien gibt penetrant der Typ des androgynen, infantil-promiskuitiven, kinderlosen Singles den Ton an. Elternschaft muß wieder zur Selbstverständlichkeit gehören!

Und es muß wieder die verdammte Pflicht sein, sich um seinen Nachwuchs selbst zu kümmern. Politiker sollen aufhören, staatlichen Stellen hierfür umfassende Kompetenz anzumaßen. Die Erwartungs- und Anspruchshaltung auf Rundumentlastung von Eltern ständig zu befördern, indem der Staat mit Vollkasko-Betreuungsversprechen reagiert, ist eine zur Asozialität verleitende gesellschaftliche Pest. Zuviel Hilfe verhindert Selbständigkeit.

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Eine Antwort zu Hausaufgaben abschaffen?

  1. hildegardlewi schreibt:

    Es fällt mir so schwer, meine Meinung nur zu denken. Es muß einen künstlichen Virus geben!

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