Hochbeachtliches Ergebnis der AfD

Dieter Stein (JF): Ein atemberaubender Parforceritt   (22.9.):

Angela Merkel hat gesiegt. Hinter dem Triumph der CDU-Vorsitzenden liegen aber die rauchenden Trümmer der schwarz-gelben Koalition. Nach dem historisch höchsten Bundesergebnis von 14,6 Prozent bei der letzten Bundestagswahl stürzte die FDP nach der erster Hochrechnung vernichtend unter fünf Prozent ab – ein Minus von zehn Prozentpunkten. Seit 1949 wären die Liberalen erstmals nicht im Bundestag vertreten.

Historisch und eine Sensation ist das Ergebnis der Alternative für Deutschland (AfD), selbst wenn sie den Einzug in den Bundestag knapp verfehlen sollte. Diese neue bürgerlich-konservative Partei wurde erst vor einem halben Jahr gegründet. Innerhalb von wenigen Monaten absolvierte diese junge Bewegung in einem atemberaubenden Parforceritt den Aufbau von 16 Landesverbänden und die Sammlung der für die Teilnahme an der Bundestagswahl notwendigen über 30.000 Unterstützungsunterschriften – was Wochen zuvor niemand für möglich gehalten hätte.

Bundestagswahl zeigt eine veränderte Parteienlandschaft

Über 16.000 Mitglieder hat die AfD inzwischen. Sie kann sich auf eine außerordentlich engagierte und idealistische Anhängerschaft stützen, ohne über die gigantischen Millionenetats der Altparteien zu verfügen. Es ist ein dramatisches Erdrutschergebnis, wenn man in Rechnung stellt, daß trotz zahlreicher Talkshowauftritte des AfD-Sprechers Bernd Lucke in der Fläche noch immer viele Wähler die AfD nicht kannten und die Repräsentanten der Partei bei zahlreichen Wahlsendungen nicht vertreten waren. Ein Aufstieg in dieser Geschwindigkeit ist ohne Beispiel.

Wir finden nach dieser Bundestagwahl eine veränderte Parteienlandschaft vor. Parteien der Mitte und des bürgerlichen Spektrums erreichten über 50 Prozent der Stimmen. Eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün, geschweige denn von Rot-Grün existiert nicht. Die Grünen erlebten, tief versunken im Pädophilie-Sumpf mit acht Prozent ihr Waterloo. Sie wurde vor noch nicht allzu langer Zeit bei über 20 Prozent gehandelt. Die hochmütige Truppe um Claudia Roth, Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt – sie ist deklassiert. Peer Steinbrück, im Wahlkampf glücklos und arrogant agierend, konnte wiederum für die SPD nicht von den massiven Grünen-Verlusten profitieren.

Die FDP steht schließlich vor einem totalen Desaster. Der knappe Sieg der Merkel-Getreuen um Rösler, Westerwelle und Brüderle bei der Mitgliederbefragung zur Euro-Rettung über den eurokritischen Schäffler-Flügel Ende 2011 – er rächt sich jetzt und wird zum Pyrrhus-Sieg. Die FDP hatte damit ihre Existenzberechtigung verloren. Die AfD nun steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Eine Große Koalition – die jetzt kommt [?] – wird die verantwortungslose Euro-Rettung fortsetzen. Die AfD ist dann – neben der Linken – die einzige Partei, die den Unmut breiter Bevölkerungskreise artikulieren kann. Nächstes Jahr ist im Juni Europawahl. Dann wird das nächste Mal abgerechnet.

Ergänzung 23.9.2013:

JF: AfD-Analyse: Im Osten stark / Bei FDP-Anhängern beliebt  (23.9.):

Die Alternative für Deutschland (AfD) ist mit 4,7 Prozent knapp am Einzug in den Bundestag gescheitert. Insgesamt erhielt die Partei 2.052.372 Zweitstimmen und 809.817 Erststimmen (1,9 Prozent). Auffällig ist dabei besonders die Verteilung der Stimmergebnisse. Die JUNGE FREIHEIT präsentiert die wichtigsten Zahlen und Fakten zum AfD-Ergebnis.

In den neuen Bundesländern überdurchschnittlich stark

Besonders gute Ergebnisse konnte die Partei in den Neuen Bundesländern einfahren. So erhielt sie in Brandenburg 6,0 Prozent, in Thüringen 6,2 Prozent und in Sachsen 6,8 Prozent der Zweitstimmen. In Sachsen wurde die Partei hinter CDU, Linkspartei und SPD viertstärkste Kraft. …

Ergänzung:

Vera Lengsfeld: http://www.freiewelt.net/der-alternative-wahlsieg-10011263/   (23.9.):

Die Alternative für Deutschland hat knapp den Einzug in den Deutschen Bundestag verpasst. Die Enttäuschung bzw. die Häme über dieses Ergebnis lässt leicht aus dem Blickfeld geraten, dass es sich um den spektakulärsten Wahlerfolg einer neu gegründeten Partei seit sechzig Jahren handelt.

Die Alternative für Deutschland hat in nur einem halben Jahr zwei Millionen Wählerstimmen gewonnen, ohne Stammwählerschaft, bekanntes Spitzenpersonal, ohne Parteivermögen.

Vor ihr hat nur eine kleine Partei bei ihrer ersten Bundestagswahl mehr Wähler mobilisieren können: Der Bund der Heimatvertriebenen bekam 1953 5,9 % der Stimmen. Allerdings war er da schon drei Jahre alt und konnte sich auf eine spezielle Wählerklientel stützen.

Die Grünen schafften es bei ihrem ersten Versuch im Gründungsjahr 1980 auf 1,5 %, die Piraten bekamen 2009 2,00 % ebenso wie die NPD oder die aus der KPD hervorgegangene Friedensunion.

Die SED-PDS-Linke schaffte es 1990 trotz eines von der SED überkommenen, gigantischen Parteiapparates und eines Riesenvermögens, die für eine regelrechte Materialschlacht benutzt wurden, nur auf 2,4 %. Selbst bei der Bundestagswahl 1994 wäre die SED-PDS-Linke mit 4,4 % an der Prozenthürde gescheitert, wenn sie nicht durch den Gewinn von vier Direktmandaten in den Bundestag eingezogen wäre.

Vor diesem Hintergrund kann man erst den Riesenerfolg der AfD ermessen. Die Partei muss jetzt nur aufpassen, dass sie sich diesen Erfolg nicht kleinreden lässt.
Wenn es bei der AfD Enttäuschung gibt, liegt das nur daran, dass die Erwartungen zu hoch waren. Es wäre einem kleinen Mauerfall gleichgekommen, wenn sie den Einzug geschafft hätte.

Bemerkenswert ist, dass die Wähler der Neuen Bundesländer durchaus zu dieser revolutionären Tat bereit waren. Bis auf Sachsen-Anhalt hat die AfD überall die Prozenthürde deutlich übersprungen. Gebremst hat der Westen, aber das kann sich ändern. Wenn es nach dem Westen gegangen wäre, hätte die Mauer noch eine Weile gestanden. Aus alter Gewohnheit hätte der Westen auch die abgewirtschaftete FDP wieder in den Bundestag geschickt. Hier haben sich die Wähler aus dem Osten aber durchgesetzt.

Was ist noch bemerkenswert?
Trotz einer leichten Erhöhung der Wahlbeteiligung bleibt die Partei der Nichtwähler die stärkste Kraft. Von den abgegebenen Wählerstimmen fallen diesmal 15,7 % unter den Tisch. Das schreit nach einer Reform des Wahlrechts, denn insgesamt sind fast 40 % der Wahlberechtigten im Deutschen Bundestag nicht repräsentiert. Die undemokratische Prozenthürde muss fallen. Das ist das wichtigste Projekt in den nächsten Jahren.

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3 Antworten zu Hochbeachtliches Ergebnis der AfD

  1. Dörflinger André schreibt:

    23.09.13 04:00 h >> Ergebnis der BT-wahlen 2013 > Der Steinbrück wird doch, allen seinen Beteuerungen zum Trotz, versuchen, einen Posten in der neuen BuReg. zu ergattern, wohl aber kaum das Finanz-dept. ergattern, das doch der „ewige“ Schäuble noch nicht „abgeben“ will.
    Ja, was nun? Oder wird d i e Merkel doch etwas Grünes (Trittin ?) an Bord holen? // Auf jeden Fall, ist es höchste Zeit, dass die SPD für 2017 endlich einen neuen „Schröder-Typen“ aufbaut, sonst heisst d e r Kanzler von 2018 nochmals Merkel….

  2. MonaLisa schreibt:

    An Tagen wie diesen…
    gehe ich auch bei nachdenkseiten, A. Müller, spazieren.
    Und dieses u.a. sind die Gründe, weshalb ich nicht gewählt habe…nicht mal die Öko-Demokratischen…sondern nur durchgestrichen.
    ##Deutsche Auslandsinvestoren haben bis zu 600 Milliarden Euro verzockt
    Nachdem die deutschen Unternehmen ihre aus der massiven Lohnzurückhaltung resultierten Gewinne nicht in Deutschland, sondern im Ausland investiert haben, sind darauf bislang Verluste in Höhe von rund 20 Prozent des deutschen Sozialprodukts angefallen…
    Seit die EU im Angesicht der Weltfinanzkrise eine “Warnschwelle” für zu hohe Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen (Verhältnis der Güter, Dienstleistung, sowie Übertragungen von Vermögenserträgen und Einkommen, die aus dem Ausland bezogen und an dieses geliefert werden) der Mitgliedsländer eingeführt hat, sind inzwischen zwar die Defizite der Krisenländer so gut wie verschwunden, Deutschland hat seinen Überschuss hingegen weiter ausgebaut und liegt nun bei annähernd acht Prozent des Sozialprodukts. Mittlerweile wird sogar China, dessen Überschuss 2007 annähernd doppelt so hoch war wie der deutsche, sowohl im Verhältnis zum Sozialprodukt (China zuletzt 2,3 Prozent) als auch absolut übertroffen, wobei Deutschland seine Handelsüberschüsse rund je zur Hälfte gegenüber den anderen EU-Staaten und gegenüber dem Rest der Welt erzielt. China liegt gegenüber dem restlichen Asien hingegen im Minus, weil es von dort Vorprodukte für seine Exporte vor allem in die USA, dem weltweit wichtigsten Defizitland, und nach Europa bezieht.
    Quelle: Telepolis

    Anmerkung unseres Lesers F.P.: Das sind genau die Zusammenhänge, die in Deutschland – falls es hoch kommt – vielleicht ein Prozent der Menschen versteht. Die Vermutung liegt nahe, dass es die meisten selbst dann nicht verstehen würden (oder wollten), wenn man ihnen diesen Artikel in’s Gehirn hämmert, und stattdessen lieber verdrängen. Und genau das sind die Gründe für die gegenwärtige Situation.
    Dass das Geld, welches die Masse der Deutschen weniger haben, direkt in den Taschen der Spekulanten gelandet ist und Banken bzw. Unternehmen nur Zwischenstationen waren, ist vollkommen klar, das hätte man vorher sagen können, weil es ja genau darum ging und geht. Verstehen müsste man es halt, aber da sieht es eben zappenduster aus.

    Anmerkung C.R.: Ein weiterer Beleg dafür, dass die neoliberale Ökonomie auch für die Mehrheit in Deutschland schädlich ist.##

    Einzige „Freude“: dass die FDP da gelandet ist, wo sie hingehört: in den gelben Sack.


    Apropos: Die Mehrheit der Deutschen will keine Kitas! Das scheint nirgendwo angekommen zu sein…Welch ein arrogantes Bewußtsein bei der SPD!
    Nun denn. Es gibt viel zu tun. Schier unendlich viel. Mit welchen Pillen schläft da eine Kanzlerin eigentlich gut? (Allein: wenn Brüssel und „Der Süden“ an die deutschen Kleinsparerguthaben wollen….?)
    Ich habe für mich persönlich gelernt, dass frau vorsichtig sein muß, mit wem sie heute noch, in der Gesellschaft des neoliberlaen Selbstes, „kompatibel“ oder solidarisch sein will…Die alberne Stimmungsmache der Medien gegen politische und kritische Nichtwähler oder Durchkreuzer = Stabilisierung der Verhältnisse wie sie sind! Was ist daran demokratisch? Oder schafft jemand den Kack-Bachelor ab? Oder die Sommerzeit? Oder diese irrsinnige Gleichschaltungs-Krippen-Ideologie? Aktuell schweigt die Presse wieder über die neuen Vorfälle der gemeinschaftlichen Saufraß-Küche und Massenspeisung ohne Rach und Schlubeck (Schulmensa = Schrottessen per Caterer, wie gehabt… ich sag ja: „die Deutschen „können“ es nicht 😦 )
    und nein: die „lieben“ Christen gleich welcher Farbschattierung hätten meine Mehrheit resp. Stimme ebenfalls nicht. Zu frauenFEINDLICH insgesamt. Stehen sie auf den Fundementen der grausligen verachtenden Kirchenväter….

    Tja…was bleibt? Ganz bestimmt keine weitere „Männerpartei“

  3. Randnotiz schreibt:

    DIe stärkste Partei sind die ca. 18 Millionen Nichtwähler und ungültigen Stimmen.
    Was ich glaube? Dass Jesus sich in der —->Nein-Partei („Goggel“) wieder gefunden hätte, aber nicht bei den pietistischen Gesellen oder den Spekulanten und Rendite-und Zinstreibern (die sich auch auf den Geschäftsleute-Events des vollen Evangeliums vergnügen…) Jesus war m.E. kein Mensch des Formalen, des Tafelsilbers, des Scheins und von Political Correctnes (PC, und meistens nichts dahinter als Pseudo…), was im kulturellen Konsens erste Priorität hat, sondern des Inhaltes. Aber die Frage stellt sich mir nicht wirklich, da ich nicht (mehr) christlich, nicht kirchlich, nicht gläubig, ja nicht mal „spirituell“ bin. DIe protestantische (doppelmoralische) Hirnwäsche sitzt Frauen halt in den Knochen, die unfreiwillig und sogar noch spät ihr Licht unter den Scheffel stellen mußten. Diese Botschaft atmete (für mich, geboren nach dem Entstehen der BRD) aus allen Schulfibeln, aus allen Poren. Da waren die Anfangs-Grünen wenig später so etwas wie eine Kulturrevolution. Und wie haben sie sich sowohl häßlich als auch angepaßt gezeigt!

    Dank, Frontal 21, für ein wenig Beachtung des NEINS! :- )

    In meinen Kommentaren stelle ich die absolute Loyalität mit Kindern heraus, verschweige und verkläre jedoch nicht die Schattenseiten eines bundesdeutschen „Hausfrauen-Daseins“ (z.B. verglichen mit Luxemburg oder Schweden…) , welche oft genug einen Spagat des Selbstes, eine Selbstverleugnung bedeuten: Mangelnde Anerkennung, Nichtgesehenwerden, Ausbeutung. Daran trägt der „christliche“ Konsens großen Anteil.
    Eine „zweite Chance“ hatte ich nicht mit 45, nicht mit 53 und heute schon gar nicht. Und eines muß ich praktizieren: „Vermögen“sverzehr! Somit meinen reichlichen Kindern die Zukunft wegfrühstücken.
    Nichtwähler werden von der Folgschaftspresse wie folgt beschrieben: u30, meistens weiblich, ohne Bildung, ohne Beruf, ohne Eigenheim (und so weiter in der prekären Aufzählung)
    Im direkt-demokratischen Vorbild Schweiz beträgt das Nichtwählen allerdings an die 50 Prozent! Frauen höher unbeteiligt.
    Ein Gutes meiner „Tat“: dafür mitgesorgt zu haben, dass sich auch für die FDP *Leistung nicht lohnt*! HÄME! :- )

    Tja: und was wäre TIEFE Demokratie?

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