St.-Martinsfest in Gefahr

http://www.freiewelt.net/nachricht/nrw-linke-will-martinstag-abschaffen-10015312/    (6.11.):

Die Linkspartei in Nordrhein-Westfalen sagt dem Martinstag den Kampf an. Es heißt, man wolle muslimischen Kindern nicht mehr christliche Traditionen „aufzwängen“. Daher fordert sie eine Umbenennung in „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“. Das erinnert an Bestrebungen in der untergegangenen DDR, anstatt Weihnachten vom „Jahresendzeitfest“ oder „Lichterfest“ zu sprechen. Breiter Protest regt sich dagegen. …

Dazu schreibt Birgit Kelle:
http://www.freiewelt.net/ringelpiez-mit-laterne-10015484/   (7.11.):

… Wenn aber ohne St. Martin, warum das Fest nicht gleich in „Hinz-und-Kunz-Fest-mit-Laterne“ umbenennen, wenn man denn christlichen Hintergrund sowieso tilgen will. Und das ist doch die eigentliche Intention. Nicht nur die Linke, auch andere Parteien sind doch offenbar an vielen Fronten bemüht, jeden Anschein eines christlich geprägten Deutschlandes aus der Öffentlichkeit zu verbannen. …

Ergänzung:

Klaus Kelle: http://www.freiewelt.net/laterne-laterne-rucksicht-nehmen-wir-gerne-10015638/   (8.11.):

Mit seinem Vorschlag, die Martins-Umzüge zu entchristlichen, schaffte es ein Politiker der Linken diese Woche in alle Medien. Folgt man seiner seltsamen Logik, so könnten aus “Rücksichtnahme” bald auch andere Veranstaltungen gefährdet sein.

Die Partei “Die Linke” ist in NRW eine eher traurige Veranstaltung. Bei der Landtagswahl im Mai 2012 flog sie in hohem Bogen mit nur noch 2,5 Prozent Stimmenanteil aus dem Landtag. Und bisher ist nicht bekannt geworden, dass sie dort seither sonderlich vermisst wird. Und weil es für Parteien außerhalb des Parlaments nicht einfach ist, mediale Aufmerksamkeit zu erregen, glänzt mancher Repräsentant einer solchen Gruppierung mit echten Gaga-Vorschlägen, um zum öffentlichen Gesprächsthema zu werden.

Hier kommen wir zu Rüdiger Sagel, dem Ex-Abgeordneten der Linken, der 2012 ebenfalls zum Opfer der undankbaren, ignoranten Wähler wurde. Nun ist er Sprecher des NRW-Verbands seiner Partei. In dieser Woche profilierte Sagel sich als wackerer Streiter gegen den heiligen Martin und für die Muslime an sich. Die Martins-Umzüge, schlug er vor, sollten aus Rücksicht auf “den hohen Anteil muslimischer Kinder” in NRW-Kitas in “Sonne-Mond-und-Sterne-Fest” umbenannt werden. Sagel wörtlich: “Ihnen sollte man die christliche Tradition nicht aufdrängen.”

An dieser Stelle muss ich die Menschen muslimischen Glaubens vor Herrn Sagel in Schutz nehmen. Ich kenne keine Muslima und keinen Muslim, die sich durch St. Martin gestört fühlen. Viele haben inzwischen öffentlich ihre Sympathie für den barmherzigen Mann auf dem Pferd geäußert, der seinen Mantel mit einem Armen teilte, und basteln mit ihren Kindern begeistert Lampions – so wie wir zu Hause und viele andere Familien. Man muss schon sehr weit von einem Glauben entfernt sein, um anzunehmen, man könnte Muslime und Christen so simpel gegeneinander aufwiegeln.

Aber, lieber Herr Sagel, bekanntermaßen ist ja Homosexualität bei gläubigen Muslimen auch nicht, sagen wir, populär. Wenn Sie also mal wieder öffentliche Aufmerksamkeit erregen wollen, schlagen Sie doch vor, zum Beispiel die vielerorts stattfindenden Umzüge zum Christopher Street Day in “Friede-Freude-Eierkuchen-Feste” umzubenennen und dort Vollbekleidung für die Teilnehmer anzuordnen. Wir wollen doch niemandem unser Verständnis von gesellschaftlicher Freizügigkeit und Liberalität aufzwingen. Nicht wahr?

Doch wahrscheinlich geht es der Linken bei St. Martin nicht nur darum, Kindern ihren Spaß zu verderben und die Kirchen zu ärgern. Sie stört, dass Martin überhaupt einen Mantel hatte und barmherzig sein konnte. Schließlich sollte jeder einen Rechtsanspruch auf ein Stück vom Mantel derjenigen haben, die einen besitzen. Bis es für jeden so wenig Stoff ist, dass dann alle gemeinsam frieren.

Ergänzung:

Update: Die Linke macht einen Rückzieher. Ihr NRW-Sprecher Rüdiger Sagel war von der „Rheinischen Post“ damit zitiert worden, dass er für eine Umbenennung von Sankt-Martins-Umzügen sei. Jetzt sagt er, er sei absichtlich falsch interpretiert worden. …

… Geboren wurde Martin 316/317 im heute ungarischen Szombathely. Als Jugendlicher trat der Sohn eines Offiziers der römischen Armee bei. Er wurde Christ und errichtete im heutigen Frankreich eines der ersten Klöster des Abendlandes. Später wählte ihn das Volk zum Bischof von Tours.

Schon zu Lebzeiten wurden Martin, der am 11. November 397 starb, viele Wunder bis hin zur Wiedererweckung von Toten nachgesagt. Im Gedächtnis bis heute am meisten verhaftet ist jedoch eine Szene, die am Stadttor von Amiens stattgefunden haben soll: Martin sah am Straßenrand einen frierenden Armen, teilte mit einem Schwert seinen Mantel und schenkte dem Bettler die Hälfte. Martin ist der erste Heilige der Kirche überhaupt, der kein Märtyrer ist. Katholiken verehren ihn ebenso wie Protestanten, Orthodoxe, Anglikaner und armenische Christen.

Der Streit um Sankt Martin ähnelt den Bestrebungen in mehreren deutschen Städten, darunter Berlin, Weihnachtsmärkte in Winterfeste umzubenennen, weil Angehörige anderer Religionen sich angeblich gestört fühlen.

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