Kinder nicht überfordern!

Hanniel Strebel: http://www.freiewelt.net/mussen-wir-heute-wieder-das-spielen-was-wir-wollen-10015859/   (12.11.):

Kinder, die sich selbst überlassen sind, sind nicht emanzipiert, sondern überfordert.

Was seiner allzu vorzeitigen emanzipierten Selbständigkeit dienen sollte, ist in Wirklichkeit eine Überforderung. Ihm werden Entscheidungen abverlangt, denen es nicht gewachsen ist und die ihm das Glück der Behütung rauben. Insofern ist die Frage eines Kindes in einem Hamburger Kinderladen höchst bezeichnend: „Tante, müssen wir heute wieder das spielen, was wir wollen?

Überforderte Freiheit ruft nach neuer Steuerung. Das macht anfällig für die stärkste Kommandostimme:

Die vermeintlich freiheitliche Emanzipation von Autorität und Tradition führt gerade nicht zu der erstrebten Freiheit, sondern lässt diese als überfordernden Zwang zu permanenter Selbstbestimmung empfinden und schliesslich an die stärkste Kommandostimme delegieren. Die Wendung gegen die Autorität beschwört so die Pseudoautorität der Despotie herauf.

Ich wage deshalb zu behaupten: In unserem „aufgeklärten“ Westen wachsen Generationen an labilen Menschen heran, die für alle Arten von Kommandostimmen empfänglich sind!

Aus: Helmuth Thielicke. Mensch sein – Mensch werden. Piper: München 1976. (252–254)

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Eine Antwort zu Kinder nicht überfordern!

  1. heureka47 schreibt:

    Dem typischen / mehrheitlichen zivilisierten Menschen fehlt das Gespür / die Weisheit / innere Führung dafür, was Menschen sind und was Kinder brauchen – um sich gesund / gut zu entwickeln.
    Kinder brauchen nicht nur das „eine“ oder das „andere“; sie brauchen MEHRERE Dinge; und zwar situationsbedingt unterschiedlich und in der jeweils richtigen Art und Weise und DOSIS – sozusagen eine „bedürfnis-angepaßte“ Behandlung, wie eines der neueren Konzepte in der Psychiatrie genannt wird: „Need-adapted treatment“.

    Das können Behandler aber nur leisten, wenn sie sich darüber klar / bewußt sind, was die Bedürfnisse tatsächlich sind.

    Rechtes Verständnis dafür – also nicht nur rational-intellektuelles Verständnis, sondern auch emotionales Verständnis = mit dem HERZEN verstehen – haben aber nur wahrhaft erwachsene Menschen; und das sind die allermeisten zivilisierten Menschen NICHT.

    Ich bin seit 20 Jahren im Bereich „Psychiatrie“ ehrenamtlich engagiert und mußte erkennen, wie tragisch wenig den Menschen, die dort Hilfe erhoffen, diese auch tatsächlich gegeben werden kann.
    „LIEBE heilt“ ist eine Weisheit, über die viel zu wenige verfügen.
    Meine umfassende Kritik an der Psychiatrie wurde 2005 veröffentlicht unter dem Titel „Lieben Sie Ihre Patienten?“.
    Eine Antwort erhielt ich von dem Leiter der hiesigen Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, dem „Ordinarius“, den ich zuvor auch schon seit 10 Jahren persönlich kannte und der sagte: „Nein. Ich liebe meine Frau und meine Kinder.“

    Das genau ist der Fehler in der zivilisierten Gesellschaft, die „Kollektive Zivilisations-Neurose“, die grundlegend geheilt werden muß. Sonst bringt sie uns um.

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