Prostitution ächten!

Mathias von Gersdorff (JF): Prostitution ächten (12.11.):

„Eine Welt ohne Prostitution ist denkbar.“ Unter diesem Motto sammeln die feministische Zeitschrift Emma und ihre Herausgeberin Alice Schwarzer Unterschriften für einen Appell gegen Prostitution. Schwerwiegendste Forderung ist die Bestrafung der Freier.

… Schwarzer sieht Prostituierte als Opfer von Zwang und Gewalt. Sie stecken in einer kriminellen Struktur, aus der sie nicht entkommen. Das Prostitutionsgesetz der rot-grünen Bundesregierung (ProstG) aus dem Jahr 2002 hätte die kriminellen Strukturen geschützt. Schwarzer behauptete in einem Interview mit der Welt vom 3. November 2013, das Gesetz sei von Anbeginn an für Zuhälter und Menschenhändler gemacht worden. Opfer des ganzen seien die Frauen.

… Aus christlicher Sicht ist aber Prostitution grundsätzlich falsch und nicht erst dann, wenn die Frau unterdrückt wird. Prostitution ist von Natur aus unsittlich und muß vom Gesetzgeber auch so behandelt werden. Das Prostitutionsgesetz gehörte zu den gesellschaftspolitischen Vorhaben der rot-grünen Regierung. Sie wollten der Prostitution denselben Rang geben wie anständige bürgerliche Berufe. Das Gesetz ist ein direkter Angriff auf die bürgerlichen Tugenden und auf die christlichen Wurzeln Deutschlands und muß deshalb rückgängig gemacht werden.

http://www.kath.net/news/43680   Menschenrechtsexperte: Die Sklaverei wird weiter zunehmen   (13.11.):

Weltweit sind etwa 30 Millionen Menschen betroffen – Deutschland ist in Europa Sextourismus-Land Nummer eins, „es kommen ganze Flugzeugladungen mit Männern aus den USA, England oder Frankreich, die hier einen Bordell-Urlaub gebucht haben“

… [Der Vorstandsvorsitzende der Menschenrechtsbewegung International Justice Mission Deutschland Dietmar] Roller ging auch auf die Situation in Deutschland ein. Nach seiner Einschätzung ist die Bundesrepublik in Europa Sextourismus-Land Nummer eins und stehe in einer Reihe mit Ländern wie Thailand oder Kambodscha. Roller: „Es kommen ganze Flugzeugladungen mit Männern aus den USA, England oder Frankreich, die hier einen Bordell-Urlaub gebucht haben.“

Die 2002 erfolgte Reform des Prostitutionsgesetzes der rot-grünen Bundesregierung habe die Prostitution aus der Schmuddelecke holen und die Situation der Prostituierten verbessern sollen, so Roller. Erreicht worden sei das Gegenteil: Geholfen habe das Gesetz nicht den Prostituierten, sondern den Zuhältern. Roller empfahl der Bundesregierung, das „schwedische Modell“ zu übernehmen: Dieses lässt die Prostituierte straffrei und stellt den Käufer von Sex unter Strafe:

„Damit wird der Verursacher bestraft, und jeder Freier überlegt sich künftig zweimal, ob er bereit ist, dieses Risiko einzugehen. Durch diese Ächtung der Prostitution ist die Zahl der Freier in Schweden signifikant zurückgegangen. Dagegen ist Prostitution in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft fest etabliert – hier muss sich grundlegend etwas ändern.“

Ellen Kositza: http://www.sezession.de/41796/alice-schwarzer-will-prostitution-verbieten.html/2   (14.11.)

Dazu ein m. E. lesenswerter Kommentar von Belsøe:

Die Realität dieses Gewerbes ist sehr weit entfernt von selbstbestimmten Kiezmuttis Marke Domenica oder porschefahrenden Edelescorts. Leider sind es diese verschwindenden Minderheiten, die von Prostitutionsbefürwortern in ewiger Wiederholungsleier als Beispiele für die glückliche Hure angeführt werden, obwohl vermutlich mindestens 100 Zwangs-, Drogen- und Elendsprostituierte auf jede selbstabrechnende Hure kommen.

Auch in den sogenannten ordentlichen Puffs gibt es immer noch ein wirklich abartiges Einkommensgefälle zwischen Betreiber und Angestellten – Freier finanzieren also kaum angemessenes Einkommen der Frauen, sondern im überwiegenden Fall das Luxusleben des Zuhälters.

An genau dem Punkt wird es dann auch politisch interessant. Natürlich werden die meisten konservativen Männer Frau Schwarzer auch dann noch für übergeschnappt erklären, wenn sie behauptet, dass die Erde keine Scheibe ist – weil sie eben Alice Schwarzer ist. Dennoch, und das ist jetzt bei mir reines Empfinden, ohne dass ich es ewig begründen kann oder will: Es hat in der Tat etwas Verachtendes, wenn man eine Kapitallogik auf menschliche Körper (und wohl auch Seelen) anwendet.

Dass diese Körper weiblich sind, ist sicherlich nicht ganz zufällig für die verbreitete Verleugnung der zugehörigen Tatsachen, nämlich dass daran Männer verdienen. Dass Männer Männer für Sex bezahlen, den Frauen für diese beiden Männer zu erbringen haben, gegen eine eher lächerliche Aufwandsentschädigung – hier wäre dann auch zu fragen, wer da eigentlich mit wem den Deal eingeht, wenn man diesen denn staatlicherseits sanktionieren wollte. Das alles, als ob man eine Art Fabrikbesitzerstatus auch auf Menschen als Ware ausdehnen kann.

Auch dass schon weit vor Schrecklichkeiten wie Zwangsprostitution ein mehr oder weniger ausgeprägtes Gewaltverhältnis dazu gehört, ob psychisch, physisch oder auf Schulden basiert, scheint nicht weiter zu interessieren. Wieviel eine Hure wohl in einer typischen Karriere so erwirtschaftet und wieviel sie davon selber wohl zu sehen bekommt? Ob sie ihrem Luden [von: Ludwig, Anm.] wohl sagen kann „Du, vier Jahre sind genug, ich hör jetzt mal auf damit, einfach weil ich keinen Bock mehr drauf habe“?

Der nächste Punkt, der mich eigentlich im sittlichen Sinne mehr interessiert als irgendwelche staatlichen Eingriffe, ist die Verlogenheit der Sache. Wenn man zehn Personen, am besten Männer, an einen Tisch setzt und fragt, was sie so von Prostitution halten – naja, jeder kennt die abstrakten Argumente. Wieviel davon noch übrig ist, wenn man sie gedanklich durchspielen lässt, dass ihre 18-jährige Tochter…in der Regel meint dann keiner mehr, dass das eine von vielen Möglichkeiten ist, die sie sich eben frei ausgesucht hat. Also ja, natürlich ist da eine gewaltige Doppelmoral im Spiel. Jemand, an dem einem liegt, den man als Menschen sieht, dem wünscht man es eben doch nicht.

Womit ich beim letzten Punkt wäre. Was mich schon ewig stört, ist das Leugnen der größeren sexuellen Verletzbarkeit von jungen Frauen und Mädchen. Auch das ist eine Form der Gleichmacherei! Von groben Übergriffen, die ja auch Männer treffen können, mal abgesehen. Ich will hier nicht zu explizit werden, aber früher wusste man sehr genau, dass es für Frauen eine andere Tragweite hat, intim zu werden, als für einen Mann. Bei allen individuellen Unterschieden (und ja, die Bandbreite ist hier sicherlich sehr groß) gilt das im Ganzen betrachtet wohl immer noch, Pille hin oder her. Die moderne Sexualkultur, die ja eigentlich von jungen Männern der 60er Jahre gestaltet wurde, setzt Mädchen unter Druck, sich sexuell wie eben diese jungen Männer zu verhalten, und eben nicht wie sexuell selbstbestimmte junge Frauen. Allein schon biologisch ist weibliche Selbstbestimmung nämlich gerade mit der Fähigkeit zum Neinsagen und zur Begattungspause verbunden, und nicht (wie die männliche, wertfrei:) durch das ständige Habenkönnen definiert.

Daher glaube ich einfach nicht, dass es besonders viele Frauen gibt, an denen diese Arbeit spur-, schad- und folgenlos vorbeigeht. Jedenfalls nicht so viele, wie es Prostituierte gibt.

Fazit: Gibt’s, wird man nicht loswerden – positiv verteidigen kann man es aber nur mit reichlich G’schmäckle.

Dazu noch einmal Mathias von Gersdorff (JF): Prostitution: Kein Beruf wie jeder andere   (2.9.)

Und siehe auch (Datum beachten!): https://kreidfeuer.wordpress.com/2012/12/17/alice-schwarzer-fordert-aechtung-der-prostitution/

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Eine Antwort zu Prostitution ächten!

  1. heureka47 schreibt:

    Gesunde Kulturen / Gesellschaften können auf Prostitution verzichten.
    Der Fehler / Mangel liegt also darin, daß die zivilisierte Gesellschaft keine gesunde – mehr – ist; aber sie könnte wieder eine werden.
    Dazu müßten wir nur in maßgeblicher Zahl Menschen uns der Einsicht / Erkenntnis öffnen, DASS und AUF WELCHE WEISE wir nicht gesund sind und, DASS die grundlegende Heilung von dem NICHT- GESUNDSEIN möglich ist.
    Wer mich kennt, weiß, ich sehe die tiefere Ursache in der „Kollektiven Zivilisations-Neurose“.

    Immer nur an den äußerlichen Symptomen herum“doktern“ bringt überhaupt nichts; es führt nur zu neuen / anderen / weiteren Symptomen. Das weiß man in der Psychoanalyse / Psychologie auch. Das Phänomen „Symptom-Verschiebung“ sollte gut bekannt sein.

    Den störungs- / krankheitsbedingten – „entarteten“ – (Ersatz-)Bedürfnissen einen politischen „Riegel“ vorzuschieben, heilt das Übel doch überhaupt nicht!
    Da zeigt sich die o.g. Krankheit bei den Politikern bzw. ihren wissenschaftlichen Gutachtern ebenso wie beim großen Rest der Bevölkerung.

    Wie gesagt: Grundlegende Heilung – aller Beteiligten – ist möglich.
    Politiker und Wissenschaftler sollten beispielgebend vorangehen.

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